A PLACE TO BURY STRANGERS, KONTRAVOID / 07.04.2026 – Hamburg, MS Stubnitz

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Erinnert sich außer mir noch jemand an das APTBS Konzert in die alte Schaubude? „Konzert? Performance? Ritual?“, fragte damals die KN in ihrer Printausgabe und urteilte kurz und knapp: „Atemberaubend.“ Ich erinnere mich besonders daran, dass ich in der ausverkauften und völlig überfüllten Bude ganz hinten stand – ungefähr so in den Breitengraden des Merch-Tisches und von der Band die ganze Zeit rein gar nichts gesehen habe. War aber trotzdem gut und auch ein alles verdeckender Rücken vor einem kann ja durchaus entzücken. A Place to bury Strangers spielen heute Abend auf die Stubnitz – also hin da!

 

A PLACE TO BURY STRANGERS

 

 

Vorher aber – the times they are a-changing – der Disclaimer: Der Autor dieses Berichtes scheint immer wieder mal zu üblen und niveaulosen Formulierungen zu neigen. Wer hier also glaubt, der Autor hätte ein Studium der Germanistik durchlitten oder auch nur einen Deutsch Leistungskurs ertragen, drückt am besten sogleich oben im Browser den Zurück-Pfeil-Knopf. In der dadurch gesparten Zeit kann man sich sodann auch lieber über den Imperativ informieren und erste Ratschläge, Befehle oder Aufforderungen damit selbstständig formulieren. 

Los geht es mit harten, repetitiven Sequenzer-Rythmen! Kontravoid, das kanadische Ein-Mann Abrissunternehmen, hat sich vorgenommen, die Stubnitz im Alleingang zu versenken. Dazu verwendet er monoton hämmernde Rhythmen, legt Synthesizer Schleifen darüber und brüllt zum großen Teil die Texte ins Mikro. Meine Mitreisenden vergleichen die Musik am ehesten mit Front 242. Dafür fehlt mir dann doch die Expertise in diesem Bereich elektronischer Musik, aber ich denke auch, es ist mehr EBM als Future Pop – mehr Cyborg Attack als VNV Nation.

 

KONTRAVOID

 

Cameron Findlay, der Kanadier hinter der Maske und unter dem Hut, stampft auf der Bühne hin und her. Die hervorragende Beleuchtung läuft auf äußerster Kraft, taucht Stahl-Wand und -Decke in postapokalyptische Farben. Der industrielle, gefühllose Charme des ehemaligen Kühlschiffs der DDR Hochseefischerei ergänzt die morbide Performance und regt zum Nachdenken, ja zum Zweifeln an. Was genau wurde hier gekühlt? Waren es Makrelen? Oder doch Kabeljau? Gab es damals drüben, da jenseits der Mauer, auch Fischstäbchen? Wir rätseln…und der Bass wummert. Im Grunde genommen durchaus kurzweilig, mir fehlt dann aber doch etwas die E-Gitarre auf Dauer.

 

A PLACE TO BURY STRANGERSA PLACE TO BURY STRANGERS

 

Von der gibt es jetzt reichlich! Nach relativ kurzer Umbaupause erscheinen A Place to bury Strangers auf die Bühne. Jubel und laute „APTBS!“ Rufe hallen durch den finsteren Bauch des Schiffes. Heute ist natürlich(!) ausverkauft, aber irgendwie ist mehr Platz für jede(n) als bei dem ebenfalls als „Sold Out!“ gemeldeten Demented are go Konzert vor ein paar Monaten. Vielleicht, weil auch weniger Wrecking in dem weitestgehend angetrunkenen Publikum stattfindet. Ehrfurchtsvoll harrt der Pöbel noch aus, derweil Oliver Ackermann von Beginn an gleich einem Albatros in einem tobenden Taifun um sich wirbelt. 

Stroboskoplicht blitzt immer wieder auf, Schwärze legt sich dazwischen und dann versinkt wieder alles in grellen Farben. Dem Ruf, eine der lautesten Bands des Planeten Erde zu sein, wird APTBS heute glücklicherweise nicht gerecht – sagen wir so, es ist ausreichend laut. Was gespielt wird? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Meine Mitfahrer, von denen 2 bereits Konzerte der Band auch schon in Estland, Lettland, Litauen sowie Polen gesehen haben und demnächst dafür nach Italien fliegen(!), sagen irgendwas von einem Titel mit Acid… . Ich selbst bin nur da wegen der Energie, dem Happening…und um so einen 6-er Träger billiges PET Bier zu trinken…der musste noch weg vor meinem anstehenden Urlaub…

 

A PLACE TO BURY STRANGERSA PLACE TO BURY STRANGERS

 

Aber egal, die Show ist echt intensiv! Der beschnurrbartete Sänger Oliver Ackermann lässt nicht nur die E-Gitarre fliegen, auch eine Stroboskop Lampe wirbelt an ihrem Kabel herum und kaputt gespielte Instrumente werden auf die Bühne gestapelt. Dahinter sitzt Sandra Fedowitz am Schlagzeug und prügelt komplexe Rhythmen herunter. Wobei hier das womöglich Uneingängige – das Irritierende – durch um so mehr Schlagkraft und Ausdauer ausgeglichen wird. John Fedotwitz (die Namensgleichheit kann Zufall sein, ich kenne die internen Familienverhältnisse nicht) am Bass bleibt da noch aus meiner Sicht am unauffälligsten, aber da ist auch eine Säule genau zwischen uns, daher ist der Anfang des Satzes eigentlich auch egal. Allen drei zusammen gelingt die Gratwanderung zwischen dröhnendem Lärm, hartem Rock und brüllender Kakophonie. 

 

A PLACE TO BURY STRANGERSA PLACE TO BURY STRANGERS

 

Wie für die Band üblich – und für andere Bands unvorstellbar – ist der Gang ins Publikum vorherbestimmt. In der Mitte der Zahlenden bildet sich – wie damals im Hafenklang auch schon – eine freie Fläche und die Band spielt dort einfach weiter! Das mag in der alten Bude auch so gewesen sein, aber da habe ich ja rein gar nichts gesehen. Egal, die Bandmitglieder nehmen ihre Instrumente mit und spielen einfach so mir-nichts-dir-nichts in dem tobenden Mob weiter. Das ist großes Kino – für schmales Geld. Also der Eintritt war für das Gebotene mit bummelig 25 Euro echt fair.

 

A PLACE TO BURY STRANGERSA PLACE TO BURY STRANGERS

 

Am Ende findet noch eine Verlagerung des Schlagzeuges an den vorderen Bühnenrand statt. Ich glaube, Sandra übernimmt die Vocals, Oliver schrubbt auf einer zerbrochenen Gitarre, John am Bass hämmert und alle Fragen sind geklärt. 

Alle? 

Nein, ohne Zugabe fällt der Vorhang,

wir alle stehen ratlos da

und sehen betroffen,

eine Frage - die bleibt weiter offen: 

 „War dies ein Konzert? Eine Performance? Ein Ritual?“ 

Das muss wohl jede(r) selbst entscheiden.

 

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