MANTAR, DEATHRITE, AFFENMESSERKAMPF / 01.11.2025 – Kiel, Pumpe

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MANTAR sind ein Phänomen, das sich mittlerweile gewissermaßen etabliert hat. Die Clubs werden beständig größer, obwohl das Duo musikalisch nun wirklich nicht zugänglicher oder kommerzieller komponiert. Wir berichteten über die ersten Auftritte im Hafenklang und in der Schaubude, über WILWARIN (second ground) und HELL OVER HAMMABURG (Marx), staunten im Knust, in der Fabrik oder in Wacken. Im Februar dieses Jahres räumten sie sogar nach KVELERTAK in der Großen Freiheit ab. Und nun zum zweiten Mal Pumpe, nachdem sie 2019 hier bereits mit DOWNFALL OF GAIA gespielt hatten. Was ich ja bemerkenswert finde: Man kann sich darauf verlassen, dass MANTAR stets einen geilen Support dabei haben. Allein auf dieser Tour sind zum Beispiel AFFENMESSERKAMPF oder HAMMERHEAD dabei, DEATHRITE sind als Tourpartner zum zweiten Mal am Start. Das zeugt von Bock und Szenekenntnis und es gibt ja genügend Bands, denen so etwas ab einer bestimmten Größe egal ist.

 

MANTAR

Bilder von MJ und Rüdiger Naffin.

 

Yeah, AFFENMESSERKAMPF in der vollen Pumpe, das ist allein schon herrlich. In meiner Bubble kennt AMK natürlich jeder, aber ich denke schon, dass Teile des Publikums noch nie von ihnen gehört haben. Wird dann auch mal Zeit, ihr Slacker! Leider spielen die Affen heute nicht in voller Stärke, denn Leif ist aus gesundheitlichen Gründen zockverhindert. Sehr schade, aber für mich hat es den Nebeneffekt, dass ich dadurch mehr auf Torben achte, der somit heute für zwei Gitarre spielt und zudem auch viele Gesangsparts übernimmt. Kommt es mir nur so vor oder schreit er faktisch an mehr Stellen als bisher? Kommt auf jeden Fall gut und ergänzt sich perfekt mit Hannes beißendem Vortrag. Letzterer ist heute übrigens der einzige Sänger, der sich politisch klar und explizit positioniert (nicht dass das jede:r Musiker:in ständig und überall tun müsste). Er wünscht uns Energie, Kraft und Schmalz dabei, es in jeder Lebenssituation zu verurteilen und laut zu widersprechen, wenn jemand rassistische Scheiße labere. Also auch im beruflichen oder familiären Kreise, wo man vielleicht mal versucht ist, den Frieden zu wahren, weil man einfach keinen Bock auf den Stress hat. Finde ich gut auf den Punkt gebracht, denn wer kennt das nicht und hat vielleicht echt schon das Maul gehalten, obwohl momentan jeder Millimeter gegen rechts verteidigt werden muss. Von „Affenmesserattitüde“ über „Im alten weißen Van“ und „Ein deutsches Herz hat aufgehört zu schlagen“ (Teile 1 bis 3) bis hin zu „Euer Ernst ist nicht euer Ernst“ wird wie gewohnt scharf geschossen. Neues Element der Bühnenshow: Eine alte Glotze mit 24h-Affenprogramm! Klar sind die meisten wegen MANTAR hier, aber AFFENMESSERKAMPF bekommen lauten Applaus. Mit Leif wär es natürlich noch besser gewesen – gute Besserung! Ach ja: Mit WASABI RIOT hat Torben noch eine Band am Start, deren erste LP „Trans Rosa“ jetzt erschienen ist. Sehr gutes Ding, Plattenkritik folgt!   

