Brutal Assault Open Air 2011 Festung Josefov / Jaroměř Tschechien / Tag 2 - 12.08.11

Brutal Assault Tag 2, Freitag  12.08.2011:

Irgendwann um kurz vor elf bin ich aufgewacht und habe tatsächlich bestimmt zehn Stunden am Stück gepennt. Das habe ich auf einem Festival noch nie geschafft.

Leider habe ich dadurch „Cannabis Corpse“ (10:30), die erste Band, die ich sehen wollte, verpasst. Das Spaßprojekt, in dem unter anderem der „Municipal Waste“ Bassist und der „Volture“ Gitarrist mitspielen und in dem „Cannibal Corpse“ sowie diverse andere Death Metalbands uminterpretiert werden, hätte ich mir gerne mal angeguckt.

alt

(Cathedral)

Aber muss mit „Excrementory Grindfuckers“ die erste Band, auch bereits schon um zehn anfangen? So früh ist doch noch kein Mensch musikalisch aufnahmefähig. Vor allem nicht, wenn am Vorabend die letzte Band erst um halb drei mit dem Spielen angefangen hat. Mir reicht es locker, wenn die Bands gegen Mittags oder am frühen nachmittag anfangen zu spielen.

Nach dem Aufstehen ging es erst mal Richtung WC, ja es gab in dem Garten, anscheinend eine ehemalige Gärtnerei, ein richtiges WC und auch fließendes Wasser war vorhanden. Das hatte, wie ich finde, auch auf einem Festival schon so seine Vorteile. Ich würde mich, wenn ich wieder auf das Brutal Assault fahre, auf jeden Fall wieder für das Campen in diesem Garten entscheiden. Direkt beim Festivalgelände gibt es zwar auch ein "VIP" Camp, in dem man dann gegen Aufpreis in einem eingezäunten und bewachten Bereich zelten darf, aber nur zelten. Das Ganze erinnert dann allerdings ein wenig an Hühnerkäfighaltung. Wenn man am oder im Auto campen möchte, muss man sich für den „Autocampingplatz“  bzw. eher einen bewachten Parkplatz entscheiden. Anscheinend waren in diesem Jahr jedoch bereits am Donnerstag mehr Leute auf dem Festival als im Vorjahr und auch am Freitag sollte es noch voller werden. So war zum Autoabstellen der Park- bzw. Autocampingplatz  bereits Donnerstag frühmorgens vollständig belegt, so dass ich froh war, mit viel Glück noch das Gartencamping entdeckt zu haben. Ich glaube, wenn ich in der Stadt irgendwo im Auto hätte pennen müssen, wäre das ganze Festival viel anstrengender geworden. So schlief ich aber nahezu genauso gut wie zuhause.

Nach ausgiebigem Wachwerden ging es dann Richtung Festivalgelände, um mir als erste Band „Debustrol“ aus Tschechien anzugucken. Zuvor habe ich noch einen Halt am besagten „VIP“ Camp gemacht, um nachzusehen ob meine Leute noch bei ihren Zelten sitzen. Dies erwies sich leider als etwas schwierig, da mich die Aufpasser nicht auf das Campinggelände lassen wollten. Nach ein wenig Rumerklären durfte ich dann doch kurz gucken, ob meine Leute dort waren, was sie aber leider nicht waren. Ich bin dann also erst mal allein über den steilen Festungswall gestiegen und bin Richtung Bühnen gegangen. Dort liefen mir die Drei dann auch gleich über den Weg. Ich kaufte mir ein schnelles Frühstück, erneut in Form von Pizza und legte dann später noch mal mit Obst nach.

