KEEP IT TRUE XIII – Lauda-Königshofen, Tauberfrankenhalle, Tag 2

3.55

Fast hätte Eyjafjallajökull das KIT gefickt, mindestens aber hat er den Veranstaltern ein paar graue Haare gekostet. Denn viele der KIT-Bands sind schließlich Combos, die hier exklusive Shows spielen und nicht unbedingt gerade auf Tour sind. Die ganze Woche über hagelte es miese Nachrichten, insgesamt kam es jedoch zu wenig Absagen. Als da wären HADES, THOR… und CANDLEMASS. Letztere sagten unter der etwas seltsamen Begründung ab, sie seien sich (trotz weiterhin gebuchter Flüge und Alternativen wie Bus) nicht sicher, ob sie Montag rechtzeitig zurück zur Arbeit kämen, was ihnen auf dem KIT den wenig schmeichelhaften Nickname CANCELMASS einbringt.


KEEP IT TRUE!
  

Pics von Oliver "Bomber" Barth - thanx!


Ich kann nur vom zweiten Tag berichten, da mich meine Eigenschaft als VRHN-Schreigräte am Freitag in Verden weilen lässt. Ist aber auch ein toller Abend mit ADJUDGEMENT, DEW-SCTENTED und TANKARD! Noch nachts um 4:40 Uhr springe ich in meinen Zug und juckele gen Baden-Württemberg. Leider verhindert ständiges Umsteigen, dass ich mal irgendwie schlafen kann, was ich dann erst nach 44 wachen Stunden NACH dem KIT erledige… Aber das hat auch etwas Gutes: Nur die WIRKLICH guten Bands konnten mich aus der dumpfigen Müdigkeit raushauen  und so habe ich hier ein unkorrumpierbares Beurteilungsmaß: Lest also, welche Bands den Wolter wachzurütteln vermögen!

Vom ersten Tag hört man vor allem über WATCHTOWER und ANACRUSIS Gutes. Zum Glück hatte ich beide Bands in den Achtzigern live gesehen, worauf ich immer lässig verweisen kann, wenn jemand den Finger in die Wunde legen will.

Das Billing des nächsten Jahrs liest sich jetzt schon spektakulär, obwohl noch zwei Headliner fehlen: MALICE, SATAN, SACRIFICE (!), OSTROGOTH, METALUCIFER (Yeah! „Heavy Metal Is My Way“), BROCAS HELM, BREAKER etc. Da drehst du doch durch!

So, Zeit für die erste Band: MORTICIAN sind nicht zu verwechseln mit den Röchelgrindern selbigen Namens, nein, es handelt sich um Österreicher, die in den frühen Achtzigern eine Platte veröffentlicht hatten und sich nach über zwanzig Jahren nun reformiert haben. Songs wie „No War“, „Street Warrior“ oder „Reflection Of Your Soul“ ernten Applaus und ziehen die ersten Banger vor die Bühne. Ich findse allerdings etwas ZU simpel im Songwriting. Aber der Sänger tapst kultig über die Bühne und hat ordentlich Spaß inne Backen. Mit „Breaking The Law“ zollt man dem dreißigjährigen Jubiläum des „British Steel“-Klassikers Tribut. Wachheitsgrad: 60 %


MORTICIAN 


Hoppla! Auf den Stampf Metal folgt eine Wagenladung Prog von den Amis HEART OF CYGNUS. Die werden schon richtig abgefeiert. Ich kenne nichts von denen und bin eh nicht so der Progfan. Daher ist mein Vergleich einer Mischung aus RUSH, QUEEN, QUEENSRYCHE, COHEED AND CAMBRIA sowie IRON MAIDEN wahrscheinlich eher hilflos. Aber angenehm entspannt agieren die auf der Bühne, wirken sehr down to earth und charmant. So ein Undergroundfestival ist ja auch nix für Rockstarschweine. Wachheitsgrad: 50%


