ZAHN, GRIN / 20.02.2026 – Hamburg, Betty

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Tja…eigentlich wollte ich da gar nicht hin, aber eine Karte war über, also was soll´s. Das Betty ist das ehemalige Headcrash - da am Hamburger Berg gelegen, knappe 50 Meter vom Blauen Peter entfernt. Hat sich außer dem Namen etwas verändert? Nö. Ist das jetzt gut oder schlecht? Muss jeder selbst wissen, ist halt so ein Bums ohne große Besonderheiten. Nette Bedienung, Getränke (außer Bier natürlich) sind von Pepsi und es gibt sogar Schwip Schwap! Alles ganz unkompliziert. Im Grunde genommen ist an Hamburg ja sehr geil, dass selbst in einer Querstraße auf Pauli Konzertschuppen versteckt sind, die trotz allem in Kiel das Maß aller Dinge wären. Daher gibt es wie immer nur eine Losung: Hin da!

 

ZAHN

 

Grin aus Berlin sind ein musizierendes Ehepaar. Klingt einfach so daher gesagt ziemlich blöd, aber isso. Ob die Obergs glücklich verheiratet sind? Weiß ich nicht, aber ich denke schon, immerhin haben sie vermutlich den gleichen Musikgeschmack und das ist ja schon mal viel wert. Darum geht´s ja hier aber ja auch gar nicht! Musikalisch operieren Grin irgendwo in den Tiefen des Sludge, wobei das Ungemütliche, das Schmutzige, das Kakofonische fehlt. Also EyeHateGod oder Buzzov*en wären für einen Vergleich ganz schlechte Beispiele, derweil Crowbar auf der anderen Seite viel schwerer und größtenteils auch schleppender ist. Das erstgenannte ist aber nicht als Kritik zu verstehen, im Gegenteil, die Musik wird dadurch eingängiger.

Das Schlagzeug ist nicht sonderlich langsam gespielt, sondern treibt die Lieder unter kräftigen Schlägen energisch nach vorne. Dazu gesellt sich nur ein E-Bass, der aber eine E-Gitarre eigentlich kaum vermissen lässt. Aber auch nur eigentlich – das Klangspektrum ist dadurch von sich aus eingeschränkt und bleibt stets auf eine maximale Tonhöhe beschränkt. Grundsätzlich ist das wohl ein gewolltes Merkmal von Grin, aber so dann und wann wünsche ich mir dann doch mal den Ausbruch nach oben, das Bersten des Eises, den Durchbruch aus der Tiefe des zugefrorenen Sees nach oben. Nichtsdestotrotz zeigt die Musik, was man – oder hier frau – aus einem E-Bass hervorholen kann, wenn man – oder hier wieder frau – nicht einzig die oberste Saite ein paar Mal pro Lied antippt. Neee, das ist hier schon super.

 

GRINGRIN

 

Dazu gibt es kehlig gebrüllten oder eher gebellten Gesang des Schlagzeugers. Ich hoffe, das Ehepaar Oberg kommuniziert so nicht miteinander abseits der Bühne, aber das möchte ich fast schon ausschließen. In der alten Bude spielten Mal Year of the Cobra aus Seattle – falls sich noch jemand erinnern kann. Musikalisch ähnlich, aber langsamer und Basserin Amy Tungs Vocals waren damals weit weniger aggressiv. Ah, ich lese gerade, die 2 von Year of the Cobra sind inzwischen auch verheiratet! Dann ist doch alles super!

Guter Auftritt, der Abend hat sich jetzt schon gelohnt – und dies, obwohl ich heute ganz nüchtern bleibe. Morgen spielen ja Demented Are Go und da muss ich fit sein!