Bands:

alt

Darauf folgend ging es dann vor die Bühne zu Debustrol(13:20). „Debustrol“ sind eine tschechische Thrashmetalband, die dort Kultstatus besitzt und die mir bereits am Vortag von etlichen Leuten bei meiner Tour über das Campinggelände empfohlen wurde.  Die Band existiert bereits seit 1986 und spiele auch immer noch, wie mir erzählt wurde, nahezu in der Originalbesetzung. Nur der Drummer sei nicht mehr dabei. Etliche Leute meinten "Debustrol are the czech Slayer". Nach dem Konzert kann ich diese Aussage nur bestätigen. Ich würde fast sagen, dass sie mir live besser als „Slayer“ gefielen, da einfach mehr Spielfreunde und weniger Routine rüberkam. Gesungen wurde  auf Tschechisch und es war somit für mich nicht zu verstehen. Dieses minderte den hohen Unterhaltungswert der Band aber nicht. Die Band hat eine ähnlich gute Performance, wie „Kreator“ am Vortag abgeliefert, nur dass man „Debustrol“ zuvor noch gar nicht kannte, was zu einigen musikalischen Überraschungen führte.

alt

Nach dem Konzert versuchte ich vergeblich einen Tonträger der Band am Merchstand abzugreifen. Auch auf dem an das Festivalgelände angebundenen Metalmarkt wurde ich im nachfolgenden nicht fündig, obwohl man dort auch einiges an gebrauchten Tonträgern erwerben konnte. Empfehlenswerte „Debustrol“ Platten sollen wohl "Neuropatolog" und "Svìt co zatoèí s tebou", was wohl "The World That Twirls With You" heißt, sein. Ich muss mir unbedingt noch mal eine dieser beiden Platte zulegen. Bisher war das Auffinden der beiden Tonträger vergebliche Mühe oder sie waren nicht erschwinglich.

Da am heutigen Tag die Sonne ordentlich drückte und ich mir am Vortag, trotz Sonnencreme, bereits einen ordentlichen Sonnenbrand zugelegt hatte, entschieden wir uns im folgendem dazu erst einmal in das Shisha Zelt zu gehen. Dort konnte man gemütlich auf dem schattigen Boden auf Teppichen sitzen. Meine Begleiter rauchten Shisha, man konnte sich Tees und Bier ordern. Dieses nutzen wir dann in den nachfolgenden Stunden etliche Male und die Zeit verging wie im Fluge.

alt

„Hail of Bullets“ (15:50) verpasste ich hierdurch leider.


altalt

Zu „Atheist“  wollte ich dann aber wieder vor der Bühne sein. Es begann auch eine Band mit dem Spielen, aber es waren nicht „Atheist“ sondern Gorod (17:10). Der Sänger stellte sich auf Tschechisch vor und sagte kurz, dass „Atheist“ nicht spielen könnten und sie nun für diese einspringen würden. „Gorod“ aus Frankreich kannte ich bisher auch noch nicht. Gemacht haben sie technischen Death Metal, aber dieses Mal war es so richtig technischer Deathmetal, teils mit progressiven etwas frickeligen Gitarrenelementen drin. Man konnte sich „Gorod“ auf jeden Fall gut angucken.


alt

Direkt danach ging es dann weiter zur zweiten Bühne nebenan, um mal in die mir ebenfalls unbekannten, Kypck (ausgesprochen: Kursk) (17:55) reinzugucken. Laut Programm wurde die Band als Sludge/Doom Metal beschrieben. Zumindest die Doombeschreibung stimmte dann auch. Live war die finnische Band, die sich so konzeptmäßig auf die Sowjetunion bezieht, auch auf jeden Fall sehenswert. So guckte ich mir die Band auch vollständig an. Der Bassist spielte eine einseitige Bass Sonderkonstruktion im UDSSR Look und einer der Gitarristen hatte eine Gitarre im AK-47 Look in den Händen, die der von Moe Konkurenz machen könnte.

altalt

Der finnische Sänger sang ausschließlich auf Russisch. Die Themen der Songs wie „1917“, „Alleya Stalina“, oder „Stalingrad“ haben wohl teilweise historische Hintergründe, wie z.B. die Repressionspolitik Stalins, die Februarrevolution 1917 etc. Ich kann jedoch aufgrund der Sprachbarriere nicht mehr über die Textinhalte sagen.  Die Band spielte folgende Songs: „Chernaya Dyra“, „Alleya Stalina“, „Tovarischam“, „Bardak“, „Chernyi Sabbath“, sowie „Stalingrad“. Der Song „Chernyi Sabbath“ erwies sich hierbei als originell, da es sich um eine auf Russisch interpretierte Version des Klassikers "Black Sabbath" eben dieser Band handelte. Das was ich mir im Nachhinein von „Kypck“ auf Platte angehört habe, überzeugt  mich bisher aber eher weniger. Mir ist das irgendwie alles zu glatt produziert. Ich habe dann noch erfahren, dass der ehemalige „Sentenced“ Gitarrist nun wohl bei „Kypck“ spielt. Soundmäßig kann man dies zumindest auf Platte auch durchaus heraushören.


