THE METEORS, THE SHOOK BOYS, SOUTH END / 12.04.2026 -Toronto, ON, Horseshoe Tavern
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Montag, 27. April 2026 15:01
- Geschrieben von Doom Fränk
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"Only The Meteors Are Pure Psychobilly!" Ein Satz, den wohl jeder von uns schon im Jahresgespräch bei die zäh verlaufenden Gehaltsverhandlung dem Chef entgegen gebrüllt hat. Außer man/frau wird von einer Gewerkschaft vertreten, aber wer wird das schon? Die Band, die maßgeblich die Musikrichtung des Psychobilly erfunden hat, spielt heute in einer der bekanntesten Venues Kanadas. Warum noch warten? Sofort hin da!
Bilder: Dr. Zorba
Zuerst aber - the times the are a-changing - der Disclaimer. Der Autor des nachfolgenden womöglich "niveaulosen" oder "üblen" Schunds kann nicht für bleibende geistige, seelische oder körperliche Schäden haftbar gemacht werden, die bei Lesern entstehen, die zu nah am Wasser gebaut sind. Denen empfiehlt dieser lieber die Lektüre der Metal Hammer mit dem großen 8-seitigen Sabbaton Special. Das ist bestimmt super.
So, nachdem das Rechtliche geklärt ist, kann es ja mit dem Konzertbericht abgehen. In der Horseshoe Tavern nahe Chinatown haben bereits die Rolling Stones gespielt, als sie nach endlosen weltweiten Stadiontouren ein einziges Mal zurück zu ihren Wurzeln wollten. An den Wänden hängen noch Devotionalien vieler anderer Musiker, aber die meisten davon kenne ich nicht, da ich ziemlich dumm bin - ausgesprochen sogar. Eintritt in die geschätzte 400 bis 460er Location sind umgerechnet lächerliche 12 Euro. Wo ist der Haken? Oft wird man ja mit billigen Flugtickets in die exotischsten Länder gelockt, nur damit man dann vor Ort so richtig abgezockt wird. Aber nein, Bier ebenfalls mit bummelig 6 Euro für Nordamerika durchaus günstig. Ich nehme aber nen halben Litter Diet Coke (hatte versehentlich ne Coke Light bestellt, aber die Bedienung wusste zum Glück, was gemeint war) mit unfassbar viel Eis für umgerechnet 4 oder 5 Kröten. Preislich also bisher super! Und die Kanadier auch alle super nett! Im Gegensatz zu manchen Amis sprechen sie auch ein sauber ausgesprochenes Englisch, dass wir auf Anhieb verstehen. Einziger Kritikpunkt: Das Thema Awareness erwähnt hier bereits am 2ten Abend in Folge keiner - da muss dringend nachgebessert werden!
Natürlich ist ausverkauft heute und der zweigeteilte Bums - vorne Bar mit Billardtisch und hinten abgetrennte Konzerthalle mit Sitzecken - füllt sich schnell. South End aus Toronto dürfen als erstes ran. Ok, diese Formulierung könnte je nach Kontext schon niveaulos sein...aber egal...ich habe ja im Disclaimer gewarnt. Also weiter, die Band selbst bezeichnet ihre Musik als Street Punk/Rock. Für mich ist das dagegen klassischer Oi. 2 Gitarren brutzeln, der Bass ist nach vorne gemischt und die Snare gibt die Geschwindigkeit vor.
Der Schlagzeuger ist neu und hat heute seinen ersten Einsatz. Nicht nur optisch mit Walroßbart, Hosenträgern und Bierbauch ist er top - der spielt auch super und zeigt immer wieder, welche Tricks er mit den Drumsticks kann. Also so...zwischen den Fingern rotieren, in die Luft werfen und mit den Zähnen wieder auffangen und so. Der ist echt super und er spielt sich schwitzend. Der Rest der Band aber auch super und alle noch echte Typen - sowas wird heute leider immer seltener auf die Bühne. Alter Egon aus Hamburg ist noch so einer. Der Sänger von South End hat aber auch Entertainer Qualitäten, lebt die Lieder, post dazu und deutet an.
Mehrstimmiger Gesang auch mal mit "Oooooohhhs"-, "Aaaaaaahs"- und "Iiiiiiiiiiiiihs"-Chören runden die ganze Chose ab. Inhaltlich geht es für Kanada untypisch - aber dem Oi entlehnt - auch um Fußball. War on the Terraces von den Cockney Rejects wird gecovert und der tatsächlich zumindest teilweise saufende Pöbel vor die Bühne links dreht schon bei die ersten Vorband ab. Dabei ist Gewalt hier in den Stadien eigentlich nur auf dem Eis zu finden und selten auf den billigen Plätzen darum.
Ich fand den Auftritt super und der Drummer war mega!
Oi Oi Oi!!!
