SPUCKSCHLUCK, SCHNOIZER, FOLL FIES / 29.05.2026 – Kiel-Aubrook, Kröker
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Montag, 15. Juni 2026 18:22
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Sommer, Sonne, Punk im Kröker – geht’s geiler?
Mir sind Jahreszeiten ja generell eher wumpe. Winter, Sommer. Kälte oder Hitze sind doch egal, man muss nur die passenden Klamotten tragen. Aber was dann doch einfach schön ist: Diese Leichtigkeit im Sommer. Nicht überlegen müssen, wohin mit Pulli, Jacke und dem ganzen Gelöt. Garderoben können mit ewigen Schlangen nerven, beim In-die-Ecke-Pfeffern des Krams bleibt wiederum ein gewisses Restrisiko. Aber heute: Herrliche Temperatur, kurze Hose, T-Shit – ab aufs Rad und hin zum Kröker! Und was ich heute zum ersten Mal checke: Auf der Veloroute 10 kannste ja von der Uni bis zum Uhlenkrug radeln, dann einmal links, einmal rechts abbiegen und schon stehste zwischen den Punkerhorden auf dem Brook! Dauert keine halbe Stunde.
Und wer alles da ist! Ich freue mich über viele Gesichter, aus Gründen aber vor allem über Bocky. Geil, Alter!
FOLL FIES beginnen. Der Übergang von der Party zum Konzert ist hier noch fließend. Zuerst verweilen viele beim Klönschnack noch draußen, aber mit jedem Song wirkt der tierische Magnetismus mehr, den die Pferde Moe, Andy und Dirty Dörk ausstrahlen. Bald tobt der erste Pogo im lütten Kröker. Die Leute wären auch ohne Musik schon gut drauf (Eintritt auf Spende, Bier ‘ne Maak), aber wenn dir Punkgewitter wie „Für den Frieden“, „Der Liebe wegen nach Neumünster“ oder „Bite It, You Scum“ ins Gehirn gebohrt werden, kann das Grinsen nur noch breiter werden. Es soll ja Leute geben, die es nicht mögen, wenn Musiker:innen zwischen den Songs labern. Bei FOLL FIES ist das Zwischengeschnacke jedoch mindestens so gut wie die Musik. Selbst wenn sich die drei darüber streiten, wer tiefer in den Gartenzaun gegriffen hat, ist das noch unterhaltsam und lehrreich. Wenn ich mich nicht irre, wird heute sogar ein neuer Song gespielt, der mir sehr gut gefällt, dessen Titel ich aber vergessen habe. FOLL FIES FOREVER!
Endlich SCHNOIZER! Der Name war mir schon seit unbestimmter Zeit positiv aufgefallen, aber bisher habe ich die immer knapp verpasst. Oi Punk Pervers ist hier natürlich das Gesetz. Das Trio tritt gut aufs Gaspedal und hat die nötigen Melodien am Start. Auf der – naja – Bühne ist der Gesang wohl anfänglich nicht zu hören, unten klingt es eigentlich sofort gut. Leider öffnen SCHNOIZER erst nach dem Auftritt ihre Merchtruhe, in der sich u.a. auch Schnauzbärte zum Aufkleben befinden. Hätten sie die Dinger davor verteilt, wäre der ganze Mob bärtig eskaliert! Aber auch mit glatten Hackfressen lässt sich hier ohne große Vorkenntnis in den Mitmachmodus schalten. Mit „Raus aus unseren Reihen“ wird die nötige Positionierung formuliert (gilt ja leider für eigentlich jedes Genre), „Samstag Antisozial“, „Durst“, „Hafenromantik“ oder „Biertrinken ist wichtig“ nennen sich weitere Gassenhauer. Es gibt ein Tape namens „Demo 2025“, das ich natürlich sofort abernte. Beste Oi!-Attacke seit FONTANELLE!
„In der Pause liest Punkromanautor Roland Scheller“ – das ist eigentlich eine richtig gute Ansage, die ich mir für zukünftige eigene Konzerte merken muss. Drohung oder Verheißung? Das liegt wie immer im Auge des Betrachters. Leider verpasse ich die Lesung auch heute, da Scheller nicht im Kröker liest, sondern auf dieser kleinen Bühne, auf der beim Feevival auch immer ein Zusatzprogramm stattfindet. Neulich hab ich aber tatsächlich mal in „Pesudo“ reingelesen und mir vorgenommen, die Lektüre fortzusetzen.
Schon auf dem 2024er WILWARIN hatten mir SPUCKSCHLUCK noch besser gefallen als ohnehin schon. Aber heute hauen sie mich regelrecht um! Woran hat’s gelegen? Es kann nicht nur die Stimmung sein, obwohl es schon sehr schön ist, wie der Kröker an die Belastungsgrenze gebracht wird. Buddel fragt völlig zu Recht, ob die Hütte eigentlich schon mal von ‘nem Statiker gecheckt wurde. Denn wenn Dutzende von Leuten auf einmal hüpfen und pogen, sieht man das Konstrukt vor dem inneren Auge schon den Abhang runterkrachen. Aber der SPUCKSCHLUCK-Gig wäre das wert gewesen! Richtig geil, wie Buddel und Björn abwechselnd und gleichzeitig singen und schreien. Da sind Urschreie aus den Abgründen der Hölle dabei, ich schwör! Dazu dengeln und dreschen die anderen auf ihre Instrumente ein, entlocken diesen ganz wunderbare Brachialpunkmusik. Natascha spielt den Bass im Sitzen, weil hochschwanger. Irgendwie kegeln die Leute durch den Kröker, ohne dass nennenswert viel zu Bruch geht. Ich genieße jeden Moment!
Dieses Punk Picknick war gut, lecker, nahrhaft und sehr reichhaltig. Kröker rules!