altalt

Im Anschluss an „Kypck“ habe ich dann zur Bühne nebenan gewechselt, um mir The Exploited (18:40) anzugucken. Der nicht gerade unumstrittene Wattie Buchan bellte sich durch die  üblichen Exploited Songs wie „Troops Of Tomorrow“, „Beat The Bastards“, „Fuck the System“, „Fuck the USA“, etc. Irgendwann gegen Ende des Sets kam dann noch den Exodus Sänger Rob Dukes mit auf die Bühne. Sie sangen dann zusammen „Sex and Violence“. Im Großen und Ganzen ein gutes Konzert, jedoch bleibt aufgrund der dubiosen Gerüchte rund um die Band ein bitterer Nachgeschmack.

Die nachfolgenden „Katatonia“ schenkte ich mir und machte mich noch einmal auf in den Garten zum Bus, um die Kamera zu wechseln und um mich dort infolge noch ein wenig fest zu sabbeln.

Ich war dann auch erst wieder auf dem Festivalgelände, als Exodus (20:25) bereits angefangen hatten. Die Band spielte folgende Songs:

The Ballad of Leonard and Charles

Beyond the Pale

Iconoclasm

Blacklist

War Is My Shepherd

Bonded By Blood

The Toxic Waltz

Strike Of The Beast

alt

Ich glaube zum Song  „Blacklist“ war ich wieder vor Ort und muss sagen, dass zumindest das, was ich gesehen habe, ein gutes „Exodus“ Konzert war. Viele mögen „Exodus“ mit Rob Dukes ja nicht. Ich schon! Man darf gespannt sein, wie sich die Band im Dezember auf dem „Thrashfest Classics“ in Hamburg durch die ersten drei Alben spielt.


alt

Nach Exodus guckte ich mir dann The Dillinger Escape Plan (21:20) an. Wikipedia beschreibt das was die Band macht als Math- oder Jazzcore. Ich muss sagen „The Dillinger Escape Plan“  fabrizierten schon ziemlich frickeliges Zeug. Eine Mischung verschiedenster Musikarten getragen von Hardcore und Grunzparts.

altalt

Auf jeden Fall sehenswert und beeindruckend. Bestimmt auch mal auf Platte einen Versuch wert.


Danach ging es dann weiter zu Satyricon (22:10). Ich fand die Band irgendwie langweilig. Vielleicht lag es an der Band, vielleicht auch an der bereits schon einsetzenden Reizüberflutung durch die vielen bereits schon auf diesem Festival gesehenen guten Bands. Mich konnte der norwegische Black Metal von „Satyricon“ zumindest nicht überzeugen. Es wirkte alles irgendwie vorhersehbar und choreographiert.

alt

Folgende Songs wurden gespielt:

Walk the Path of Sorrow

The Wolfpack

Now, Diabolical

Black Crow on a Tombstone

K.I.N.G.

Hvite Krists Død

The Pentagram Burns

Fuel for Hatred

To the Mountains

Mother North


alt

Nach einer Pause ging es dann weiter zu Cathedral (00:05), auf die ich mich bereits Vorab gefreut hatte. Da die Band im Dezember aufhören will Konzerte zu spielen, bin ich froh, dass ich sie noch live sehen konnte. Lee Dorians charismatischer Livegesang erinnerte mich dabei  teilweise an den "Fu Manchu" Sänger Scott Hill. Die Band spielte sich durch „Vampire Sun“, „Enter the Worms“, „Soul Sacrifice“, „Midnight Mountain“, „Cosmic Funeral“, „Ebony Tears“ und „Ride“,um abschließend noch „Hopkins (Witchfinder General)“ zu performen. Für mich einer der besten Auftritte des Festivals.

