THE DEVIL AND THE ALMIGHTY BLUES / 27.04.2026 – Hamburg, Knust
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Donnerstag, 14. Mai 2026 09:43
- Geschrieben von Doom Fränk
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Eigentlich sollten wir alle immer noch Julius, dem ehemaligen Betreiber der (alten) Schaubude, dankbar sein. Er war es doch, der wieder und wieder und wieder den geilsten Scheiß nach Kiel geholt hat und ohne den wir TDATAB oder andere Hochkaräter vermutlich nie kennen gelernt hätten. Ich hoffe von hier aus einfach mal, dass es ihm sehr gut geht und er mit der Gesamtsituation zufrieden ist. Ich habe ihn jedenfalls ewig lange nicht mehr gesehen. Genauso lange nicht mehr wie TDATAB – das letzte Album (TRE) ist bereits 7 Jahre alt und wiewohl sie regelmäßig alle 2-3 Jahre in Hamburg spielen, habe ich sie beim letzten Mal aus Gründen leider verpasst. Davor war ich aber bei jedem ihrer Konzerte in Kiel und Hamburg anwesend. Obwohl ich heute erst vor 3 Stunden wieder - zurück aus Vancouver, BC – gelandet bin, erklingt bereits jetzt erneut das beliebte und immer wieder gern gehörte: Hin da!
Da an diesem Abend nur zumeist bärtige, verzottelte, ältere Männer auf die Bühne stehen, können wir auf den uns allen ansonsten lieb gewonnenen Disclaimer wohl verzichten. Das gleiche passiert im Vorweg auch mit die Vorband – auf die wird auch verzichtet. Das ist aber nicht schlimm, der heutige Headliner reißt alles allein raus.
Außerverkauft ist nicht, aber wohl halbwegs passabel gefüllt. Wenn die Welt etwas gerechter wäre, würden sie diesen Bums hier siebzehn Mal hintereinander ausverkaufen – aber sie ist eben so, wie sie ist und deswegen haben alle etwas mehr Platz an diesem Abend.
Kim Skaug, der Basser, steht vorne und starrt mit weit aufgerissenen Augen in das Publikum? „Warum dieser Zorn?“, fragen wir uns, „Liegen die Merch Verkäufe etwa hinter den Erwartungen zurück?“ Aber nein, das ist nur Show und würde es den Norwegern einzig um die Kröten gehen, würden sie vermutlich ganz andere Musik spielen. Handwerklich ist das alles oberste Liga, die sich hier an die Instrumente versammelt hat.
Heavy, bass-lastig aber auch ungeheuerlich melodisch kommt es aus den Boxen. Ähnlich wie bei mighty Bolt Thrower wird hier nach dem gleichen Rezept gekocht: Ist der geil fette Riff erstmal gefunden, dann wird er tot genudelt. Das ist aber keine Kritik! Diese Simplifizierung, die Konzentration auf das Wesentliche, finde ich wunderbar. Am Anfang eines jeden Liedes stellt die Band mehr oder weniger klar: Hier ist der Riff, take it or leave it! I take them all by the way! Das ist modern dargebotener bluesbasierter Rock, der irgendwo Anfang der 70er verwurzelt ist, jetzt durch den Schuppen strömt und immer an der Kante zum Doom herum bugsiert. Langsam, aber nicht so betrauernd wie auf die Beerdigung von meiner Tante Robert – immer mit Drang nach vorne, beizeiten explodierend und im Hintergrund wird auch gerne mal geschleppert und gescheppert.
Meine Reisegruppe erklärt mir nebenbei, dass sich die Besetzung der Band geändert hat. Der mit den kurzen Haaren an der zweiten Gitarre wurde ausgetauscht gegen einen mit langen Haaren – also einer richtigen Matte. Das ist nun vermutlich Markus Berntzen, ein Meister seiner Saiten. Seitdem wäre es „frickeliger“ (O-Ton!!!) geworden. Damit ist wohl gemeint, dass bei den durchaus langen – aber nie zu langen – Zwischenparts ohne Gesang auf dem Griffbrett balanciert wird. Das machen beide Gitarristen (der andere Meister ist Torgeir „Waldemar“ Engen) aber super und besser kannst du modernen Blues (Rock), der zweifellos mit einem guten Schuss Metal gesegnet ist, nicht spielen. Dazu kommt die ganze Chose kraftvoll, massiv, roh und mit fettem Klang aus den Boxen. Da entstehen nun keine Circle Pits wie bei Cattle Decap in Vancouver ein paar Tage vorher oder es wird zum Crowdsurfen animiert, aber das Publikum geht nickend und wippend mit – mehr kannst auch nicht verlangen. Die Kommunikation mit dem zahlenden Gesocks da unten wird sowieso auf ein Minimum reduziert, aber das war auch nie anders.
Zu sehr ist heute wieder der hypercharismatische Sänger Arnt „Oluf“ Andersen in seine Rolle versunken. Dem Messias des Blues gleich kehrte er mit zerzaustem Bart in seiner Robe auf die Bühne ein und wacht nun über das, was sein Gefolge da mit viel Fuzz vertont. Immer wieder zieht er sich in den Teilen ohne Gesang zurück, verharrt, beobachtet und richtet. Derweil er Jahre zuvor noch bei diesen Parts betont teilnahmslos auf einer Box der PA inne hielt, zieht er sich nun mit verschränkten Armen zurück derweil die Seinen die Messe lesen. Und es dabei krachen lassen. „Der Teufel“, sagte meine Tante Frieda immer, „hat nicht nur den Schnaps gemacht, sondern sich auch die Hundesteuer erdacht.“ Vermutlich hatte er aber auch in diesem also wirklich herausragenden Gebräu aus Blues, Stoner und Doom seine Finger gehabt. Zu viel Melancholie wabert um uns und keiner der Anwesenden würde eine Bespaßung des Publikums mit lauten „He-He-He!s“ fordern.
Ich glaube, wir fordern aber doch eine Zugabe und erhalten diese auch, aber ich kann mich nicht mehr genau erinnern. TDATAB spielen übrigens ein neues Lied, dass wieder mal(!) geil schwer und verdammt „catchy“ auf uns niederprasselt. Das vierte Album ist also bereits unterwegs und das wird wohl auch wieder „aber mal so richtig geil“ werden.
Einziger Kritikpunkt in einem von Kritikpunkten bisher verschonten Konzertbericht: Die Band aus Oslo spielt ihren Megakracher Low nicht! Hier muss beim nächsten Mal dringend nachgebessert werden!
