RAVEN, SLACKJAW, METALIAN / 19.04.2026 - Piranha Bar, Montréal, QC
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Dienstag, 05. Mai 2026 16:01
- Geschrieben von Doom Fränk
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Über Raven brauche ich hier nicht viele Worte verlieren, da die meisten Leser dieser gut geölten NWOBHM Schmonzette die Band vermutlich ohnehin viel besser kennen als ich. Und falls nicht: Raven gibt es scheinbar seit 1974 - dem Jahr ohne Götter - und zusammen mit Bands wie Diamond Head, Tygers of Pan Tang oder Angel Witch war der mega Erfolg ihnen nie beschieden. Schade, ich gönne es ja fast jedem. Manchmal macht jahrelanger Unerfolg die Bands ja auch nur um so sympathischer wie bei Cirith Ungol oder Manilla Road - beide absolut super.
Bilder von Dr. Zorba
Das Konzert heute ist in der Piranha Bar, oder besser: in deren Keller, der wohl eine Kapazität von ca. 250 bis 300 hat. Ausverkauft ist nicht; ich vermute, es ist vielleicht halbvoll. Das ist aber in Kanada oder den USA ganz schwierig zu bestimmen - dazu irgendwann mal mehr.
Außerdem ist hier unten nicht aufgeräumt, der Bums wirkt irgendwie so rumpelig wie der Geräteschuppen meiner Tante Frieda. Hoffentlich liest sie das hier nicht...und wenn doch: Sag mal bitte meinem Schwager, dem Gerland, er soll deinen Schuppen entrümpeln...
Entrümpelt wird hier in Montréal auch und zwar von den local Heroes Metalian. Wenn wundert's bei dem Namen - die Kanadier spielen klassischen Heavy Metal und das auch noch im Stil der frühen Iron Maiden. Und da passt aber mal alles! Immer melodisch, dazu schnelle Tempi und durchaus komplexe Songstrukturen unter dem typischen Einsatz von 2 (Twin) Gitarren, die abwechselnd Lead spielen. Dazu galoppierende Bassläufe und der markante Gesang von Ian Wilson. Mal stößt er einen Schrei aus, dann wechselt er gekonnt in die Kopfstimme, aber meist kommt er dem guten Bruce schon stadiontauglich sehr nahe - ohne jemals wie eine billige Kopie zu wirken.
Falls der geneigte Leser und Heavy Metal Maniac die Band bisher nicht kennt, empfehle ich wirklich, sie mal auf Bandcamp anzuchecken. Den Wacken Veranstaltern rate ich zudem, die Jungs sofort zu buchen, solange sie noch für schmales Geld zu bekommen sind - auch wenn es sie wohl auch schon 20 Jahre gibt. Ich warte übrigens immer noch auf 4 VIP Tickets mit so nem eigenen Dixi und Stromanschluss für den Kühler...wäre super.
Klasse Opener, aber die local Bands sind in Kanada bisher alle top und da merkst erst, was sich hier alles im Underground schlummert.
Die nächste Band passt jetzt irgendwie gar nicht in das Line Up heute Abend. Slackjaw aus South Carolina gehen viel moderner und auch aggressiver zu Werke. Das merkt man auch bei den Ansagen, die immer zwischen den Liedern erfolgen. Ständig ist alles fucking und Fuck - womöglich ist es aber so. Einfach ist es wohl nicht, wenn da noch Hoffnung ist, irgendwann dann doch noch den Durchbruch zu schaffen und von der Musik leben zu können.
Apropos Musik...die Musik von Slackjaw ist irgendwie stark 90er, eine Mischung aus - teilweise - Pantera und typischer Südstaaten Wut, die öfter das Schmutzige von Eyehategod oder Weedeater streift. Die E-Gitarre ist größtenteils so abgehackt gespielt - angeblich läuft das als Groove Metal.