alt


Nach Cathedral habe ich mich dann dazu entschlossen, mir noch Mayhem (01:00) anzugucken. Ich hatte von dieser Band nicht viel erwartet, fand sie im Nachhinein, zumindest musikalisch, aber erstaunlich gut. Der Sänger hantierte irgendwie das ganze Konzert durchgehend immer wieder mit einem Kunststofftotenschädel herum und hatte so ein Antipapstdress, vergleichbar mit dem Sänger von „Ghost“, an.  Irgendwelcher Kram mit abgehakten Tierköpfen blieb einem zum Glück erspart. Zeitweise überlegte ich, woran mich einige Töne des Sängers entfernt erinnern. Doch dann fiel es mir ein. Eine elektrisch verstärkte "gurrende" Taube. Der Sänger konnte wirklich auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen schreien und grunzen, schon beeindruckend.

alt

Da ich von der Band tonträgermässig nicht besonders viel kenne, habe ich mir die Setlist aus dem Netz geklaut.

Es gab:

Silvester Anfang   (Intro)

Pagan Fears

Ancient Skin

My Death

Cursed In Eternity

A Time To Die

Illuminate Eliminate

Freezing Moon

Deathcrush

Carnage

De Mysteriis Dom Sathanas

Pure Fucking Armageddon (Excerpt)


Nach „Mayhem“ war die Luft für den heutigen Tag dann auch irgendwie vorerst raus. Es setzte die Müdigkeit ein. Ich trank jedoch erst einmal weiter Bier und quatschte mit diversen Leuten. Irgendwann war ich dann auch über den toten Punkt hinweg und guckte noch mal kurz in „Dew-Scented“ (1:50) rein.

alt

Die aus Braunschweig/Walsrode stammende Band spielte schnellen und gut gespielten Thrash Metal. Zu früherer Stunde hätte das ganze sicher mehr Spaß gemacht.


Ein Kumpel von mir wollte dann noch Einherjer (02:25) sehen.

alt

Deshalb habe ich auch noch kurz mit in diese Band reingeguckt, kann aber nicht sonderlich viel zu "Einherjer" sagen, da ich einfach keinen Viking Metal mag.

Ich hatte dann auch eigentlich vor, so langsam in Richtung Bus zurückzugehen, um pennen zu gehen. Kurz vor dem Rückweg habe ich mir noch ein Festivalposter, die am Merchstand umsonst auslagen, mitgenommen. Am Folgetag wurden die Dinger dann dort verkauft. Im Garten angekommen, traf ich dann noch einen slowakischen Bekannten, den ich bereits beim Auffinden des Gartencampings kennengelernt hatte und der mich noch zu einigen Absacker-Getränken überredete.  Um kurz nach vier bin ich dann schließlich Richtung Bett gegangen, um erneut in Ruhe, ohne Geschrei oder Brutal Assault Rufe, zu schlafen.

Eingereicht von JanML

Kommentare   

 
0 #11 bockfred 2011-09-02 16:02
Und wie, also doof jetzt.
Zitieren
 
 
+2 #12 Andy 2011-09-02 16:59
Und um das alles mal zum Ende zu bringen: Das gleiche Trifft auch auf Dukes zu und so haben sich da zwei getroffen. Sozusagen Dick+Doof & Doof.
Zitieren
 
 
0 #13 JanML 2011-09-04 03:28
@Andy: Patriotistische Ansagen sind ohnehin schlecht und inakzeptabel.
@Bocky: Das Herausreden aus dem Bild mit dem erhobenem Arm verstehe ich ja noch. Aber das mit dem Hakenkreuz? Wie hat er sich da rausgeredet? Das er enn Nazi ist glaube ich auch nicht, aber irgendwie finde ich das alles ein wenig zwiespältig.
Zitieren
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Login

Wer ist da?

Aktuell sind 80 Gäste und keine Mitglieder online

Keiner