GUANA BATZ, RAYGUN COWBOYS, THE SURFANAUTS / 11.07.2025 – Hamburg, Monkeys Music Club
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Montag, 28. Juli 2025 12:48
- Geschrieben von Doom Fränk
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Musik für Millionen! Musik, die die Massen begeistert! Nein, das war Psychobilly vermutlich nie. Der kleine, aggressive Bruder des Rockabilly ist ein dreckiger Bastard aus eben diesem und dem Punk Rock. Erfunden von den Meteors irgendwann Anfang der 80er, bekam diese Musikrichtung für mich erst mit Demented are go ihr hässliches Gesicht. Da mit den Guana Batz heute eine Legende aus dieser Ecke der kommerziell eher unerfolgreichen Musik auf die Bühne steht, kann es nur heißen: Hin da!
Das Monkeys ist heute so voll, wie ich es noch nie erlebt habe. Natürlich geht es vor dem Besuch der Bar zuerst an den Mercher und da wird „abgeerntet“ – sagt man heutzutage wohl so. Einen Aufnäher, eine Gürtelschnalle und ein besticktes Handtuch der Guana Batz. Zum Glück sind nicht viele Bands ähnlich kreativ, sonst würde es auf Dauer etwas teuer werden. „Aus deiner Plattensammlung baut dir später – also post mortem – keiner eine Pyramide“, sagte mir erst vor kurzem eine philosophisch angehauchte Konzertbesucherin bei den UK Subs. Wahre Worte in der Tat, die jeden zum Nachdenken anregen sollten – auch wenn er oder sie wie ich nur CDs kauft.
„Wir sind die Vorband der Vorband“, verkündet der sympathische Gitarrist der Band ´The SurfAnauts´. Sie kommen aus Kiel und weit haben sie es daher nicht. „Wir spielen Surf. Es gibt Surf mit und ohne Gesang. Bei uns ist es ohne“, wird als Erklärung nachgeschoben. Und ja, hier singt keiner. Ist das schlimm? Nö, es klingt halt alles etwas wie bei „Misirlou“ von Dick Dale & The Del Tones. Oder wie manches andere bei „Pulp Fiction“, aber in dem Film ist das Lied ja auch enthalten. Die Gitarre ist relativ sauber und unverzerrt derweil sie die Melodie der Lieder vorgibt und nicht nur Fuzz, Fuzz und noch mehr Fuzz aus den Boxen ballert. Kurzweilig, unterhaltsam und handwerklich gut umgesetzt ist es und von der Musikrichtung passt es prima zu dem späteren Psychobilly der Guana Batz. Der verwendete E-Bass macht einen super Eindruck und auch der zu einem Kleid bzw. einem Hemd umgenähte Duschvorhang aus den 70ern überzeugt – optisch alles ganz toll. Kleine und unbezahlte Werbung: Am 18.10. spielen sie als Hauptband der Hauptband in der neuen Schaubude. Einen Besuch haben die drei definitiv verdient.
„Das kann ja heiter werden“, denke ich beim Anblick der Raygun Cowboys und der prall gefüllten Bühne. Nicht ein Blechblasinstrument, sondern gleich drei. Fließt hier etwa der von mir gefürchtete SKA in das -billy mit ein? Nein, zum Glück nicht. Im Hintergrund haben wir ein Schlagzeug, das stets im mittleren Tempo operiert. Dazu knallen die Saiten des Slap Basses ordentlich auf dessen Griffbrett. Die E-Gitarre steuert Melodien aus dem Rock`n`Roll oder teils dem Country bei und der kehlige Gesang berichtet uns über dies und das. Dazu gesellt sich – stets im Einklang – ein Saxamaphone, eine Trombatute und eine Bubateka. Diese bleiben aber im Rhythmus und der Melodie des jeweiligen Liedes und machen nicht das, was SKA, zumindest für mich, unerträglich macht – nämlich stören.
Nun kommt aber der Hammer!!! Die 6- bis 7-köpfige Band aus Edmonton, Kanada, spielt ein Cover. Dieses ist kein geringeres als das beste Lied der besten kanadischen Band ever! Dies schließt ausnahmsweise mal die großartige Tina Turner als ursprüngliche Interpretin aus. Hier sind es SNFU, ebenfalls aus Edmonton, denen dieses Meisterwerk im Original zu verdanken ist. Gespielt wird tatsächlich „Painful Reminder“ aus dem Jahr 1993. Das Lied ist schnell(er), voller Gebläse und ohne Mr. Chi Pig, aber was soll´s…geil ist es trotzdem. Die Raygun Cowboys spielen nicht unbedingt Psychobilly, dafür sind die anderen Einflüsse zu groß und der Punk Einfluss etwas zu niedrig, aber geil war es trotzdem. Ich habe jetzt auch weniger Angst vor Blech-Gebläse. Wobei…dem Typen mit dem 3-Meter Iro und seiner Trombatute möchte ich nicht nachts in einer dunklen Gasse begegnen. Solider Auftritt.
Wer bleibt nach? Die fuckin´Guana Batz betreten die Bühne. Hier von einer Legende zu sprechen, ist wohl eine maßlose Untertreibung. Ab der ersten Sekunde liefert der Slap Bass einen eigenen Rhythmus derweil Stuart Osbourne mit seiner E-Gitarre Rock´n´Roll Riffs ohne Ende in das tobende Publikum abfeuert. Hier wird tatsächlich noch das „Wrecking“ betrieben. Das Schubsen und Stoßen ist jedoch kein Versuch der Körperverletzung sondern nur die Einladung, es einem gleichzutun. Trotz des aggressiven Klangs des Psychobillys der Guana Batz halte ich mich da lieber etwas zurück, Verletzte gibt es natürlich aber nicht.
Auf der Bühne hat längst Pip „Pip“ Hancox die Kontrolle übernommen. Dort singt, pfeift und schreit er wie seit über 40 Jahren und hat nicht ein Jota seines Charismas eingebüßt. Mit freiem Oberkörper - im Monkeys ist das noch erlaubt!!! – geht es durch Lieder wie „King Rat“ oder „Streetwise“. Bei „I´m on fire“ denke ich das gleiche über mich selbst und bei „Can´t take the Pressure“ stimme ich voll und ganz zu. Ein neues Album gibt es seit 25 Jahren nicht, aber wer braucht das schon, wenn die alten Kracher alles bereits abdecken und neue Lieder kaum besser werden könnten. Super Auftritt in einem kochenden Monkeys, der wirklich auch den letzten Besucher begeistert zurück lässt. Und durstig dazu… Rückfahrt mit Karre, sonst käme hier noch das übliche, berechtigte Gelaber über die Bahn. Irgendwie Schade, dass es die Rockin´ Nightmares in Kiel nicht mehr gibt.

Kommentare
Ja, nach dem Duschvorhang haben wir auch lange gesucht
Beste Grüße
Ulli / The SurfAnauts
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