Hier siehst jetzt klar die Trennung zwischen jüngeren und älteren Zahlenden. Die unter 30 gehen ab wie Zunder, die über 50 halten sich an den Rändern auf.
Ständig fordert der Sänger fucking circle pits und fuck the Fuck noch dazu. Die Jugend macht dies alles nur allzugerne. Aber bei Raven ändert sich gleich alles. "Ich will die alten Männer da nicht sehen", brüllt mir ein Halbstarker im Vorbeigehen ins Ohr, als er mit seiner untergehakten, inzwischen aus Verzweiflung weinenden Freundin den Bereich vor der Bühne des Headliners verlässt. Da drehen halt die älteren Besucher auf.
Aber bleiben wir noch kurz bei Slackjaw! Ich denke, dass der Job des Sängers da oben anstrengend ist, wenn du ständig das Publikum motivieren musst. Das liegt aber jeweils auch am mitgebrachten Material, teilweise geht das Publikum ja auch von selbst ab wie bei Clarion. Hier ist das aber auch ein Selbstläufer.
Das Schlagzeug steht nebenbei vorne am Bühnenrand, mehr Platz hat die Hauptband ihnen wohl nicht zugestanden, daher ist der Raum für Bühnenaktion schon gewaltig eingeschränkt - ich vermute mal, ansonsten geht da oben tierisch die Post ab. Ich bin weder älterer noch jüngerer Besucher, daher war das für mich ein gelungener, fuckin' Auftritt mit ordentlich Fuck.
Bei Raven erwarte ich gar nichts - ich kenne die Band eigentlich auch nicht und ich habe zudem keine Ahnung, welche Lieder Raven gespielt haben, da ich einfach keine Lieder der Band kenne.
Ich erinnere mich an Titel, die mit Worten wie "Power", "Mountain" und "Tsunami' angekündigt wurden. Da ist dann noch "Rock Till you drop" und "All for one" mit anschließender Macbeth'scher Fechteinlage. Diesen Liedern ist allen eins gemein: Es ist kein Wunder, dass Iron Maiden ungefähr 100.000 mal erfolgreicher sind, da sich die Qualität des Songwritings gewaltig unterscheidet. Ohne hier etwas schlecht machen zu wollen, aber bei Raven ist schon vieles sehr einfach gestrickt. Gerade das finden einige jetzt wieder das Tolle daran, aber mir ist das dann doch etwas zu uffta, uffta. Natürlich nicht alles, da sind auch gute Lieder heute abend dabei! Sogar welche, mit den beliebten "aaaaaahs" und "uuuuuuuhs" Chören, die durchaus fett rüberkommen.
Aber von vorne: Der Umbau dauert lange, aber diesen bestreitet die Band noch selbst. Für Roadies ist kein Geld übrig und auch kein Platz im rostigen Camper, der da doch vor der Bar steht - unterdessen jetten Iron Maiden in ner geilen 747 um die Welt. Irgendwie ungerecht - überall liegt doch das Geld, heb' es auf und bring's zur Bank.
Die Gallagher Brüder legen los. John (Bass und Gesang) und Mark (E-Gitarre) sind vermutlich nicht verwandt mit den Brüdern Liam (Gesang) und Noel (E-Gitarre) von Oasis, sonst wären sie wohl mal deren Support gewesen. Am Schlagzeug laut Internet Mike Heller - der macht nen super Job und hat hoffentlich eine Festanstellung. Was habt ihr geträumt, als jeder von euch 15 Jahre alt war?, möchte man die Band da oben fragen. Was haben wir?
Zuerst gehen Grüße raus, an Lemmy, an Dio und ich glaube auch an den Wackööööön Hugo. Die Kanadier, die verstehe ich alle super, den Sänger von Raven nicht. Ich glaube, die Band hätte mal Bock auf so ner Heavy Metal Cruise zu spielen und Shows vor so Verwaltungsfachangestellten, die ein Mal im Jahr dabei die Sau rauslassen dürfen. Für die Band bestimmt auch angenehmer, als in dem rostigen Camper zwischen den USA und Kanada hin und her zu krajohlen mit so ner Plastik Camping Toilette darin verbaut. Die Raststätten wollen hier passend Kleingeld. And don't feed the Moose! Ist saukalt draußen.