 

GRIN

 

Umbaupause und die Zahl der Oberlippenbärte auf der Bühne erhöht sich schlagartig – praktisch so von 0 auf 100. Dann wollen wir der nächsten Band mal auf den Zahn fühlen. Bei der habe ich durchaus Bammel, dass mir die Musik gar nicht gefallen könnte. Es gibt nur Instrumental Tracks und das ist normalerweise gar nicht meine Welt. Ich höre ja auch kein Moe Zart oder Viv Aldi. Von Kyuss jedoch gibt es das Lied El Rodeo, welches praktisch auch ein Instrumental ist, aber das ist richtig geil! In dessen Mitte – so nach geschätzten 6 Minuten, sagt John Garcia nur kurz „El Rodeo“ und dadurch ist das Lied für mich kein Instrumental mehr sondern schlicht und ergreifend gerettet! Und geil! Die Jungs von Kyuss haben untereinander übrigens nie geheiratet – leider kam es nichtsdestotrotz zur Scheidung. Schade.

Egal, Zahn legen los. Schlagzeug, Bass, Gitarre und KEIN Gesang. Unterstützt werden sie noch durch Keyboards, die manchmal direkt gespielt werden und manchmal kommt da auch Musik vom Band raus – also vorprogrammiert oder wie auch immer. Die ganze Chose ist schon recht abgehoben und durchaus abwechslungsreich. Mal gibt es so ein Geschwirre der E-Gitarre, dann wird wieder Surf gespielt, anschließend wird ein Zahn zugelegt und es geht nach vorne.

 

ZAHNZAHN

 

Einige hoffen noch auf eine einzige Textzeile oder zumindest auf eine Ansage zwischen den Liedern, aber dieser Zahn wird auch dem Letzten irgendwann im Laufe des Sets gezogen. Wiewohl manchmal richtig spacig wie der Flug nach Istban IV, wird gerne auch mal ein Zahn zugelegt und der Warp Antrieb auf Stufe Alpha-Sigma gezündet. Handwerklich ist das alles sauber umgesetzt, wobei die Musiker wohl auch keine Unbekannten sind. Chris Breuer (Heads., ex–The Ocean Collective), Nic Stockmann (Heads., ex–Eisenvater) and Felix Gebhard (Muff Potter, live–Einstürzende Neubauten, live–Tocotronic) dürften dem ein oder anderen Leser dieser überparteilichen Krach und Gebrüll Schmonzette ohne Angst vor Oberlippenbärten vielleicht ein Begriff sein. Mir nicht, aber das soll nichts bedeuten.

Als Krautrock, Dark Jazz, Noise Rock, Post-Punk, Post-Rock und Electronic Music war das Gebräu von Zahn angekündigt worden und ich denke, das passt wohl irgendwie der Abwechslung wegen. Der Bums ist nebenbei erstaunlich gut gefüllt und eine Handvoll der Besucher gehen auch richtig ab. Zusammengefasst ist das alles durchaus interessant und mal was anderes. Heute ist übrigens die Premiere des neuen Albums „Purpur“. Leider wird das Lied Pavian nicht gespielt. Die Band hält sich ja auf Konserve sehr bedeckt mit weiteren Informationen; ich hätte live gern schon mehr von dem Inhalt des Liedes erfahren. Ist es ein rot-, grün- oder blauärschiger Pavian? Sucht dieser Arbeit? Etwa in der Wüste Gobi? Man weiß es nicht und wird es wohl auch nie erfahren.

 

ZAHNZAHN

 

Falls die Band doch noch einen Sänger sucht, würde ich Diggen (ex-Slime) empfehlen. Die Texte könnte ja Prollhead, die alte Kapeiken-Band aus….was ist das da? Fuhlswerder?...schreiben. Die haben früher schon das Niveau in den Rock der Republik zurückgebracht. Mit Liedern wie Ich hasse deine Familie, Ihr seid alle blöde W*chser oder Niemand siegt am Millerntor wurde die Messlatte für lyrische Kunst in deutscher Sprache auf ungeahnte Höhen gestemmt. Aber ist nur eine Idee…

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