KREATOR, CARCASS, EXODUS, (NAILS) / 17.04.2026 – Hamburg, Inselpark Arena

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Ich wäre auch zum KREATOR-Konzert gegangen, wenn Karl Arsch und die Domspatzen Vorbands gewesen wären. Aber mit EXODUS und CARCASS? Das ist natürlich ein Träumchen. Auch die mir noch vollständig unbekannten NAILS wecken Interesse. Leider reißen wir uns zu spät von einem anderen Termin los, sodass wir von NAILS lediglich den letzten Song mitbekommen, was auch eher im Hintergrund passiert, während wir noch die unfassbar vielen Bekannten begrüßen. Heute scheint gefühlt jede:r hier zu sein, der oder die mit Thrash und Death Metal etwas anfangen kann. Ja, aber zurück zu NAILS: Das Gekloppe scheint guter Power Violence zu sein – wer sie gesehen hat, möge einen Kommentar hinterlassen. Jetzt ist es erst mal Zeit, die Flagge des Hasses zu hissen, dem good friendly violent fun zu frönen und das Anatomielexikon herauszuholen, welches jeder CARCASS-Fan stets bei sich führt!

 

KREATOR

Fotos von MJ.

 

Übrigens treffen wir zwar wie erwähnt sehr viele bekannte Gesichter, aber ausverkauft ist es dieses Mal nicht. Das finde ich erstaunlich, weil KREATOR ja gerade durch die Mille-Bio und den KREATOR-Film medial überaus präsent sind. Dazu die starke neue Platte und das eigentlich zugkräftige Tourbilling. Aber wahrscheinlich ist schlicht zu viel los im Moment und KREATOR waren in den letzten Jahren häufig in Hamburg. Von einem schwach besuchten Konzert kann andererseits auch nicht die Rede sein, es sind nur die oberen Ränge geschlossen, während der Innenraum und die unteren Ränge voll besetzt sind.

 

EXODUSEXODUSEXODUSEXODUS

 

Überraschenderweise beginnen EXODUS, die ich für populärer und aktiver als CARCASS gesehen hätte. Aber wat weiß denn ich. Ich sehe die Band nun zum zweiten Mal seit dem Wiedereinstieg von Rob Dukes. Als Anhänger von Zetro könnte ich jetzt darüber jammern, dass der für mich bessere Sänger nicht mehr dabei ist. Aber es nützt ja nichts, EXODUS haben sich nun mal erneut von ihm getrennt. Immerhin ist es auch irgendwie sympathisch, dass sie nicht irgendeinen jungen Typen genommen haben, der noch vom Drumriser jumpen kann. Dukes gibt sich heutzutage nicht mehr so prollig und singt variabler als früher, weswegen ich letztlich als alter EXODUS-Fan mit ihm leben kann. Die „Goliath“-Scheibe finde ich übrigens nicht so schlecht, wie sie gerade im Internet häufig gemacht wird (ein Kumpel meinte gar, sie befinde sich auf dem Totalausfalllevel von PRIESTs „Demolition“ – no way, Kollege!). Das unterstreicht auch der Opener „3111“, der nach dem QUEEN-Intro „We Will Rock You“ schön garstig und flink über uns hereinbricht. Der Gitarrensound ist einfach herrlich, genau so müssen die Klampfen sägen auf einem EXODUS-Konzert. Mit „Bonded By Blood“, „Deathamphetamine“ und „Blacklist“ wird eine coole Mini-Werkschau geboten, bevor durch das langatmige „Goliath“ die Stimmung absackt. Bei dem Track kann ich die Kritik teilen, und gerade in einer eher kurzen Setlist funktioniert so ein „atmosphärischer“ Song nicht wirklich. „A Lesson In Violence“ weckt die Circle Pits aber wieder zum Leben. Schön auch das zunächst mit dem angetäuschten „Raining Blood“ beginnende „The Toxic Waltz“, bei dem EXODUS die Arena nun wirklich brodeln lassen. Ihre Spontanität haben sie sich auch bewahrt, denn zum Schluss von „Strike Of The Beast“ wird doch glatt ein Typ aus der ersten Reihe auf die Bühne gelassen, Lee Altus hängt ihm seine Gitarre um die Schultern und der Dude darf ein wenig herumlärmen. Das kann er zwar nicht wirklich gut, lässt sich aber den Move nicht nehmen, danach ein Altus-Plek abzurupfen und rockstarmäßig in die Menge zu schnipsen, haha! Gut gethrasht, gut gelacht - EXODUS können es einfach immer noch.

