YEAR OF THE GOAT, FIRMAMENT / 04.04.2026 – Kiel, Schaubude
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Samstag, 18. April 2026 14:37
- Geschrieben von Philipp Wolter
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“Bitte wieder buchen!” – mit diesen Worten schloss ich meinen letzten YEAR-OF-THE-GOAT-Bericht aus dem Dezember 2025. Nie hätte ich aber gedacht, dass ich die Band nach nicht mal vier Monaten bereits wieder sehen darf. Und dann noch in Kiel, in der Schaubude! Da drehst du doch durch. Ebenso heiß ist die Wiedersehensvorfreude auf FIRMEMENT, die eine DreMu-Gesandtschaft zuletzt im Februar 2024 begeisterte. Mit „For Centuries Alive“ haben die Lepziger schließlich eine erneute Steigerung hingelegt. Ein wahres Dreamteam also, das sich eigentlich kein Headbanger entgehen lassen darf!
Insofern bleibt die bange Frage, ob das Kieler Publikum diese Veranstaltung auch zu würdigen weiß. Oder ob gähnende Leere vor der Bühne herrscht. Angesichts der Qualität dieser Bands käme Letzteres einem Verbrechen am Rock gleich. Berichtet nicht schon die Bibel über die Zerstörung ganzer Städte aus geringeren Gründen? Für die Sünde, sich YEAR OF THE GOAT und FIRMAMENT nicht anzusehen, wäre so ein Regen aus Feuer und Schwefel durchaus angemessen. Es kommen immerhin so 70 – 80 Leute, der Break-even-Point wird erreicht, was den Rock’n’Roll-Göttern offenbar als hinreichend erscheint. Glück gehabt, Kiel. Noch…
Bilder von MJ.
Mächtige Spielfreude! Das strahlen FIRMAMENT aus, die bei einem herrlich klaren Sound ihren Mix aus Hardrock und Heavy Metal darbieten. Selten klang ein Retro-Ansatz derart frisch. Aber ich bin eh der Meinung, dass die Basisrezeptur von gutem Hardrock auch gar nicht groß revolutioniert werden muss. Wenn es einer Band gelingt, packende Songs zu schreiben, dann beweist sich die Zeitlosigkeit des Genres. Gleich mit dem ersten Song „Pulsar“ ist genau das der Fall. Sehr schön ausgeführte Twin-Gitarren im THIN-LIZZY-Stil, ein leichter NWOBHM-Einschlag, mitreißende Melodien und die tolle Stimme Marco Herrmanns erzeugen zusammen eine stimmungshebende Wirkung. Herrmann gelingt es in den Songpausen, nicht nur das Publikum, sondern auch seine Bandmitglieder zum Lachen zu bringen, was dafür spricht, dass er nicht jeden Abend dieselben Standardsprüche bringt. Aber es gibt auch ernste Themen, so den schockierend plötzlichen Tod von Ross The Boss, dem die Band „A Legend Of The Fall“ widmet. Immer wieder begeistern diese singenden Gitarren, erinnern die Hooks an Größen wie BLUE ÖYSTER CULT und zwingen die Grooves zum Headbangen. Ab und zu greift Herrmann zu einer zusätzlich bereitgestellten Akustikgitarre, was den entsprechenden Momenten zusätzliche Tiefe verleiht. Insgesamt noch besser als im Bambi 2024, für manche gar der Höhepunkt des Abends!
Interessanterweise gehen die Meinungen zum Sound des YEAR OF THE GOAT-Auftritts auseinander. Während DreMu-Kollege Torsten vom besten Klang spricht, den er je in der Bude erlebt habe, erzählt mir später ein anderer Besucher, dass er nur Brei gehört habe. Ich bin näher an Torstens Einschätzung, wobei der letztjährige Auftritt im Bambi noch besser abgemischt war. Es muss wohl vom Standort abhängen, wobei wir fast ganz vorn stehen, was gemeinhin ja eher nicht als der optimale Platz für einen guten Sound gilt. Aber vielleicht ist gerade die Nähe zum herrlichen Vintage-Equipment, mit dem die sieben Musiker:innen die Bühne vollgestellt haben, unser Bonus. So entfalten sich alle Nuancen der vielschichtigen Kompositionen. Zum Glück werden YEAR OF THE GOAT auch bei dieser Tour von Sängerin Elin Gårdfalk begleitet, deren Einsätze der Musik noch eine weitere Dimension verleihen. Bei „The Power Of Eve“ haben wir bereits zu Beginn ein Beispiel, wie genial sich die Stimmen von Thomas Eriksson und Keyboarder Pope mit der von Gårdfalk ergänzen. Erfreulicherweise werden alle vier bisherigen Longplayer sowie die „Lucem Ferre“-EP in der Setlist repräsentiert. Es gibt leichte Änderungen im Vergleich zum Bambi-Auftritt im Dezember, wobei natürlich auch heute das „Trivia Goddess“-Album im Mittelpunkt steht. Als Höhepunkte empfinde ich das von außerweltlichen Gitarren getragene „Kiss Of A Serpent“ oder die melancholische Version von „Alucarda“, nennen muss ich gleichsam auch die älteren Songs „Riders Of Vultures“, „Of Darkness“, „For The King“, „Spirits Of Fire“ und „The Key Of The Gate“. Als Vergleiche werden ja gern andere Okkultrocker wie THE DEVIL’S BLOOD oder frühe GHOST herangezogen, aber für mich ist das melodische Gespür von YOTG noch stärker ausgeprägt. Zudem können bei aller Liebe für die beiden genannten Bands die Gesangsstimmen nicht mit der betörenden Wucht von Thomas Eriksson mithalten. Der Mann durchleidet die Songs ja geradezu! Es ist jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis, YOTG live zu sehen!
Am Merch gibt es übrigens etwas Neues: Ein remasterte Version des Debuts „Angels‘ Necropolis“. Da ich schon die 2012er Version habe, verzichte ich, aber frage hier gern noch mal die Gemeinde, ob sich die Ernte der neuen Auflage lohnt bzw. ob es deutliche Unterschiede gibt.
Ein Budenhammer vor dem Herrn! Bitte wieder buchen!
