HELLRIPPER, SCHIZOPHRENIA, SARCATOR / 08.04.2026 – Hamburg, Logo
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Mittwoch, 22. April 2026 17:16
- Geschrieben von Philipp Wolter
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„Philipp, wollen wir an deinem Geburtstag zu HELLRIPPER ins Logo?“
Ja, scheißt der Bär in den Wald? Ist der Papst katholisch?
Besser kann man seinen Geburtstag doch gar nicht verbringen. Also hin da!
Bilder von MJ.
Zum Abhängen vor dem Konzert empfiehlt sich der leckere Falafel-Schuppen gegenüber. Beste Sesamsauce Hamburgs! Ein Geburtstagsbier wird mir sogar extra vom Logo über die Straße gebracht. Danke & Prost!
Kaum haben wir die Jacken abgegeben, den ersten Toilettengang erledigt und frische Getränke geholt, ballern SARCATOR auch schon los. Wo zur Hölle kommen die denn jetzt her? Die Energie und das stets durchgedrückte Gaspedal erinnern durchaus an den Headliner des heutigen Abends. SARCATOR stammen allerdings aus Schweden und sind nochmal jünger. In den sechs Jahren ihres Bestehens haben sie immerhin bereits drei Longplayer und einigen Kleinkram veröffentlicht. Rasender Blackened Thrash wird geboten und reißt beim heutigen Publikum offene Türen ein. Das bereits volle Logo (später kommen aber noch mehr, es ist sogar ausverkauft) steigt vollständig darauf ein und feuert die Jungs durch Chöre und Fistbanging an. Die Jungs rasen am Bühnenrand hin und her, fachen das Chaos noch weiter an. Trotz der zunehmenden Enge und der steigenden Anzahl herumfliegender Körper bleibt die Stimmung positiv, keiner rempelt asozial, alle sind freundlich. Ich mache eine Punk/Hardcore-Note bei SARCATOR aus – und tatsächlich spielen sie gegen Ende ihres Sets eine ANTI-CIMEX-Covernummer („Dogfight“).Herrlich, für mich ist das ja eine der besten Schweden-Crust-Punkbands, also gibt es gleich einen Bonuspunkt obendrauf und die neue LP „Swarming Angels & Flies“ wird natürlich später abgeerntet.
„Ist das noch Thrash oder schon Boygroup?“, fragt mich eine bekannte Hamburger Gitarristin. In der Tat haben die Belgier nicht nur die Haare schön. Aber make no mistake: SCHIZOPHRENIA klingen düsterer und tödlicher als die gemeine Thrashcombo. Ich würde sagen, dass sie Schritt für Schritt den Death Metal-Anteil in ihrer Musik erhöht haben. Ich höre da MORBID ANGEL heraus, und das nicht nur in ihren MORBID-ANGEL-Cover „Maze Of Torment“. Einen Drummer, der Pete Sandoval ebenbürtig ist, muss man erstmal haben! Und mit Lorenzo Vissol können SCHIZOPHRENIA antworten: „Ja, genau“… Dem Kerl gucke ich ja jedes Mal gerne zu. Mit Brille und Zopf macht er noch Soundcheck und wirkt optisch wie ein Physikstudent, bevor er für den Gig die Brille ablegt, die Matte befreit und zum Tier mutiert. Ein großer Teil der „Recollections…“-LP wird geballert, dazu das erwähnte Cover sowie „Structure Of Death“ und „Schizophrenia“ von der „Voices“-EP. Ricky Mandozzi gurgelt sich barbarisch durch die Songs, die Spielfreude ist ihm anzusehen. Die Stimmung ist derart gut, dass man sich für den Headliner Sorgen machen müsste, hieße dieser nicht HELLRIPPER.
Was nun passiert, erinnert mich an das (leider einzige) RAMONES-Konzert, welches ich 1991 im Docks sah: Der gesamte Innenraum verwandelt sich beim ersten Ton in ein einziges Pogo-Knäuel. Die Leute hüpfen auf und ab, springen ineinander, krabbeln an der Decke und werfen Bierbecher sowie Verstand an die Wand. „All Hail The Goat“ ist natürlich auch ein Wahnsinnssong zur Eröffnung des Konzertes – so als würden MOTÖRHEAD gleich mit „Ace Of Spades“ beginnen, (was sie mindestens einmal auch gemacht haben). Die Stimmung bleibt über das gesamte Konzert so überschäumend. Interessant finde ich daran, dass HELLRIPPER dabei relativ abwechslungsreich vorgehen. Spätestens seit der „Coronach“ kann man nicht mehr einfach von Geknüppel sprechen, erweitert Mainman James McBain das Black/Speed-Gemisch doch um epische, melodische und atmosphärische Elemente. Aber jeder Song funktioniert live bestens! Ob die Schotten „Hunderprest“, „Kinchyle (Goatkraft And Granite)“, „Mortercheyn“ oder ältere Pitaktivierer wie „Hell’s Rock’n’Roll“, „Within The Everlasting Hellfire“, „Bastard Of Hades“ und „Demdike (In Leaque With The Devil)“ spielen, der Mob rastet einfach aus. Zwischendurch haut McBain die eine oder andere knackige Ansage raus, muss aber niemanden groß animieren, denn die Stimmung spricht für sich. Obwohl HELLRIPPER ja eine One-Man-Army sind, spielt live mindestens ein Mitglied seit Jahren konstant mit, nämlich der (zweite) Gitarrist Joseph Quinlan. Und Ventors Junior Jerome Reil an den Drums ist ja allein schon ein Qualitätsgarant an sich! Die Band ist jedenfalls sehr gut eingespielt und versprüht eine mitreißende Energie. Complete and total mayhem war das und nichts Anderes!
ALL HAIL THE GOAT!
