SACRED STEEL, PORTRAIT, MANTA / 21.11.2025 – Hamburg, Bambi Galore

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Bereits seit (fast) 30 Jahren feiern SACRED STEEL die SUPREMACY OF STEEL, da ist es nur recht und billig, jetzt eine Tour so zu benennen. Torsten und ich waren von Anfang an auf der Reise von SACRED STEEL dabei, als Referendar inne 90er hab ich mal im Rahmen einer Projektwoche mit Schüler:innen eine Art Umfrage erstellt, in der die Befragten sich zu Subkulturen wie Heavy Metal, Punk, Oi! und so weiter äußern sollten (das Projekt hieß „ROCK“, im Grunde geht’s nicht besser, oder?). Das den Metal sinnbildlich darstellende Foto zeigte natürlich SACRED STEEL und ich weiß noch, dass einige der befragten Bürger Gerrit und seine nietenbewehrten Mannen mit Worten wie „also, die sehen doch ganz sympathisch aus“ kommentierten. 1998 spielten meine damalige Band WALLCRAWLER übrigens auch mal zusammen mit SACRED STEEL im Marx, das war tatsächlich ihre erste Show in Hamburg. Für mich sind SACRED STEEL eine der besten deutschen Metalbands, sie haben unzählige Hymnen mit Killermelodien geschrieben und bleiben konstant geil. Zwischen Platten, Konzerten, Touren etc. gab es immer mal längere Päuschen, aber letztlich zählt die Beständigkeit und mit „Ritual Supremacy“ haben SACRED STEEL bereits das zehnte Album am Start, was dann doch wieder ein sehr guter Schnitt ist. Ich hab richtig Bock auf das Ding heute, zumal auch noch PORTRAIT dabei sind, die zu meinen Lieblingsbands der „neuen“ Generation zählen. 2005 lernten wir sie als picklige Teenager (die, nicht wir) auf dem KEEP IT TRUE-Parkplatz kennen und nun sind es auch schon gestandene Recken, das ist doch verrückt. Mit MANTA ist dann auch eine blutjunge Truppe dabei, auf die ich gespannt bin, da man die Typen ständig auf Konzerten in der ersten Reihe bangen sieht. Genug Intro-Gefasel, ab in den Pit!

 

SACRED STEEL

Bilder von MJ.

 

Yeah, MANTA stellen eine erfreuliche Entdeckung dar! Der Name ist ein bisschen panne, da man in jedem Gespräch dazu sagen muss, dass man nicht von MANTAR spricht (oder auch nicht von MANTAS). Das Backdrop mit so einem selbst gezeichneten Logo in Form eines Mantarochens ist aber schon wieder Kult! Das Trio ist kurzfristig eingesprungen, zieht aber sofort Banger vor die Bühne. Ich bin auf Anhieb angetan, spielen MANTA doch einen angenehm aufgeräumten Sound, der schwer nach Proto-Hardrock klingt. Das schließt quasi die Lücke zwischen HAWKWIND und sehr frühen MOTÖRHEAD. Geile Melodien, schön räudig und versoffen. Inhaltlich sollte der Song "Holsten" erwähnt werden, wichtiges Thema, ich steh dahinter. Mit jedem Stück wird die Performance sicherer, gleichzeitig füllen sich vor der Bühne die letzten Lücken. Das eigene Material finde ich besser als die Coverversion von DIMPLE MINDS‘ „Alkoholiker“, die aber auch gut ankommt. Insgesamt Daumen hoch, das kann was werden! Das erste Demo wird abgeerntet!

 

MANTAMANTAMANTA

 

PORTRAIT sind ja immer eine Macht, so auch heute. Von Anfang an steht der Sound, gerade Per Lengstedts Vocals klingen super und setzen sich im Mix kräftig durch. Mit „The Blood Covenant“ kommt gleich ein Stück der aktuellen LP „The Host“ zum Einsatz, und der Refrain „All my life I have swallowed / the lies of the church /
I gave all for nothing / By this pact now I forever bask in your light /
The blood covenant” bohrt sich direkt ins Gehirn. Das textliche Konzept ist ja sehr interessant und erzählt die Geschichte eines Soldaten im 17. Jahrhundert, der Wahrheit sucht und einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Ich mag die Ernsthaftigkeit, mit der PORTRAIT ihr Material präsentieren. In einigen Songs mache ich einen Touch Black Metal aus, auf jeden Fall eine düstere Atmosphäre. Die Gitarrenläufe überzeugen durch eine unterschwellige Boshaftigkeit, bauen gekonnt Einflüsse von MERCYFUL FATE, JUDAS PRIEST oder IRON MAIDEN ein, ohne je plump zu kopieren. Ach, und optisch liefern PORTRAIT auch total mit ihrem Nieten/Leder/Patronengürtel-Look. Als Highlights würde ich „A Thousand Nightmares“, „From The Urn“, „Burn The World“ und den Signature-Song „Beast Of Fire“ nennen. Wer’s bis jetzt noch nicht mitbekommen hat: Ich bin Fan.  