 

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Und das gilt auch für CARCASS! Ich habe die Band seit zehn Jahren nicht mehr live gesehen (PartySan 2016), mein letzter DreMu-Bericht ist sogar bereits zwölf Jahre alt (Wacken 2014). Das wird also wirklich Zeit! Von den beiden letzten Platten gibt’s nur jeweils einen Song (schade eigentlich, beide finde ich super), ansonsten also ein Klassiker-Gemetzel. Optisch haben CARCASS einiges zu bieten – mittels Projektionen, Sidedrops und Screens setzt man auf die übliche Pathologieschiene, natürlich ästhetisch recht ansprechend und nicht mehr so gorig wie in den Anfangstagen. Ein Bild von einem Skalpell regt die Fantasie eher an als ein Schädel mit ‘ner Axt drin. Allerdings werden die Pausen zwischen den Songs von Geräuschen und Samples aus der Konserve gefüllt. Das schafft einerseits Atmosphäre, sorgt aber auch dafür, dass Jeff Walker keine Ansagen macht. Und gerade die finde ich immer so witzig, denn Jeff besitzt so einen trockenen britischen Humor. Bill Steer sieht unglaublicherweise immer noch so aus wie vor 40 Jahren, trägt seine hippiesken Klamotten und bewegt sich mit der Grandezza des geborenen Bühnenrockers. Ich bin erstaunt, wie gut die Leute zum komplexen Material der (ehemaligen) Goregrind-Legende mitgehen. Auf massive Reaktionen stoßen vor allem „Buried Dreams“, „Incarnated Solvent Abuse“, „No Love Lost“, „Death Certificate”, “Genital Grinder”, “Exhume To Consume”, “Corporal Jigsore Quandary” sowie das unzerstörbare „Heartwork“. Wie immer gut also, bitte häufiger auf (Headliner-)Tour kommen!

 

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Spektakel! Anders kann ich die KREATOR-Show nicht bezeichnen. Und es beginnt schon so grandios! Erst läuft MAIDENs „Run To The Hills“ als Intro, welches die gesamte Halle in ausgelassener Stimmung mitsingt, dann folgt ein weiteres – sehr aussagekräftiges – Intro. Zum 60er Protestsong „Eve Of Destruction“ werden Gemälde, Fotos und Filme auf den Vorhang projiziert, die allesamt Konflikte, Revolutionen, Aufstände und Schlachten zeigen, wobei die antiken Gemälde offenbar per KI animiert wurden. Das Ergebnis ist beeindruckend und reicht vom ollen Rom über z.B. die Französische Revolution bis hin zur NS-Zeit (Sophie Scholl) und zur Gegenwart (Renée Good). Nach dem Kabuki-Drop donnern KREATOR mit „Seven Serpents“ los und zeigen sich in exzellenter Form. Ich finde den Auftritt dynamischer und aggressiver als die zuletzt gesehenen KREATOR-Shows. Auch die Songauswahl ist gelungen, haben Mille und Co. doch einiges umgestellt und ein paar länger nicht gespielte Klassiker in die Setlist genommen. Für die Fans der ganz frühen Tage gibt’s „Endless Pain“ (!) und „Pleasure To Kill“, aber auch „People Of The Lie“ und „Betrayer“ gehen weit zurück in die Jahre 1989 und 1990. Ich hätte eine ganz ähnliche Setlist erstellt, wenn ich gedurft hätte, denn „Enemy Of God“, „Hordes Of Chaos“ (geil!), „Phantom Antichrist“ oder „Violent Revolution“ gehören unbedingt zu den besten KREATOR-Tracks. Die Leute drehen folgerichtig gehörig durch, starten immer wieder Circle Pits, Walls Of Death und Massen-Crowdsurfing, gerne auch ohne Aufforderung durch den Chef. Und ansonsten ist das Bühnenbild einfach over the top – Ventor thront auf einem gigantischen Schädel, der das Ding von DANZIG auf seiner ersten Tour (Markthalle) zum Schrumpfkopf degradiert. Links und rechts fette Dämonenköpfe, dazu kommen Lichteffekte aus der Hölle (nichts für Epileptiker, schätze ich), Konfettikanonaden und überhaupt feuern KREATOR die gesammelten Silvesterdekorationen der letzten Jahre in die Halle. Wer räumt das bloß alles auf? Zumal wir später auf dem Rückweg noch in mehreren Kilometern Entfernung mitgeschleppte Reste sehen…

 

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Fazit: KREATOR sind zur Zeit die unangefochtenen Könige des Stadion Thrash Metal. Sie könnten auf dem Level wirklich nur von SLAYER getoppt werden, falls die doch noch mal auf Tour gingen. Ob man Thrash Shows nicht lieber in einem kleinen verschwitzten Club sieht, ist natürlich eine andere Frage. RIOT OF VIOLENCE!    

 

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