GAMA BOMB, LICH KING, OUTBURST / 28.03.2026 – Lübeck, Treibsand
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Donnerstag, 09. April 2026 13:34
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Triple-Thrash-Treat im trefflichen Treibsand! Und was für eine gute Zusammenstellung. Gerade LICH KING waren wirklich länger nicht mehr in unseren Gefilden auf Tour, ich zumindest sah sie zuletzt 2019 und 2017. Eine neue Platte gibt es zwar noch nicht, der letzte Longplayer „The Omniclasm“ ist von 2017, aber das ist ja kein Grund, nicht zu touren. GAMA BOMB hingegen sind hier recht verlässlich unterwegs, haben es als Iren natürlich auch nicht so weit wie ihre US-Kollegen. Die letzten Shows 2024 (Bambi und HOA) haben sie bei mir als eine der besten „neuen“ Thrashbands re-etabliert. Beide Bands erwiesen sich als spieltechnisch von oberster Güte und zudem als Garanten der guten Laune. Mit OUTBURST kommt noch eine Band ausm Norden dazu, denen dieser Supportslot vollständig zu gönnen ist.
Bilder von MJ.
Erfreulicherweise zieht dieses Package ordentlich viele Leute an, es kommen auch viele Kieler und Hamburger Thrasher:innen. Gerade die Hamburger Fraktion scheint es zu genießen, dass sie hier vermeintlich keine:r kennt und dreht ordentlich am Rad. Doch DreMu sieht alles! Aber keine Angst – was im Treibsand passiert, bleibt im Treibsand…
Was es doch ausmacht, wenn eine Band auf Tour geht! Bei OUTBURST hat sich einiges getan. Die Band hat deutlich an Bühnenpräsenz gewonnen und wirkt im Gesamtbild harmonischer. Zusätzlich zur neu gesammelten Spielerfahrung hat sich auch die Besetzung geändert: Phil ist vom Bass an die Gitarre gewechselt und neu am Bass ist Finn Schwerdhöfer (TOXIC HAZARD, DEHUMANISER). Der Sound steht nach wenigen Songs, der Mob schlägt die Köppe an den Bühnenrand. Schreigräte Philip wuselt hektisch über die Bühne und kreischt wie ein Paul Baloff auf Koks. Und so ein Maniac soll angeblich Lehrer sein! Das kann doch gar nicht stimmen… Ein Kumpel sagt später, dass ihm die Band auf der Bühne zu chaotisch gewirkt habe. Ich finde, dass ein wenig Chaos durchaus zum wilden Thrash der Flensburger/Schleswiger passt. Auf jeden Fall sind OUTBURST in meinen Augen auf dem richtigen Weg. Mit „Push The Button“, „Devouring The Masses“ oder „Count Your Blessings” schießen die Jungs jedenfalls ein paar geile Thrash-Granaten ins Treibsand.
Bei LICH KING bricht ein enthemmtes Treiben los! Auch hier dauert es ein paar Momente, bis der Sound passt, anfänglich setzen sich die Gitarren noch nicht optimal durch. Aber spätestens ab Song Nr. 3 ist das nahe an der Perfektion. Man muss sich kurz daran gewöhnen, dass mittlerweile ein neuer Sänger dabei ist. Zach Smith ist 2019 eingestiegen, der Vorgänger Tom Martin wird jedoch noch offiziell im Line-Up als Songwriter geführt. Aber die Stimme passt derart gut zur Band, dass man Zach mit offenen Armen empfängt. Er singt schön aggressiv, sehr rhythmisch und klingt tonal im Grunde ähnlich. Die Energie der Band nimmt einen sofort gefangen, es dauert auch nicht lang, bis sich ein Circle Pit bildet, der das gesamte Konzert über nicht zur Ruhe kommt. Geil finde ich es ja auch, dass die Band bereit ist für spontane Aktionen: Ein Stagediver klettert auf die Bühne – um sich dort aber platt wie ‘ne Flunder auf den Rücken zu legen. Der Bassist legt sich kurzerhand dazu und wenig später bilden die beiden ein SCORPIONS-Knäuel. Auch Warp Michi erklimmt die Bühne, wacker mit einem Humpen Bier in der Hand. Dies entreißt ihm der Bassist blitzschnell, kippt es ihm überraschend über den Kopf und befördert den etwas bedröppelt Guckenden mit einem Schubser zurück in den Mob. Yes, everybody gut drauf! Es wirkt, als hätten viele Leute auf LICH KING gewartet und entsprechend laut wird mitgebölkt bei „We Came To Conquer“, „In The End, Devastation“, „Our Time To Riot“ oder natürlich „Black Metal Sucks“. Sehr gelungen auch das S.O.D.-Cover „United Forces“, bei dem der Pit noch ein paar Umdrehungen zulegt. Ein irrwitziger Spaß mit vielen Momenten, an denen ich laut lachen muss!
Nach so einer Attacke hätten es viele Bands schwer. Zunächst scheint die Luft auch raus zu sein und einige Leute verweilen noch draußen, um sich zu erholen, als GAMA BOMB schon spielen. Aber die Band ist schlicht zu gut, als dass nicht auch hier nach kurzer Zeit die Kurve steil nach oben ginge! Unbeirrt ziehen die Iren ihr Ding durch und so setzt sich schließlich der Circle Pit wieder in Bewegung, zum Teil flitzen auch LICH-KING-Mitglieder im Kreis, was für eine gute Stimmung unter den Bands spricht. GAMA BOMB haben ja nicht nur starke Songs und generell gute Musiker, sondern mit Philly Byrne einen unfassbar guten Sänger. Der Typ kann schmettern wie Bruce Dickinson und aggressiv shouten, auch dreckig-rotzige Attacken gehören zu seinem Repertoire. Dazu kommen ein trockener Humor und Weltklasse-Ansagen. Da ich mittlerweile mehr GAMA-BOMB-Alben als noch 2024 besitze, bin ich auch besser mit dem Material vertraut und feiere sowohl Klassiker wie „Hammer Slammer“, „Evil Voices“, „Mussolini Mosh“, „Thrashoholic“ oder „Zombie Blood Nightmare“ als auch die neueren Tracks „Egyptron“, „Speed Funeral“, „Give Me Leather“ oder „Living Dead In Beverly Hills“. Byrne trägt einen Camouflage-Jumpsuit, in dem es tierisch heiß sein muss, was ihn aber nicht daran hindert, alles zu geben. Die Gitarren rattern, bis die Saiten (und mein Hirn) glühen, es ist alles ein riesiger Spaß! Aber neben all dem Quatsch auch mit antifaschistischer Positionierung. Und wieder mit dem POGUES-Cover „If I Should Fall From Grace With God”, was auch in dieser Version super klingt.
Ein Thrash Metal Highlight 2026, das sich gewaschen hat! Lob auch ans Treibsand und die gesamte Crew für einen reibungslosen Ablauf. Optimaler Konzertgenuss in dem Laden, ich bin immer wieder begeistert.
