CLARION, FOREST, BED / 11.04.2026 - Toronto, Ontario - Hard Luck Bar
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Sonntag, 19. April 2026 11:45
- Geschrieben von Doom Fränk
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Die Einreise in Kanada ist wirklich einfach. Dafür wird online ein Fornular ausgefüllt und bei Ankunft noch an einem Automaten der Reisepass eingescannt sowie die Zollerklärung abgegeben. Dann ist man schon drin...aber nicht, wenn man wie ich den Fehler macht und auf dem letzten Meter nach einem Stempel für den Reisepass fragt - dann erfolgt nämlich der Verweis an einen der mehr oder weniger "menschlichen" Grenzer.
"Ich möchte bitte nur einen Stempel', erkläre ich der Grenzerin, "Steng genommen war ich schon durch die Migration durch." 'Wer einen Stempel bekommen möchte, muss zuerst einige Fragen beantworten", erklärt sie mir, "In Kanada wird gerockt - wissen Sie, wie man rockt?" 'Höhö", entgegne ich, "da gab es bisher eher weniger Klagen, nicht wahr? Nur mit geregelter Arbeit hab ich das nicht so..." "Nennen Sie mir nun ihre Lieblingsbands!", fordert sie mich sogleich auf. "Die Sisters natürlich...die Fields, Sleater-Kinney, Team Dresch und Bratmobile...na klar!" "Heute Abend spielen Clarion in Downtown Toronto", sagt die Grenzerin und knallt mir den gewünschten Stempel in den Pass, "also hin da!"
Bilder von Dr. Zorba.
So etwas habe ich auch lange nicht mehr erlebt. Vor dem Club nahe Chinatown ist bereits 30 Minuten vor Einlass eine Schlange, die sich jetzt schon über 2 Blocks erstreckt. Dafür ist der Einlass um so freundlicher und alle unter der Legal Age für Drinking...ich glaube hier ist es 19...bekommen auf jeden Handrücken ein großes, schwarzes 'X" gemalt, alle anderen ein grünes Band. Ist aber auch egal, ich trinke heute Abend nichts und alle anderen scheinbar auch nicht. Ähnlich wie in den USA finden auch hier in Kanada vor Konzerten keine Massenbesäufnisse - wie bei uns in Europa üblich - statt. Eintritt ist mit 14 Euro lächerlich günstig, aber das wird auch die nächsten Tage so bleiben.
Bed aus LA sind heute der Opener und sofort geht das im Durchschnitt sehr junge Publikum ab. Als high‑desert alternative Band beschreiben sie sich selbst und vermischen Post-Hardcore mit Alternative und Punk. Hier etwas Smashing Pumpkins, da etwas His Hero is gone. Kann man so machen,, das Publikum ist sofort getriggert, wobei ich nicht denke, dass einer der Anwesenden die Band vorher kannte. Dann gibt es noch eine Ansage gegen Trump und ICE und alle sind glücklich und zufrieden. Damit kannst bei den Canucks echt punkten.
Kurzer Umbau. Wenn es jetzt niveaulos, ja vielleicht sogar "übel" wird und bei manchen Lesern Tränen fließen, dann ist das doch nicht meine Schuld! Ich habe mich geweigert, aber Dr Zorba hat darauf bestanden, ihre Bilder hier zu veröffentlichen.
Ich sage nur so viel: Der von der Sängerin mit dem Namen Nena in den 80ern eingeführte Trend, sich nicht unter den Armen zu rasieren, lebt in den USA wieder auf!
"Ich bin Forest", sagt Forest (also die Sängerin), "und das ist meine Band!" Sehr gut, alles geklärt. Zur Umsetzung ihrer Musik setzt sie neben ihren stimmlichen Vorteilen noch weitere ein, über die jemand wie - wenn nehmen wir da als Beispiel? - Chris Boltendahl von Grave Digger nicht (mehr) verfügt.
Auch hier wird fleißig gemischt: Shoegaze, Pop, Industrial und 90’s Rock sagt eine Bandinfo. Ich würde es auf Pop Punk verkürzen. Die Stimme von Forest ist irgendwie typisch amerikanisch - da ist für mich nichts das stört, aber sie ist auch weit entfernt vom genialen Schreigesang einer Corin Tucker von Sleater-Kinney. Lieder mit Namen wie Whore and Savior oder Porno sprechen die Sprache der amerikanischen Jugend, die allen verstaubten und dümmelnden Moralaposteln F*ck you entgegnen. Mit Braid your Hair scheint auch schon ein kleinerer Hit am Start zu sein.
Mal lasziv, dann wieder wütend wird die Message unter die Rockenden gebracht. Dazu gibt es Animation aus der Produktpalette einer Doro Pesch! Ok, viel weniger, aber mal möchte Forest von den Fans dies und dann wieder das. Die Kanadier reagieren entsprechend und belohnen sich selbst damit, dass alle vor der Bühne irgendwann im Chaos einer Wall of Death versinken. Das aber alles ohne ernsthafte Verletzte, da hier ja keiner oder keine besoffen ist.
Zum Schluss wird auch hier wieder Trump und ICE gedisst - immerhin sind wir ja in Kanada. In den USA auf einem Festival vor ein paar Monaten haben sich das nur mighty Bratmobile getraut...aber egal.
Die Show ist zu Ende, hoffentlich zieht sich Forest nun mal was Warmes an.
In Toronto, ON wird gerockt wie sonst nur in Austin, TX. Ich hatte im Vorwege geschaut, wer an diesem Abend spielt und war dabei auf Clarion gestoßen. Eine neue Band, die auf der anderen Seite des großen Teichs bereits als der nächste "heiße Scheiß" gehandelt wird!
Auch hier werden die Stile bunt durchgemischt: Shoegaze, Post-Punk und J-Rock - und was da heraus kommt, ist echt erfrischend! Blue Fairy und Hello Juliet liefen bei mir vor dem Konzert schon bis zum Abwinken, aber live holen Clarion aus den beiden Liedern noch mehr heraus. Sängerin Saya springt mit ihrem Bass wie ein Flummi über die Bühne, Gitatrist Anthony spielt sich den Arsch ab und setzt 1:1 live den genialen Gitarrenaussetzer von Blue Fairy um. Mega!!!!
Die Band aus LA gibt heute das erste Mal ein Konzert im Ausland. Natürlich ist der 300er Bums ausverkauft, aber in den USA würden sie bereits weit größere Läden füllen, verrät mir der Mercher, bei dem ich auch eine CD "abernte".
Zwischen den Liedern kommuniziert Saya stets mit dem Publikum in einer Lockerheit, die manche nach 50 Jahren auf den Brettern nicht erreicht haben und bleibt dabei stets "kawaii" - ich vermute, das ist der J-Rock Anteil. Manche können es halt...
Die Kanadier aber auch! Es wird gerockt, Pits bilden sich, alles knäult sich, nur um sich anschließend wieder zu entwirren. "Hat jemand mein blaues Handy gefunden?", fragt eine inzwischen schielende Besucherin, nur um als Antwort eine Gegenfrage zu erhalten: 'Hast du vielleicht mein rotes gesehen?"
Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber auch hier geht es gegen Trunp und ICE - und zusätzlich nicht ohne Zugabe von die Bühne runter! 6 oder 7 mal müssen Clarion Zugaben geben - erst dann gelingt es ihnen, dieser mit dem dringenden Verweis auf den "Washroom" zu entkommen. Funktionierende Instrumente waren zu diesem Zeitpunkt ohnehin keine mehr vorhanden. Super, Clarion!
Fazit: Kanada rockt! Und morgen zu den fkn Meteors!
