KRYPTOGRAF, ZEN BISON, KOMET GAMMAGAMMA / 11.04.2026 – Kiel, Räucherei

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Dieses Konzert hätte ich nach meiner ursprünglichen Wochenendplanung nicht besuchen können, aber nachdem uns mit VLADIMIR HARKONNEN auf dem Weg nach Rotenburg und Nürnberg der Bus verreckt ist (leider Totalschaden), meldete sich Strecker mit der Nachricht, dass ich ja nun Zeit für ein Konzert plus Vorglühen in der Bambule habe. Recht hat er! Lange nicht in der Bambule gewesen, fällt mir in Gaarden auf. Ist immer noch gemütlich hier und die Preise gehen wirklich in Ordnung. Dennoch reißen wir uns irgendwann von Pizza und Bier los, schließlich klingen alle drei Bandnamen verheißungsvoll.

 

KRYPTOGRAF

Bilder von MJ.

 

KOMET GAMMAGAMMA erweisen sich als junge Kieler Band, die dem Krautrock und Stoner huldigt. Das Trio hat eine unfassliche Zahl von Effektgeräten auf die Bühne gewuchtet, dazu werden neben Bass, Gitarre und Drums auch noch zwei Synthesizer gezockt. Die drei haben derart viel Pedale zu treten und Knöppe zu drehen, dass sie auf Gesang nahezu komplett verzichten. KOMET GAMMAGAMMA geben den Songs Zeit, sich zu entfalten und lassen bei trippigen Psychedelicsounds ihrer offensichtlichen Neigung zu Jams freien Lauf. Ich bin gespannt, wie sich die Band weiterentwickeln wird, ob sie zum Beispiel in Zukunft mehr Gesang zulässt. Doch derlei Überlegungen werden jäh unterbrochen, als plötzlich… der Feueralarm angeht! Ich denke zuerst ohne Scheiß, dass es sich um einen Effekt in der Musik handelt, aber auch die drei Musiker gucken sich verdutzt an. Die zweite These, dass das Schaubudenteam einen Spielfehler-Alarm installiert hat, muss auch gestrichen werden, denn da werden wir auch schon alle herauskomplimentiert. Alle bleiben entspannt, da es nirgendwo zu brennen scheint. Bald kommen auch Feuerwehr und Polizei und entdecken schnell den Übeltäter: eine verschmorte Glühbirne. Da haben wohl die 90er zurückgeschlagen, denn eigentlich gibt’s doch überall nur noch diese LED-Dinger. Anyway, der KOMET darf noch kurz weiterzocken, bevor ZEN BISON an der Reihe sind.

 

KOMET GAMMAGAMMAKOMET GAMMAGAMMAKOMET GAMMAGAMMAKOMET GAMMAGAMMA

 

Schändlicherweise geht nun ein Teil des eh nicht gerade üppig erschienenen Publikums. Waren es Kumpels der Kieler Band, die am Rest des Billings nicht interessiert sind? Falls ja, prangere ich dieses Verhalten hiermit an! Ihr habt den Rock’n’Roll nicht verstanden, wenn ihr nach einem kurzen Pflichtbesuch gleich weiter in die Disco zieht! (Nicht falsch verstehen: KOMET GAMMAGAMMA können nichts dafür, seine Freunde kann man sich nicht aussuchen.) Aber der Discopisser Strafe folgt auf dem Fuß, denn sie verpassen zwei hervorragende Bands! Ich hab ja heute nichts erwartet und nichts gewusst, da wämsen mich ZEN BISON unverhofft um. Schon die Ausstrahlung des Sängers/Gitarristen nimmt mich ein, denn wer hier vom Style her nicht an Jimi Hendrix oder Randy Hansen (letzterer spielt übrigens dieses Jahr noch an selber Stelle) denkt, weilt wohl gedanklich auch schon in der Mausefalle. Heavy und bluesig dröhnen die Riffs, hart pumpen Bass sowie Orgel und die Beats zwingen den Nacken förmlich in den Kopfnickermodus. Dazu kommt ein ansprechender und charismatischer Gesang, wie ich finde. Auch ZEN BISON klingen krautig und gönnen sich psychedelische Jams, rocken aber insgesamt heftiger. Stark!

 

ZEN BISONZEN BISON

 

Aber das Beste kommt tatsächlich noch! Vor nur noch einer Handvoll Gäste ziehen die nun folgenden Norweger KRYPTOGRAF so richtig vom Leder. Die beiden Gitarristen wechseln sich mit dem Gesang ab, klingen dabei recht unterschiedlich und begeistern gerade in ihrer Vielfalt. Musikalisch geht es zum Teil zurück in die 70er, ja teilweise gar 60er. Aber mit wie viel Stil bitte! Die Kompositionen überraschen mit originellen Ideen, muten aber keineswegs überfrachtet an. Selten sind mir bei einem Auftritt derart viele Referenzen in den Sinn gekommen, mal denke ich an BLACK SABBATH, dann an WITCHCRAFT, ab und zu sogar an GHOST. Doomige Parts, unheilvolle Untergangsstimmung, nachdenkliches Gezupfe, dann plötzlich Uptempo. Idylle und Untergang, Retroprog und Stonerfuzz, Psychedelic Rock und Proto Metal, Ozzy und Magnus Pelander… Und dann trägt der eine Kerl auch noch ein DEATH-Shirt mit dem „Scream Bloody Gore“-Motiv! Junge Dudes übrigens, wobei KRYPTOGRAF bereits drei Alben am Merch liegen haben. Ich hätte am liebsten alle drei abgeerntet, aber angesichts von 30,- Euro pro Stück (leider rufen immer mehr Bands bei Konzerten solche Preise auf) belasse ich es beim Debut. Irgendwo muss man ja anfangen. Totaler Tipp!

 

KRYPTOGRAFKRYPTOGRAF   

 

Was für ein überraschend guter Abend!

 

KRYPTOGRAF

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