Sideburns, der Mann am Slap Bass der Shook Boys, hat heute Geburtstag. Wie schön, dass es dich gibt, wir hätten dich sonst sehr vermisst!, singt das bereits verdächtig lallende Gesindel links vor die Bühne. Später spielt er meist richtige Griffe und slapt nicht "nur".
Gespielt wird Rockabilly mit Akustik- und E-Gitarre, der dem Original aus den 50ern sehr nahe kommt und mit juchzender Stimme dargeboten wird. Der Schlagzeuger kratzt sich mit dem Drumstick auch mal den Rücken oder er spielt statt mit diesem mit einer Rassel und erzeugt so 2 Rhythmen gleichzeitig - hab ich so auch noch nicht gesehen. Der ganze Auftritt kommt beim Publikum auch super an, meine Musikrichtung ist es halt nicht. Nichtsdestotrotz eine gute Show und mal was anderes als immer nur Geschrei und Gebrüll.
Geschrei und Gebrüll verbreitet P. Paul Fenech auch nicht; er krächzt heute eher und kommt damit Sparky von Demented unbeabsichtigt sehr nah. Ich finde das super, Paul entschuldigt sich dafür: "Meine Stimme ist angeschlagen und ich habe englische Zähne."
Da ist wirklich nicht viel nach von den Beißerchen, denke ich nach kurzer Betrachtung und fühle mich an den großen Mr. Chi Pig (RIP) von SNFU erinnert.
"Ich habe Karies", murmelt er anschließend etwas verlegen in seinen Zauselbart. Ich weiß nicht, ob ich die Meteors 3 oder 4 Mal in Kiel gesehen habe, aber seitdem ist Paul alt geworden. Vorbei sind die Zeiten, als er jeden anderen aus dem Hemd geboxt hätte. Inzwischen hat ihn die Altersmilde eingeholt und immer wieder blickt er zwischen den Liedern besonnen auf die Vergangenheit zurück.
"Meine Reise ist zu Ende. Wenn ich sterbe, wäre hier ein guter Ort dafür. Hier ist es schön.", seufzt er, nur um dann wie jeher mit der E-Gitarre zu wirbeln und die Texte ins Mikro zu bellen. Da ist der gleiche Vibe wie bei Bobby Liebling von Pentagram, beides kleine, verhutzelte Männer. Paul verdreht die Augen, starrt an die Decke, nur um Sekundenbruchteile später wieder voller Energie zu sein. Show'em how! Sein Alter ist unbekannt, aber Ägyptologen schätzen es auf 120 bis 160 Jahre.
Zuerst denke ich, dass die Stimmung ja lahm ist. Kein Wrecking hier wie bei Batmobile in Hamburg vor 2 Tagen. Ich stehe ganz vorne und merke nicht einen Stoß in den Rücken. Dann drehe ich mich um und erkenne, dass die Reihe 2 und 3 noch eine Art Puffer bilden. Dahinter herrscht das Armageddon!!! Manche sind kopfüber in dem tobenden Mob, anderen werden einfach mitgerissen, wieder andere krachen dazu. Es dauert nicht lange, dann werde auch ich erfasst. Die Meteors diktieren die Apokalypse - Toronto, nein, ganz Kanada rockt! Und wreckt!
Was auch immer von den so ca. 30 erschienen Alben gespielt wird, vertont wird es heute von einem E-Bass statt dem Slap Bass. Außer Paul ist seit Jahrzehnten eh keiner mehr von der Originalbesetzung dabei. "Der Basser kommt aus Barcelona", nuschelt er in einer Pause, "Keine Ahnung, wo das ist."
Neben mir ist wie auch bei Batmobile eine kleine, zierliche Dame, die zum Glück erneut gleich einem Schild die größten Einschläge abfängt. Vorher kannte sie die Meteors nicht mal und später sagt sie mir, dass ein Mal live dann auch ausreicht. Durch ein Abstoßen von Bühne und anschließendem Sturmlauf 2er Chaoten geht hinter uns etwas verloren. Ich hebe ein Handy auf und gebe es der suchenden Besucherin. Sie bedankt sich, aber lässt es gleich wieder fallen. Ihre Brille ging verloren, doch die taucht noch während des Liedes wieder auf - nun in Form eines Opernglases. Ein Bügel fehlt ganz, der andere weist nun lotrecht gen Boden.
"Haben wir hier schon mal gespielt?', fragt Paul, "Wir spielen 300 Konzerte im Jahr. Da kann ich mich nicht mehr erinnern, spielen wir hier vielleicht sogar täglich?"
Gedächtnis mies, Klang super, Licht super, Paul super, Meteors super, Toronto wreckt!
Eine Zugabe gibt es nicht, genauso wenig "abzuernten" am Mercher. Alles ausverkauft außer 3 Aufnähern und davon nehme ich dann einen mit.
Stay Psycho!
