METAL CHURCH, BLIKSEM, DISTILLATOR / 06.05.2016 – Hamburg, Klubsen

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Die ersten fünf METAL-CHURCH-Alben gehören zu den allerbesten klassischen Metalplatten, darüber muss man wohl mit niemandem diskutieren. Ronny Munroe hat seine Sache live gut gemacht und sowohl die Songs aus der Zeit Dave Waynes (R.I.P.!) als auch die aus der von Mike Howe originalgetreu gesungen. Nur blieb er auf den Tonträgern blass und konnte der Band nie richtig seinen eigenen Stempel aufdrücken. Der Wiedereinstieg von Mike Howe kam dann völlig überraschend. Das neue Album ist nicht ganz das erhoffte Überalbum geworden, beinhaltet andererseits aber auch keine Stinker und zeigt vor allem Howe in bestechend guter Form. Erfreulicherweise pilgern heute richtig viele Nasen zum Klubsen, was ich angesichts der momentanen Konzertdichte und dem parallel laufenden Hafengeburtstag nicht gedacht hätte. Endlich ma wieder inne Kirche gehen, ne, höhö.


Bereits bei DISTILLATOR ist die Hütte voll. Die Niederländer thrashen los wie die Irren und zeigen sich im Vergleich zu ihrer Supportshow für RAVEN nochmal gesteigert. DESTRUCTION-artige Riffs treffen auf keifend-fiesen Gesang und galoppierende Drums. Das geht immer gut rein bei mir, zumal der Sound des Trios richtig fett ist, tatsächlich wohl der gelungenste Mix des Abends. Das Geile an DISTILLATOR ist, dass sie so frisch und unbekümmert klingen. Das ballert dermaßen wild aus den Boxen, dass es völlig egal ist, ob das nun megaoriginell ist. Die Riffs sind nicht zu technisch und fräsen sich gut rein, die Gesangslinien bleiben gleich hängen und Refrains von „Revolutionary Cells“, „Bloody Assault“ oder „Shiver In Fear“ hab ich schon beim ersten Mal mitgeschmettert. Dazu kommt wieder das SLAYER-Cover von „Black Magic“ – schön, schön. Spielen übrigens auch auf dem diesjährigen Wilwarin.


Von BLIKSEM (Flämisch für Blitz) wurde mir schon Gutes erzählt, ich hatte bis jetzt noch nichts von den Belgier_innen gehört und bin also gespannt. Musikalisch haut mich die Band jetzt nicht völlig aus den Latschen, aber die Band reißt definitiv einen energiegeladenen Auftritt runter. Die Sängerin Peggy Meeussen grinst permanent und turnt barfuß über die Bühne, trägt außerdem ein grünes Kleid, was alles schön anti-klischeehaft ist und mich für die Band einnimmt. Geboten wird treibender Thrash mit melodiös-rauem Gesang, von wuchtigen Stampfern bis Speed-Gebolze ist alles dabei. Leider sind die Songs insgesamt aber „nur“ gut und nicht überragend, finde ich zumindest. Am besten gefällt mir der Gesang, der schön rotzig ist und leicht punkige Vibes versprüht. Die Möglichkeiten für mehr hat die Band – mal sehen, ob BLIKSEM in Zukunft noch zwingendere Songs schreiben.


Und dann METAL CHURCH! Holy shit, gleich beim Opener „Fake Healer“ wird klar, dass die Band mit einer ganz anderen Motivation als in den letzten Jahren auf die Bühne geht. Es war immer gut mit Munroe, einige Auftritte (KIT, HOA) sogar großartig, aber Mike Howe ist eben doch eine ganz andere Hausnummer. Der Kerl singt echt alles in Grund und Boden! Auf dem ersten Video zur aktuellen Platte agiert er ja bewegungstechnisch noch etwas unsicher – das Ding wurde vielleicht sehr früh nach seinem Wiedereinstieg gedreht, aber jetzt besitzt Howe wieder die alte Bühnenpräsenz. Leider ist der Gesamtsound etwas verwaschen, erst im letzten Drittel gelingt es dem Mischer, den Gitarren den nötigen Crunch zu verpassen. Immerhin schneidet sich aber Mike Howes Stimme die ganze Zeit durch – und das ist heute das Wichtigste. Der Schwerpunkt liegt auf den Howe-Platten, und ich merke, dass ich diese Dinger echt inhaliert habe, sodass ich bei „In Mourning“, „Gods Of Second Chance“, „Date With Poverty“, „Badlands“, „No friend Of Mine“ und „Human Factor“ jedes Wort und jeden Schrei synchron mitbölken kann (wenn auch nicht so gut wie der Kollege am Mikro, leider). Von „XI“ gibt’s natürlich auch ein paar Nummern, die das Stimmungslevel sogar fast zu halten vermögen („Reset“, „No Tomorrow“, „Killing Your Time“). Total abgefeiert werden die Klassiker der ersten beiden Alben. Wer hat bitte keine Gänsehaut, wenn „Start The Fire“, „Watch The Children Pray“ oder „Beyond The Black“ gespielt werden? Die Band wird verdientermaßen restlos abgefeiert. Nur einen Kritikpunkt wird wohl jede_r Besucher_in mit mir teilen: Wie zur Hölle kann die Band bitte auf „Metal Church“ verzichten? Der Song gehört doch wohl in jede Setlist der Seattle-Legende! Und „Gods Of Wrath“ hätte gern auch noch kommen dürfen. Ansonsten ein einziger Triumphzug.


Setlist:

Fake Healer
In Mourning,
Start the Fire
Reset
Gods of Second Chance
Date with Poverty
No Tomorrow
Watch the Children Pray
No Friend of Mine
Killing Your Time
Beyond the Black
Badlands
Human Factor

Kommentare   

+1 #1 Dawn of the angry 2016-05-08 15:30
Klasse Konzert. Neben den angesprochenen fehlenden Perlen, hätte ich mir Deathwish oder The brave gewünscht. Ach, und 25€ für ein Shirt: Nö!
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