HOC 


Die Outfits der BesucherInnen sind allein der Hit – wenn man gerade nix zu tun oder zu trinken hat, gibbet immer was zu gucken: Mein persönliches Highlight ist ein Typ in silberner Alujacke und Spandexbuxe mit Zebramuster… Wir lernen in der Pause am Auto ständig Leute kennen, so ziehen gern auch mal Bands mit Bauchläden umher und preisen ihre neueste Granate an. Kurios dabei die Typen von SEX GEPARD, deren CD unser Berliner Kollege Peder mit den Worten „Oh, die haben eine neue!“ kommentiert. Unfasslich – der Mann kennt ALLES! Neu sind ihm auch nicht die Jungs von IRON KOBRA, die sich uns als Commander Conda, Sir Serpent, Lord Python und Don Viper vorstellen. Ganz klar: Eine neue Generation ist am Start, die zeitlose Metal-Werte vertritt: „Banging Heads, fists held high / Smashing Posers as they cry“ („Heavy Metal Generation“)… Sehr erbaulich, hier generationenübergreifend zu diskutieren…

RAM setzen für mich den ersten frühen Höhepunkt. Zwar habe ich die Schweden vor wenigen Wochen erst auf dem ROCKTOWER Festival gesehen, aber heute wirken sie gar noch fokussierter, der Sound noch drückender und mächtiger. Der Sänger agiert wie ein junger Halford, schreit sich den Arsch ab und zieht seine „Heavy Metal Tyranny“ mit der nötigen Selbstironie durch. Sein Wort sei Gesetz, und wenn er das Festival für beendet erkläre, dann sei es gefälligst auch beendet. Das tut er aber nicht – Glück gehabt, netter Tyrann…  Dafür gibt es den typischen Priest-Metal von den Platten „Forced Entry“ und „Lightbringer“. Ich sag: Hammer. Wachheitsgrad: 80 %


RAM 


Französische Bands haben mittlerweile Tradition auf dem KIT (siehe DEMON EYES oder ZOUILLE) – heute stellen sich ADX in diese Reihe. Deren 1985er Scheibe „Execution“ war bei mir länger nicht rotiert, was sich aber nach diesem Auftritt ändern soll! Denn ADX spielen schön flotten Speed Metal, wobei der Sänger diesen typisch französischen Stil fährt, wie ihr ihn auch von H-BOMB oder VULCAIN kennt. Melodisch, aber mit ausreichend Energie. Wachheitsgrad: 75%

KALAPACS – hier horchen POKOLGEP-Fans natürlich auf, denn es handelt sich um die neue Band vom Ex-POKOLGEP-Sänger József Kalapács! Das kommt einer Reunion der ungarischen Legende immerhin nahe, denn Mr. Kalapács bleibt wie ein treuer Schuster bei seinen Leisten und die heißen na logen: TOTALIS METAL! Ungarische Texte, schmissige Metalstampfer zwischen ACCEPT und JUDAS PRIEST.  Nur fehlen angesichts der limitierten Spielzeit und der zahlreichen POKOLGEP-Veröffentlichungen einige POKOLGEP-Kracher wie „Metal Az Esz“. Der Wachheitsgrad bleibt exakt bei 75 %...


KALAPACS

 

Statt HADES spielen jetzt WARRANT. Die sind eine sichere Bank, wie wir in den letzten Jahren bei diversen Festivalgigs immer wieder sehen konnten. Ich find ja: Deutscher Speed Metal OHNE Kitsch und Pathos geht IMMER. Auch nach über zwanzig Jahren knallen Stücke wie „The Enforcer“, „The Rack“ oder „Ready To Command“ ganz hervorragend, sodass sogar dem Timönätör, der eisernen Termite aus Berlin, neben mir der Bierbecher aus den Pranken flutscht. Natürlich kommt der „Enforcer“ samt Henkersmütze und Beil auf die Bühne und post kultig rum. „Wollt ihr den ‘Enforcer‘ noch einmal sehen?“ ist schon ein geflügeltes Sprichwort unter Old-School-Schüttelrüben geworden und kann daher nur als rhetorische Frage gelten. JAAAA, VERDAMMT! Wachheitsgrad: 85 %


WARRANT

 

