AFSKY, YOTH IRIA / 31.05.2026 – Hamburg, Logo
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Donnerstag, 25. Juni 2026 14:23
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Als DreMu-Kollege Torsten mich fragt, ob ich heute spontan mit zu AFSKY kommen wolle, will ich gerade mit der Begründung, dass sich zu viel Arbeit angestaut habe, absagen, als er ergänzt: „YOTH IRIA sind Vorband“. Es nützt also nichts, die Klausurenstapel werden prokrastiniert und ignoriert, Tickets werden schnell abgeerntet und das Slow-Mobil läuft schon warm. ONWARD TO MAYHEM!
Bilder von MJ.
Das Ganze geht derart plötzlich über die Bühne, dass wir ohne Mittag losgedonnert sind. Zum Glück gibt es im Viertel ums Logo herum ja viele Snackbuden und Restaurants, darunter sogar einige ganz gute. Einen Wolkenbruch samt Regenbogen gibt’s gratis dazu. Oder passiert das ein paar Tage später vor JUDGE und ASH RETURN? Egal, satt und doch hungrig (auf Geballer) geht es hinein ins bereits gut gefüllte Logo.
YOTH IRIA sind für mich ein hochspannender Newcomer, wenn man den Begriff überhaupt noch verwenden kann, sind die geilen Griechen doch bereits beim vierten Output angelangt. Gegründet von ROTTING CHRIST-Bassist Jim Mutilator im Jahre 2019 spielt die Band eine originelle Kombination aus Black Metal, epischen Melodien und einer fast schon an alte DIMMU BORGIR erinnernden orchestralen Wucht. Mir gefallen YOTH IRIA besser als ROTTING CHRIST, was am höheren Heavy-Metal-Anteil liegen mag. Im Logo stoßen YOTH IRIA auf eine Mischung aus textsicheren Anhänger:innen und Skeptikern, die auf AFSKY warten. Einige der Fans haben Corpsepaint aufgelegt und feiern jeden Ton. Ich gehe mit, denn YOTH IRIA schaffen es, sowohl die Mystik als auch die Brachialität der Alben auf die Bühne zu bringen. Leichte Unsicherheiten und ein paar technische Schwierigkeiten machen den Auftritt um so authentischer. Natürlich kommen ein paar Effekte vom Band, denn einige Songs besitzen weiblichen Gastgesang und Keyboard/Synthie-Flächen. Es ist zwar immer schöner, wenn auch diese Elemente live gespielt werden, aber die Mitnahme von Gastmusikern eben auch eine kostspielige und logistisch aufwändige Angelegenheit. Sänger „He“ hat ab und zu das Problem, dass sein Funk-Mikro sich ausschaltet, er switcht aber kurzerhand auf eines mit Kabel. „Dare To Rebel“, „In The Tongue Of Birds“, „Blazing Inferno“, „We Call Upon The Elements“ oder das extrem zugängliche „The Blind Eye Of Antichrist“ begeistern durch ausgeklügeltes Songwriting und dunkle Stimmung. Da bin ich froh, dass ich zugesagt habe!
Ein paar Äste auf die Bühne, ordentlich Nebel und ab geht die Post! AFSKY sind ja eigentlich ein Soloprojekt von Ole Luk, was live aber überhaupt nicht so wirkt. Die ganze Band versprüht eine ungeheure Energie! Anfänglich ist der Sound nicht so gut, die Gitarren zu leise, aber mit einem Mal verbessert sich das Klangbild. Das wirkt wirklich so, als hätte der Mischer plötzlich den entscheidenden Knopf entdeckt und draufgedrückt. AFSKY ballern, ballern und ballern. Das Drumming ist der Wahnsinn. Ja, bin ich denn gestorben und im Blast-Beat-Paradies erwacht? Streng genommen sind die Drums eigentlich zu laut, aber ich find’s gerade super so. Da ich keine AFSKY-Tonträger besitze und der Gesang auf Dänisch ist, kann ich nichts zu gespielten Titeln sagen. Dass man (fast) nichts versteht, finde ich reizvoll, geht mir auch bei SORTILÈGE etc. generell so. Was Luk sagen will, welche Gefühle er transportiert, das wird auch ohne Sprache völlig klar. Um es deutlich zu sagen: Gift und Galle kotzt der Herr ins Mikro! Nicht ohne Erwähnung bleiben sollten die versteckten, feinen Folk-Melodien, die im Hintergrund gesponnen werden. Einige YOTH-IRIA-Diehards sind gegangen, dafür dreht der Rest völlig durch. Mir fällt auf, dass nicht wenige Leute regelrecht tanzen. Und ich meine jetzt kein violent dancing oder Rumgemoshe damit, sondern im eigentlichen Sinne des Begriffs Tanzen. Und das geht! Die Bastbeats besitzen eine Form der Rhythmik, zu der du alle Extremitäten von dir werfen und jegliche Kontrolle und Zurückhaltung ablegen kannst. In Trance!
Es ist witzigerweise so, dass ich AFSKY zum vierten Mal spektakulär fand, aber dennoch nicht den Drang zur Ernte verspüre. Von YOTH IRIA habe ich hingegen bisher alles abgeerntet. Beide haben jedenfalls gut abgeliefert und werden hoffentlich bald wiederkommen.
