L.A. WITCH, THEMIS / 03.05.2026 - Hamburg, Hebebühne
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Donnerstag, 21. Mai 2026 16:21
- Geschrieben von Doom Fränk
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Die Band mit einem der coolsten Namen im Musikgeschäft hat ein neues Album veröffentlicht und ist außerdem auf Europa Tour! Dazu spielt sie in Deutschland in nur einer einzigen Stadt und das ist Hamburg!! Noch dazu in einem Club, in dem ich vorher noch nie gewesen bin!!! Der Hebebühne! Nun ist der Moment, wo sich der geneigte Leser dieser ölverschmierten Garage Rock und bewusstseinserweiternden Psychedelic Schmonzette fragen sollte, ob er/sie diese Location bereits mit der eigenen körperlicher Anwesenheit beehrt hat – oder zumindest dichtgedröhnt mit dem geistigen Auge dran vorbei geschwebt ist. Wie immer egal, wir hopsen alle nüchtern und drogenfrei in die Karre und brausen…hin da!
Die Venue liegt mehr oder weniger genau zwischen der Fabrik und dem Monkey´s in Altona. Das bedeutet, die Parkplatzsituation ist als „schwierig“ zu bezeichnen – wir finden aber sofort einen in der Straße ohne Namen mit den vielen Baustellen. Glück gehabt. Vor dem Club räumen die L.A. Witches gerade ihren Tourbus aus. „I´m soooo tired“, klagt eine von ihnen – naja, das klingt ja nicht gerade danach, dass heute eine energiegeladene Vollbedienung geliefert werden wird. Aber warten wir´s ab…an der Eingangstür finden wir weiterhin die Info, dass ab 22:00 Nachtruhe zu herrschen hat. Die ehemalige KFZ-Werkstatt (daher wohl auch der Name) ist in einem Hinterhof und einzig von Wohnungen umgeben - ein Ende des Abends ist also absehbar.
Vorband ist Themis aus Stuttgart. Der gleichnamige Sänger hat seine Band mitgebracht, die – sofern ich mich richtig erinnere - aus Yoko Noel (Bass) und Mehdi Nouisser (Gitarre) sowie Korbinian Öhy (Drums) besteht. Er ist wohl mit der Headliner Band freundschaftlich verbunden und sichtlich erfreut, der Support zu sein. Mit ordentlich „Queer Power“ gibt es mehr Indie als Alternative, welches auch gerne mal Teile aus dem Pop entnimmt. Das alles ist eher düster als happy, nicht der 100ste Clone von irgendetwas anderem und kommt durchaus sympathisch und kurzweilig daher. Themis (Theodoridis) ist später dann auch die ganze Zeit am Mercher zu finden – für seine Fans also greifbar und nicht abgehoben wie manch eine sonstige Band…bzw. sonstige Künstler.
Die Hexen aus L.A. stimmen kurz ihre Instrumente und verschwinden anschließend noch mal hinter der Bühne. Kurz nach 21:00 Uhr geht´s dann los und in der kommenden Stunde gibt es ca. 15 Lieder aus allen Schaffensphasen – immerhin 3 Alben sind bisher erschienen - in die Ohren der Fans. Es geht erst etwas ruhiger los, aber ab dem vierten Lied wird sodann ordentlich Fahrt aufgenommen. Rock Noir mit Psychedelic und Garage – wie immer du das nennen willst. Trotz der Hitze der Wüste im Sound bleibt die Stimme von Sade Sanchez immer betont unterkühlt, die Wut des Punk ist hier nicht gefragt. Auch das Politische überlassen L.A. Witch lieber anderen Bands. Hier geht es um die kleinen - und manchmal großen - zwischenmenschlichen Konflikte. Vor dem Untergang der Menschheit zu warnen wie es z.B. Cattle Decapitation verkünden, überlassen sie lieber anderen oder eben genau diesen. Das Konzert dieser Band in Vancouver (Bericht hier demnächst oder schon zu finden) wird nebenbei noch lange das Maß aller(!) kommenden Konzerte für mich sein…ist aber auch ne ganz andere Richtung…daher eigentlich unpassend…naja…geschrieben ist geschrieben.
Irita Pai zupft dazu bewusst gleichsam unnahbar wie aber auch mondän ihren Bass. Außer in den Opiumhöhlen Hong Kongs sind mir solche Kleider, von denen sie eines trägt, bisher auch noch nicht untergekommen. Aber selbst da sind diese nicht mit den Türmen des Kölner Doms geschmückt. Jaja…Bolt Thrower sagten aber mal…ich weiß…ich weiß…deshalb gleich weiter zu Ellie English. Super Name, super Taktgefühl. Aus dem Hintergrund kündigt sie mit dem Zusammenschlagen der Drum Sticks jeweils den folgenden Song an und hat heute Abend sichtlich Spaß an dem Auftritt. Von bluesig bis twang-ig und von Teilen des Gothic- bis zu Teilen des Post-Rock ist alles in dem heißen Gebräu der Hexen zu finden. Das gefällt, kommt super rüber, der anwesende Pöbel jubelt und Kameraspeicher werden voll geschossen. Unterstützt werden sie heute von einer Freundin aus Paris an Gitarre und Synthesizer, aber an den Namen kann ich mich leider nicht erinnern – die Hexen sind also zu viert! Praktisch ist das jetzt wohl schon ein Zirkel…oder?
Ausverkauft ist nicht, aber für einen Sonntag ist es denke ich ganz gut gefüllt. Das Publikum ist vom Alter und Geschlecht her bunt durchmischt. Am Mercher werden später Rekordumsätze gemeldet. Bei inzwischen 35,00 Euro für eine Platte aus sehr schönem roten, transparenten Vinyl ist das aber auch kein Wunder – denke das liegt aber auch am Kerosin Mangel. Ich „ernte“ noch die neue CD ab und tausche da mit der super sympathischen und im Kopfrechnen stark überforderten Sade geiles Gesülze aus und berichte ihr natürlich auch davon, die Band vor 9 Jahren bereits in Austin, TX im Sidewinder gesehen zu haben. Bericht ist irgendwo hier auch zu finden. Ich vermute einfach mal, dass sie sich natürlich an mich erinnert hat. „So wie in Texas wird sonst nur auf der Welt in Hamburg gerockt“, erklärt sie mir und den staunenden Anwesenden, „oder in Vancouver!“ So oder so ähnlich war das…glaub ich wenigstens…mein Englisch ist halt auch nicht das Beste und/oder manchmal hört man eben das, was man/frau gerade hören möchte.
War super – sofort wieder! Auch wenn die Hebebühne nicht unbedingt vom Programm her ein Punk- oder Doom-Schuppen ist, werde ich die Ankündigungen dort in Zukunft aufmerksam(er) verfolgen.
All hail the L.A. Witch(es)!