Der Gesang von John ist jedenfalls immer noch super, gekonnt wechselt er in die Kopfstimme und quietscht die Lyrics heraus. Bei den Ansagen nuschelt er dann aber doch etwas und ich vermute, die Haftung der Dritten Zähne löst nicht alle Versprechen ein. Aber ist das wichtig? Nein, denn die Anwesenden haben Spaß und immer wieder erschallen "Wackööööön!" Rufe in dem Rund. Ich meine sogar gesehen zu haben, dass Bilder von dem Wacken Hugo hochgehalten wurden wie sonst nur in Argentinien von Evita Peron. An deren Grab stand ich übrigens mal. Ist aber eher so ne Gruft.
Manchmal hoppelt der Gitarrist während der Show wie der Osterhase beim Eierverstecken über die Bühne. Irgendwann dann kommt ein E-Gitarren Solo, das der Sänger (und Basser) zum Verschnaufen nutzt. Dieses Solo zieht sich dann aber auch fast 10 Minuten und ich kann in diesem Wahnsinn keine Methode erkennen. Da wird dann mal diese Saite angeschlagen und dann diese andere dort und überall mal gedrückt. Ich konnte da kein System erkennen, aber womöglich war dies tatsächlich nur, um eine dringend benötigte Pause zu überbrücken. Ich bin da kein Freund von, wenn im Metal diese komischen Gesichtsausdrücke gemacht werden - also diese Grimassen. Ich finde das nicht cool, sondern eher peinlich. It's the Riff, you stupid motherf*cker, wussten angeblich schon mighty Bolt Thrower, and not your f*cking face. Der Gitarrist sieht bei seinem Solo beizeiten so aus, als hätte ihn gerade ein Rennpferd direkt in seine Klöten getreten - aber das gehört wohl zur Show.
Damit aber nicht genug, später gibt es auch noch ein Bass Solo, da der Gitarrist ja auch noch verschnaufen muss und auch in diesem ist keine Struktur zu erkennen. Zum Glück ist das aber schneller zu Ende und dauert maximal 5 Minuten. Das Beste ist, es gibt nicht auch noch ein Schlagzeug Solo, damit beide verschbaufen können.
Das ist aber Kritik auf sehr hohem Niveau, für ihr Alter und auch das angesammelte Körpergewicht wird hier schon eine aktive und lebhafte Show geboten.
Der Sänger (und Basser) ist durch sein tragbares Kopfmikro ja auch nicht an so einen Mikrophone Ständer gebunden. Irgendwann strömt ein lautes Rauschen aus den Boxen und Verwirrung breitet sich auf der Bühne aus. Dann kommt ein Techniker angeeilt und der Sänger wechselt die Batterie von der drahtlosen Übertragung des Mikros aus. "Das ist das Alter", erklärt John, "da vergisst mal sowas schon mal". Ja, das isso. Alles halb so schlimm, die Zeit für den Batterietausch wird mal wieder mit einem Gitarren Solo überbrückt.
Ich frage mich in dem Moment, ob sich ein Album mit solchen Soli verkaufen würde, oder ob es nicht auch wie Blei im Regal liegen bleibt. Könnte ja ein tollen Namen - nice and simple.
Am Ende gibt es noch als Zugabe ein Cover von Judas Priest, ich meine das war "Victim of Changes". Leider ist die Version zu kurz, da es in so einem Block mit anderen Liedern oder Liedteilen untergebracht ist.
Klappe zu, Rabe tot, schrieb schon Edgar Allan Poe in Der Schimpanse. Hoffen wir, dass dieser Vogel hier noch lange fliegt.