Endgültig schwerer Kult (ich muss bei KIT-Reviews wirklich darauf achten, dieses Wort nicht überzustrapazieren) sind SATAN‘S HARRY äh HOST. Denn diese Truppe war meines Wissens noch nie in Deutschland und seit kurzem singt ja auch unser aller Liebling Harry Conklin (JAG PANZER / TITAN FORCE) wieder bei den kauzigen Satanisten. „Metal From Hell“ – ein Klassiker, dessen „Unproduktion“  nur ein weiterer Grund für seinen Status ist, ist allerdings mittlerweile nicht mehr unbedingt die Definition des Bandsounds. SATAN‘S HOST klingen 2010 deutlich extremer! Statt Power Metal zocken SH jetzt meist rasenden Black Metal, der von Harrys geiler Sirene faszinierend kontrastiert wird. Musikalisch passiert viel in den Songs, der Satan steckt im Detail. Harry ist zudem perfekt bei Stimme, als Frontmann präsent wie eh und je. Es gibt gleich zwei ungewöhnliche Coverversionen: Mit  „House Of The Burning Nuns“ dreht man gekonnt den LYNYRD SKYNYRD-Klassiker durch den Fleischwolf, ähnliches widerfährt den BEATLES, deren „Norwegian Wood“ als „Norwegian Burn“ kongenial und nicht ohne Augenzwinkern interpretiert wird. Ansonsten bleiben mir „Black Steele“, „Metal From Hell“, „King Of Terror“, „Into The Veil“ oder „Standing At Death’s Door“ nachhaltig in Erinnerung. Wachheitsgrad: 90 %


SATAN'S HOST 


Ehrlich gesagt war ich etwas skeptisch, ob TYGERS OF PAN TANG wirklich gut werden würden. Doch mit den ersten Tönen wischen die TYGERS sämtliche Bedenken vom Tisch. Vergessen der eher durchschnittliche Gig vor ein paar Jahren in Wacken! Zur positiven Überraschung tragen zwei Fakten bei: Erstens kommen die Songs glashart und frisch aus der PA gedonnert, zweitens entpuppt sich der neue Sänger Jacopo Meille als Wahnsinnssänger, der die Songs unfasslich souverän singt. Der Typ agiert selbstverständlich auf der Bühne, als sei er seit Anbeginn an Bord, klingt gleichzeitig aber kraftvoll und spritzig! Und dann die Playlist: „Euthanasia“, „Raised on Rock”, “Take It”, “Suzie Smiled”, “Hot Blooded”, “Slave to Freedom”, ”Never Satisfied”, “Rock and Roll Man”, “Hellbound”, “Wild Catz”, “Gangland”, “Don't Touch Me There”…  Sensationell und die beste Band des gesamten Festivals! Wachheitsgrad: Verfickte 150 %!


TYGERS OF PAN TANG 


Natürlich sind DEMON nicht schwächer, aber die Briten hat man ja nun schon so oft sehen können, dass die Qualität der Darbeitung keine Überraschung ist. Wer DEMON tatsächlich noch nie gesehen hat, wird natürlich durch die Atmosphäre aus den Schuhen geboxt und der Rest feiert einmal mehr Dave Hill samt Band ab. Die Stimme zählt zum Allerbesten, was es im Metal oder meinetwegen auch Rock gibt, dat ist bestimmt nicht nur meine Meinung. Die Tatsache, dass DEMON es trotz ihrer Eingängigkeit nicht längerfristig zu Erfolg gebracht haben, lässt die KIT-Gemeinde sie noch stärker in die Arme schließen.  Ein Pluspunkt auch, dass DEMON die Playlist im Vergleich zur Abschiedstour geändert haben, so waren „Blue Skies In Red Square“ oder „No More Hell On Earth“ (Hill erinnert sich nicht mehr, auf welcher Platte der war, „let’s just say from the best-of“) lange nicht im Set. Ansonsten Hit auf Hit: „Sign of a Madman”,  “Into the Nightmare, “Commercial Dynamite”, “Liar”, “Blackheath”, “Standing On The Edge”, “Life on the Wire”, “The Spell”, “Night of the Demon”, “Don't Break the Circle” und als Zugabe “One Helluva Night”… Fast überflüssig zu erwähnen, dass die Stimmung den KIT-Siedepunkt erreicht und ALLE Songs unfasslich laut mitgesungen werden.  Wachheitsgrad: nahezu gleichbleibend hoch dank Euphorie und Ahoi-Brausebirne!


