THE 50 KAITENZ, KÜKEN / 20.05.2026 – Kiel, Hansa48

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Morgens 09:55 Uhr, große Pause. Was ist das für ein Gefühl, was ist das für ein Geräusch? Klingt wie Feedback… Aaah, natürlich, es ist der Ruf des ROCK! Ihr wisst ja:  Es ist ein gewisses Ziehen im Hinterhirn, das theoretisch jeder Mensch spüren kann. Ist seit der Steinzeit so, aber der moderne Mensch hat es häufig verlernt, auf die wirklich bedeutsamen Triebe und Reize zu hören, ignoriert den Ruf und betreibt lieber weiter TV-Shopping (oder so). Bis zum Abend wird das Ziehen stärker, das muss ja heute ein ganz dicker Zossen sein. Also aufs Rad und einfach dem Gefühl hinterher. Ich werde zur Hansa48 gelenkt. Mensch, hier ist aber viel los! Ob neben dem Konzert noch eine zweite Veranstaltung lockt? Sektempfang in der Fahrradwerkstatt? Nein, die 50 KAITENZ sind in der Stadt! Wenig später höre ich dann auch: „Ausverkauft!“ Wie erfreulich! In Kiel unter der Woche ist das nicht selbstverständlich und spricht für die Klasse der japanischen Band, die hier zuletzt 2024 spielte und begeisterte.

 

THE 50 KAITENZ

 

 

Und auch KÜKEN haben sicherlich ihren Anteil am Erfolg des Abends. Ich sehe die Hamburger heute zum zweiten Mal. Mitreißender, sehr schnell gespielter Garage Punk / Punkrock. Ein Alleinstellungsmerkmal der Band ist der doppelt besetzte Gesang. Es wäre hier falsch, von „Wechselgesang“ zu sprechen, denn Bassist und Gitarrist singen wirklich nahezu jede Zeile synchron. Das erzeugt einen Effekt, der an Hall erinnert, aber eben doch anders klingt. Mit fällt auf, dass die beiden sich verdammt ähnlich sehen und Jan-Hinnerk bestätigt: Das sind Zwillinge! KÜKEN haben es drauf, aus denselben drei Akkorden eine Menge Songs zu schmieden, die sich zwar ähneln, die aber auch ausnahmslos Bock machen. Die 70er Punkrock-Vibes erzeugen gute Stimmung im sich füllenden Konzertraum, erste Besucher:innen pogen und tanzen.

Leider ist heute keiner der sonst omnipräsenten DreMu-Knipser:innen vor Ort. Daher gibt’s heute nur Fotos von Platten. Auch schön, oder? Es soll Leute geben, die Platten für ästhetischer als Menschen halten. Bei diesem Telefon-Seelsorger Domian rief sogar mal ein Kerl an, der.. – aber lassen wir das, es wird Zeit für THE 50 KAITENZ! [Edit: Egon Aller hat sich gemeldet und drei Fotos beigesteuert - Danke!]

 

KÜKEN

 

Vorher gibt’s aber noch einen Schnack mit Gregor von SOUNDS OF SUBTERRANIA, der in letzter Zeit mit SHA-LA-LEES, PRETTY LITTLES, SCHNECKENKÖNICH, BAD//DREEMS, THE PILL oder ES WAR MORD so einige Knallerplatten veröffentlicht hat. Auch THE 50 KAITENZ hat er im Programm, was ganz spannend ist, da die Band in Japan aufm Major läuft. Aber diese Deutschland-Tour laufe super und sorge überall für volle Hütten. Da freut mich nicht ganz uneigennützig, denn so erhöht sich die Chance auf eine Rückkehr.

 

KÜKEN

 

THE 50 KAITENZTHE 50 KAITENZ

 

Die Hütte ist voll, alle haben Bock. Und ich bin auch sicher, dass THE 50 KAITENZ wirklich niemanden enttäuschen. Denn das Auftreten dieser drei Rock-Verrückten sorgt für ansteckend gute Laune. Oder wie Schrammi sagt: „Die könnten sowohl im Altersheim, im TV-Fernsehgarten oder auf der Krustenabrissparty spielen – und würden überall abräumen.“ Das heißt nicht, dass die Musik Mainstream wäre, nein, aber die Überzeugung, dass Rock’n’Roll doch die Welt retten kann, wird hier mit Nachdruck gelebt. Die HIVES-artigen Anzüge (aber schwarz mit weißen Blitzen drauf), die RAMONES-artigen Frisuren und die strahlenden Mienen der Akteure tragen dazu bei, dass der Saal komplett ausflippt. Mit wilden Sprüngen, synchronem Gitarrengeschwenke und schauspielerisch wertvollen Grimassen legen THE 50 KAITENZ eine unglaubliche Show hin. Man kann dabei getrost ausschließen, dass das Trio das „automatisch“ abspult, dafür passieren zu viele spontane Momente auf der Bühne, und in der kleinen Hansa stehst du ja auch so nah dran, dass du jedes Lächeln der Musiker sehen kannst. Als Hörer kann man vieles in die Musik hineininterpretieren, da THE 50 KAITENZ alles von Chuck Berry bis zu 60er/70er Punk einfließen lassen. Ganz präsent sind immer wieder die RAMONES, was nicht zuletzt mit einem „Blitzkrieg Bop“-Cover, sondern auch der Huldigung „Thank You For Ramones“ unterstrichen wird. Viel mehr versteht man von den Texten nicht, und dann doch wieder alles, denn eigentlich wird hier in einer universellen Sprache kommuniziert. Die dreistimmigen Harmoniechöre sitzen wie eine 1, so wie überhaupt bei aller Wildheit auf den Punkt gespielt wird. Wie lange der Auftritt wohl dauert? Auf jeden Fall brüllen die Besucher:innen die Band noch mehrfach auf die Bühne zurück. Wahnsinn und wie 2024 ein Jahreshighlight!

 

THE 50 KAITENZ

 

Heute hole ich mir bei Gregor das nach Discogs-Zählung fünfte Album „No Bikkuri“. Kann ich auch auf Platte unbedingt empfehlen, wobei man diese Band unbedingt live gesehen haben sollte. Hoffentlich kommen sie wirklich wieder und dann wieder in der Hansa! Achtet auf das Ziehen im Hinterkopf…      

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