THE NEPTUNE POWER FEDERATION, MINUS MOUNTAIN / 22.05.2026 – Hamburg, Bambi Galore

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Die Australier:innen THE NEPTUNE POWER FEDERATION haben sich in den letzten Jahren zu einer meiner Favebands entwickelt. Irgendwie fühlen sie sich noch an wie Newcomer, dabei haben sie bereits sieben Alben draußen und existieren seit 14 Jahren. Der Auftritt auf dem HELL OVER HAMMABURG 2019 hat sich tief ins Gedächtnis gebrannt, völlig verblüffend ist die Wandlungsfähigkeit der Band, die ihr vorletztes Album an MEAT-LOAF-Epen angelegt hat, während die neue LP die Überlegung zur Songwriting-Grundlage gemacht hat, wie HAWKWIND geklungen hätten, wenn Lemmy nicht „ausgestiegen“ wäre. Stilistisch sind sie kaum zu fassen, verbinden sie doch hammerharten Rock’n’Roll mit Psychedelic Rock und NWOBHM. QUEEN-Opulenz trifft MOTÖRHEAD Rotz. Aber egal, wie man es umschreibt, erwähnen muss man die Weltklasserefrains und die unfassliche Stimme von der Imperial Priestess Screaming Loz Sutch. Man wird zutiefst berührt, vermutet gar eine professionelle Gesangsausbildung. On top kommt natürlich die schräge Inszenierung als singender Weihnachtsbaum oder drogeninduzierte Fiebertraumvariante vom GHOST-Papa. Nun steigt eine zentrale Figur aus: Der Coverzeichner und Artwork-König Inverted CruciFox (= Mike), der jede Band vor Scham erröten lässt, die ihre Cover von KI erstellen lässt, und der auch bei SICK FIZZ und THE COOLZ zockt. Das Nilpferd der PLATTENKISTE hat übrigens er kreiert. Ist dies also das Ende?

 

THE NEPTUNE POWER FEDERATION

Bilder von MJ.

Hach, so viele nette Leute vorm Bambi. Aber viel Zeit zum Verweilen bleibt nicht, verspricht doch der Bürgermeister: „MINUS MOUNTAIN müsst ihr euch ansehen, die sind super!“

 

MINUS MOUNTAINMINUS MOUNTAIN

 

Unrecht hat er damit nicht. Diese Lübecker Band frönt dem Progressive Metal und wirkt dabei recht souverän. Der Fokus liegt weniger auf animalischer Bühnenaction, eher auf fokussierter Darbietung. Die Stimme des Sängers, Robert Heiduck, gefällt mir gut, voluminös und druckvoll haut der Barde die Gesangslinien raus. Jemand hinter mir spricht von Stoner, doch dafür klingen MINUS MOUNTAIN meines Erachtens zu variabel und zu komplex. Auch lassen sie härtere Riffs mit Death/Doom-Einschlag zu. Überraschende Breaks sorgen für Aha-Momente, „Mother“ ist kein DANZIG-Cover, der Bürgermeister bangt in der ersten Reihe. Links und rechts auf den Amps steht jeweils ein gerahmtes altes Foto von reifen Herren. Wer mag das sein? Die Väter? Politiker? Forscher? Wissenschaftler? Musiker?

 

THE NEPTUNE POWER FEDERATIONTHE NEPTUNE POWER FEDERATION 

 

Nach einem kurzen Freiluftschnack begebe ich mich zum Glück – meinem Bauchgefühl folgend – früher als einige meiner Gesprächspartner nach unten, denn tatsächlich legen THE NEPTUNE POWER FEDERATION nach einer überraschend kurzen Umbaupause los. Die Imperial Priestess denkt aber nicht daran, sofort auf die Bühne zu gehen. Suchend und mit leuchtender Krone (neues Design) bewegt sie sich zunächst durchs Publikum. Da stößt sie auf eine Frau im NEPTUNE POWER FEDERATION-Shirt, legt dieser segnend die Hand auf die Stirn und erklimmt erst dann die Bretter, die die Welt bedeuten. Rumms!, ab geht die Fahrt. Es wäre schon eine Wahnsinnsleistung, diese Musik ohne jegliche Show zu präsentieren, aber die Priestess zieht wirklich alle Register. So hält sie eine Art Kelch mit unbekannter roter Flüssigkeit in die Höhe. Entnimmt damit mit einer Pipette eine Probe und wählt einen der bereitwillig geöffneten Schlunde aus der ersten Reihe aus, um dem Kandidaten das Tröpfchen Glück in den Hals zu träufeln. Auch herrlich: Ihr mit Leuchtdioden versehener Brustpanzer, der im Verlauf des Konzertes verschiedene Farb- und Leuchtkombinationen variiert. Mehrfach zückt sie eine antik wirkende Mini-Tröte, deren Klang an ein dröhnendes Nebelhorn erinnert. Aber man sollte die Band nun auch nicht auf ihre Sängerin reduzieren. Alle liefern meisterhaft, angefangen vom Schlagzeuger, der mit seinem Spiel einem Philthy „Animal“ Taylor zur Ehre gereicht, über die wild feuernden Gitarristen bis hin zum alle Ärsche massierenden Bass. Rock’n’Roll, Doom, Psych und – ja – Pop werden in heißen Hymnen kombiniert. Um es klar zu sagen: Es gibt ausschließlich gute und sehr gute Songs von dieser Band und damit auch in dieser Setlist. Was für eine Detailverliebtheit, was für eine wahre und tiefe Liebe für den Rock’n’Roll! Das war ähnlich auch bei SICK FIZZ zu spüren, die auf dem CAUSE OF DEAF FEST 2025 spielten. Unbedingt erwähnen muss ich den heutigen Sound im Bambi, der wunderlich mächtig und „groß“ klingt. „I’ll Make A Man Out Of You!“, singt, schreit, ja flucht die Priestess und eine Gänsehaut wandert durchs dampfende Bambikollektiv. Mit „Metal Health“ zücken die Australier:innen schließlich noch ein Ass aus dem Ärmel – Top-Version, deren „Bang Your Head!“-Refrain mir noch tagelang im Kopf bleibt. Im Kelch ist noch Saft, den die Priestess kurzerhand komplett über den Kopf eines Besuchers kippt. Die Dosis macht das Gift.   

 

THE NEPTUNE POWER FEDERATIONTHE NEPTUNE POWER FEDERATION 

 

Zum Glück erzählt mir Christian Kind beiläufig, dass Mike unterm Merchtisch wenige Exemplare der THE COOLZ-LP liegen hat, die man auf Anfrage abernten kann. In dieser Band spielt er mit seiner Frau heftigen Rock (was sonst). Ernte26!

 

THE NEPTUNE POWER FEDERATIONTHE NEPTUNE POWER FEDERATION

 

Hoffen wir, dass die Band weitermacht! Es wirkt nicht so, als sei das kreative Potenzial annähernd ausgeschöpft.

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