DEMON 


Hm, die Idee dem 2009 verstorbenen CRIMSON-GLORY-Sänger Midnight eine Art Memorialkonz zu widmen ist natürlich lobenswert, aber konnte offenbar lediglich kurzfristig geplant bzw. umgesetzt werden. Wenn ich es richtig verstehe, musste der geplante Sänger außerdem auch noch absagen, sodass der OBSESSION-Sänger und später Harry Conklin megaspontan einspringen. Leider kann der OBSESSION-Typ aber die Texte nicht, was natürlich schade ist. Die Band ist technisch Hammer und spielt die Songs mit ihren typischen Harmonien einwandfrei, der Mob ist elektrisiert und schmettert sehr laut „Red Sharks“, aber die Strophen fehlen halt völlig. Harry rettet den Tag, der kann das zwar auch nicht auswändig, legt aber den Text auf den Boden und klingt in einer packenden Version von „Lonely“ sehr nah am Midnights Stimme.  Ich würde es begrüßen, wenn man dieses Konzept in einer erweiterten (und besser vorbereiteten) Form auf einem zukünftigen KIT nochmal aufnimmt, zumal Veranstalter Oliver Weinsheimer jahrelang an einem CRIMSON-GLORY-Auftritt gearbeitet hat.  


CRIMSON GLORY TRIBUTE 


Boah, nun macht sich bei mir der Schlafentzug bemerkbar, aber FIFTH ANGEL will man sich natürlich nicht entgehen lassen. Hier erscheint es im Vorfeld besonders gewagt, diese Band nach zwei Bands zu platzieren, deren Sets voller Gassenhauer sind, schließlich hat man ewig nichts von FIFTH ANGEL gehört und dieser Auftritt werde der erste im aktuellen Line-Up mit neuem Sänger sein.  Aber es mögen schon einige Reunions abgestunken haben – FIFTH ANGEL zählen nicht dazu! Der Sänger entpuppt sich als Peter Orullian von HEIR APPARENT, was für mich schon mal ein Hammer ist. Der Typ ist zwar nicht so eine Rampensau, singt aber hervorragend. Und in Sachen Publikumsresonanzen muss man sich beim KIT keine Sorgen machen – ebenso wie die ersten beiden CRIMSON-GLORY-Alben sind auch das FIFTH-ANGEL-Debut sowie der Zweitling „Time Will Tell“ in die Gene der BesucherInnen eingedrungen.  Gespielt werden fast alle Songs des Debuts (bis auf „Fade To Flames“) sowie „Cathedral“ (geil), „Seven Hours“, „Midnight Love“, „Time Will Tell“, „Wait For Me“ und “We Rule“ von der zweiten Platte, ergänzt schließlich noch durch das nette UFO-Cover „Lights Out“.  Wachheitsgrad: 90 %


FIFTH ANGEL 


Ich bin angemessen im Eimer und auch Kollege Magnus sieht eher ziemlich fertig aus, als die Lichter angehen – kein Wunder, dass ich zurück im Hotel nicht mal mehr einen Schluck aus dem frisch aufgerissenen Humpen schaffe, vielmehr in Klamotten und mit Kontaktlinsen wegratze…

Respekt und Dank für dieses Festival an Oliver & Crew – ONWARD TO KIT XIV!

Eingereicht von Philipp

Kommentare   

 
0 #1 Matt 2010-05-01 21:27
Na, cooler Bericht. Das HADES abgesagt haben , beruhigt mein Gewissen etwas, aber WATCHTOWER hätte ich zu gerne gesehen...
 
 
0 #2 Philipp Wolter 2010-05-01 21:27
Danke!
Die Chancen stehen gut, dass man WATCHTOWER nochmal irgendwo sehen kann. Die wollen offenbar Ernst machen, nehmen eine neue Platte auf und auf der MySpace-Seite ist sogar schon ein neuer Song! http://www.myspace.com/officialwatchtower
 
 
0 #3 Horst Spider 2010-05-01 21:27
von den hier erwähnten bands kenne ich KEINE. krass, wie heftig ich keine ahnung von nix hab.
 
 
0 #4 Philipp Wolter 2010-05-01 21:27
Das liegt aber nicht ausschließlich an deinem RTL2-Konsum, Horst - die erwähnten Bands sind fast alle dem obskuren Metalundergroun d zuzuordnen.
 
 
0 #5 Horst Spider 2010-05-01 21:27
seit die keine sexfilmchen mehr im spätprogramm bringen, guck ich gar kein RTL2 mehr !!
 
 
0 #6 DoctorJoyBoy Love 2010-05-01 21:27
Tun die nich? Womit bestreiten die denn jetzt 70 % ihrer Sendezeit?
 
 
0 #7 Horst Spider 2010-05-01 21:27
ich kenn jemanden, der eine fernsehzeitung hat. da werd ich mal nachschlagen.
 

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