 

AFFENMESSERKAMPFAFFENMESSERKAMPFAFFENMESSERKAMPFAFFENMESSERKAMPF

 

DEATHRITE kommen mir immer noch wie neue Band vor, haben aber doch schon bereits fünf Alben und 15 Jahre Bandexistenz auf dem Buckel. Sie haben sich über die Jahre vom reinen HM2 Death Metal (mit leichter Punkkante) weiterentwickelt. Was bei manchen Bands schiefgeht und zu gewollt klingt, finde ich bei den Dresdnern gelungen. Auf „Nightmares Reign“ (2018) gingen sie zum Teil etwas vom Tempo runter, fügten Crust und Post Metal hinzu, der ‘24er Nachfolger „Flames Licking Fever“ kombiniert Einflüsse von HELLHAMMER, DARKTHRONE, ENTOMBED und CELTIC FROST. Dieses Räudige, Düstere und Rollende bleibt dabei stets ein verbindendes Element. Sänger Tony Heinrich lässt komplett die Musik sprechen, verzichtet auf jegliche Ansagen. Ich steh zwar auf Gesabbel, aber so kannste durchbangen, auch mal schön. Wenn ich mich nicht irre, gibt es ausschließlich Songs von der neuen Platte und von der „Delirium“-EP (2022). Die neue Besetzung wirkt top eingespielt und ballert Stücke wie „Crippled Ego“, „Misanthropic Rush“, „Deadbeat“ oder meinen Favoriten „Sepulchral Rapture“ garstig in die Pumpe. Auch hier noch ein Tipp zu Projekten beteiligter Musiker: Checkt mal WAYWARD an, die Heavy Metal Band von Tony Heinrich und Martin Grüneberg!

 

DEATHRITEDEATHRITEDEATHRITEDEATHRITE

 

Die Stimmung war zwar schon bis zu diesem Zeitpunkt gut, aber erst bei MANTAR brechen alle Dämme. Von Song zu Song vergrößert sich der Moshpit und es ist herrlich mitanzusehen, wie einige Leute wirklich vollständig in der Musik aufgehen und ihren Verstand an die Wand schmeißen! Man kann hier auch mal wieder bestätigt sehen, dass es dieses gewisse Element, zu dem du so durchdrehen, herumspringen und headbangen kannst, eben nur im Heavy Metal und Punk findest. Deshalb werden auch immer junge Menschen ihren Weg in diese Musik finden, egal was im Mainstream gerade angesagt sein mag. MANTAR werfen die Knochenmühle an. „Spit“, „Cross The Cross“, „Rex Perverso“, „Halsgericht“, „Hang ‘Em Low (So The Rats Can Get ’Em)”, “Era Borealis”, “White Nights” – alles da. Hanno und Erinc hinterlassen Pfützen aus Schweiß auf der Bühne, abartig der fette Soundklumpen aus Gitarrenbrutalisierung und Drums of Doom. Sowie natürlich dem Gegurgel, Gekrächz und Geschrei der beiden. Gerade bei Hanno klingt es immer wirklich völlig frei von jeder Technik herausgekotzt, so als müsste er danach eigentlich stimmlich völlig abgefuckt sein. Und er ist ein Entertainer geworden, der den Leuten richtig in den Arsch tritt, sich gleichsam an die Roots erinnert und die früheren Konzerte z.B. in der Bude erwähnt: „Wir schleimen nie, aber ich spüre den Kiel-Vibe!“ Ein für mich besonders schöner Moment: Jemand wirft vor Begeisterung sein frisch geholtes Bier weg, ein Drittel klatscht mir herrlich erfrischend ins Gesicht. Nee, wat ist das wieder schön! Es gab dieses eine MANTAR-Konzert im Knust, wo der mir der Mob schon zu aggressiv abging, aber heute ist alles genau richtig. Vielleicht wirklich dieser Kiel-Vibe. Aber wie beim letzten Konzert in Hamburg kann ich nur meinen Hut ziehen vor MANTAR: Das ist wilde und entfesselte Metal-Kunst!

 

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Boah, dat war geil. Ich hatte schon gewisse Erwartungen und die wurden auch voll erfüllt. Um das Motto des morgigen Abends vorwegzunehmen: VERY ‘EAVY, VERY ‘UMBLE!  

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