SPIDERGAWD, HÅNDGEMENG / 16.04.2026 – Kiel, Pumpe

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Einer der herrlichen Aspekte am Rock’n’Roll und Heavy Metal besteht für mich darin, dass die Karten immer wieder neu gemischt werden. Auch nach 40 Jahren Musikgenuss kommt plötzlich eine neue Band daher, die einen umhaut und sich zur Lieblingsband entwickelt. So ist das bei mir und SPIDERGAWD. Der ehemalige Schaubuden-Betreiber Dicki und seine Partnerin Arnika spielten mir nach irgendeinem Konzert in der Bude das SPIDERGAWD-Debut vor. Ich fand’s auf Anhieb geil, aber die Liebe stieg Schritt für Schritt noch an. Mittlerweile fehlt mir von den acht Alben noch eines und heute gibt’s den vierten SPIDERGAWD-Konzertbesuch. Live fand ich sie jedes Mal einen Tucken besser, wobei beim ersten Mal auch gar kein Saxofonist dabei war und beim zweiten Mal (ebenfalls in der Pumpe) nur ein Vertreter dieses für den Gesamtklang der Band nicht unwichtige Instrument spielte. Erst beim 2024er Auftritt in der Fabrik gab es (für mich) erstmals die komplette Besetzung zu sehen und das Ding markierte dann auch gleich eines der besten Konzerte der letzten Jahre. Kann es heute noch mal so gut werden?

 

SPIDERGAWD

Bilder von MJ.

 

Erst mal gibt es mit HÅNDGEMENG eine vielversprechende „Vorband“. Ich gucke ja so gut wie nie Musikvideos, was nicht etwa aus Ignoranz, sondern aus fehlender Zeit resultiert. Aber im Fall von HÅNDGEMENG hat MJ die beiden Videos zu „The Astronomer“ und „Medieval Knievel“ entdeckt. Die finde sogar ich sehenswert und empfehle sie hiermit weiter! Eine gewisse Erwartungshaltung besteht also bereits im Vorfeld. Diese wird dann aber auch mehr als erfüllt. „Eine wirklich gute Band hat ‘n cooles Outfit!“, sagte mal ein weiser Grieche. War das der Typ in der Tonne? Egal: HÅNDGEMENG kommen mit speckigen Lederwesten über den zugehackten Bierwampen auf die Bühne – top! Ihre Version des Skandirock dürfte Anhängern der Turbojugend oder KVELERTAK-Hörer:innen gefallen, wobei die Norweger unterm Strich doch doomiger klingen und einen höheren Stoner-Einschlag aufweisen. Black Metal hingegen findet man nicht in ihrem Sound, auch wenn das geniale Cover ihrer „Satanic Panic Attack“ das suggeriert. Im Gegenteil, HÅNDGEMENG gehen mittels eingängigster Refrains und Hooks direkt in die Birne, rocken höllisch und zaubern allen Anwesenden ein Lächeln ins Gesicht. Einziger Kritikpunkt: Der Gig ist viel zu kurz! Nach einer halben Stunde ist bereits Schluss. Ich hätte gern mehr gesehen, ernte aber immerhin das Album ab (super!).

 

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Gänsehaut gleich zu Beginn: Nach einem dramatischen Intro legen SPIDERGAWD mit „The Grand Slam“ los, das mit einem durch Mark und Bein gehenden Bariton-Saxofon und der Stimme Per Bortens eingeleitet wird, bevor nach ca. einer Minute der Rest der Band einsteigt. Was für ein starker Auftakt! Angesichts der Klasse der Band müsste die Pumpe eigentlich voller sein, aber immerhin sind deutlich mehr Leute gekommen als beim letzten Mal 2023. Die Leute gehen auch mehr mit und sind offenbar besser mit dem Material vertraut. Da zahlt sich das beständige Ackern langsam aus. Die Mischung aus THIN-LIZZY-Vibes, NWOBHM, Protopunk, Bluesrock und etwas Stoner knallt aber auch gehörig. Faszinierend finde ich wieder, dass die Band vier richtig gute Sänger in ihren Reihen hat. Auf den Platten fällt das gar nicht so stark auf. Immer wieder lockern auch sympathische und/oder witzige Ansagen die Darbietung auf. Ich glaube, es passiert vor „The Ghost Of Eirik Raude“, als Borten den Bogen von Wikingerraubzügen seiner Vorfahren zum netten Kieler Bogen schlagen will, als er selbst merkt, wie furchtbar das klingt und schnell zurückrudert, während seine Kollegen Tränen lachen. Der Song kommt danach eh derart episch, dass man ihm noch gröbere Schnitzer verziehen hätte. Das Zusammenspiel der Band ist fantastisch, ich müsste eigentlich jeden Musiker einzeln hervorheben, denn es stimmt einfach wirklich alles. Kenneth Kapstads druckvolles und gleichzeitig progressives Schlagzeugspiel muss aber einfach hervorgehoben werden, ebenfalls das mächtige Saxofon Rolf Martin Snustads, dessen Adern an der Stirn wieder besorgniserregend anschwellen. Als Höhepunkte würde ich „Revolution“, „Heaven Comes Tomorrow“, „200 Miles High”, “Stranglehold”, den erwähnten “Ghost…”, “Yours Truly”, “Your Heritage” und die Zugabe „All And Everything“ (geiles Bottleneck-Solo!) hervorheben.

 

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Ganz fantastisch! Mit HÅNDGEMENG eine neue Knallerband gesehen und SPIDERGAWD konnten das Fabrik-Level mindestens halten. Dadurch dass es nicht übervoll war, hatte man auch angenehm Platz, was den Genuss noch erhöhte. Dennoch sollen beim nächsten Mal gefälligst mehr Nasen kommen!

 

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