 

PORTRAITPORTRAITPORTRAITPORTRAIT

 

Ein SACRED STEEL-Konzert fordert die körperliche und geistige Fitness! Du musst immer bereit sein, die Fäuste zum Fistbangen in die Luft zu stoßen, die Kehlen sollten für die monströsen Refrains gut geölt sein, natürlich musst du dafür spontan komplexere Textpassagen zitierfähig parat haben und überhaupt ist Multitasking das Gebot, schließlich bist du nicht allein auf der Welt und willst auch im äußersten Euphoriestadium keine:n beißen, schubsen oder auffe Füße treten. Ob mir das alles so gelungen ist, frage ich euch. Denn mit dem ersten Song „Metal Is War“ setzt der Heavy-Metal-Blutrausch ein. Die Hände werden automatisch zu Klauen, der Unterkiefer schiebt sich leicht nach vorn und der Körper scheint plötzlich zu nicht mehr erhofften Bewegungsabläufen fähig zu sein. Es ist übrigens toll, dass SACRED STEEL abermals neue Mitglieder ins Line-Up integriert haben, ohne dass diese wie Fremdkörper wirken. Im Gegenteil, es wirkt, als machten genau diese fünf schon ewig miteinander Musik. Neben den Gründungsnasen Gerrit (v) und Matze (d) haben wir seit 2006 Jonas Khalil an der Gitarre und frisch seit 2023 bedienen Toni Ieva sowie Jörn Langenfeld Bass und Gitarre. Die Band ist bestens aufgelegt, die Art, wie Gerrit kommuniziert, finde ich perfekt und wieder mal höchst sympathisch. Denn seine Ansagen zeugen von einer abgeklärten, grundentspannten Haltung, reißen gleichzeitig immer wieder mit und sorgen nicht zuletzt für so einige Lachtränen. Nach dem ersten Song wird das Bambi von „SACRED STEEL! SACRED STEEL!“-Chören erschüttert. Ich weiß nicht, ob sich da jemand absichtlich mit einer Variation reingeschlichen hat, aber auch Gerrit hört etwas heraus: „Äh, was ruft ihr da genau? Ach, doch SACRED STEEL? Ich habe da gerade ANAL FIST gehört… Später vielleicht im Backstage…“ Yeah, die Setlist fräst sich nahezu durch die gesamte Diskografie, nur „Hammer Of Destruction“ bleibt heute außen vor, glaube ich. Aber dafür donnern andere Volltreffer mit Inbrunst durch die PA, übrigens bei herrlichem Sound: „Open Wide The Gate“, „Wargods Of Metal“, „Battle Angel“, „Heavy Metal Sacrifice“, „No God / No Religion“, „Heavy Metal To The End” oder “Sacred Bloody Steel”. Dazu natürlich diverse neue Stücke, die qualitativ absolut anschließen. Ich liebe vor allem die puren Heavy-Metal-Songs mit US Metal-Einschlag bei SACRED STEEL, finde auch die Extrem-Einflüsse aus Death und Thrash bei einigen Stücken sehr erfrischend und gelungen. Was ich gar nicht nachvollziehen kann, sind Leute, die Gerrits Stimme kritisieren. Gerade die hat so ein geiles Timbre, für mich klingt er wie der Jello Biafra des Metal. Am Ende, als eigentlich alles gesagt und gespielt ist, geben die Wargods of Hamburg keine Ruhe und brüllen die Schwaben zurück auf die Bühne. Gerrit lässt uns zwischen zwei Titeln wählen, der Applaus entscheidet und „Tonight The Witches Ride“ beendet dieses phänomenale Konzert.

 

SACRED STEELSACRED STEELSACRED STEELSACRED STEEL

 

Ein Top-Abend und Anwärter für die Jahresbestenliste in der Rubrik des besten Konzertes 2025!     

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