JUDGE, XIAO, ASH RETURN / 09.06.2026 – Hamburg, Logo
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Montag, 13. Juli 2026 17:42
- Geschrieben von Philipp Wolter
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JUDGE kommen auf Tour und auch noch direkt nach Hamburg! Als ob das nicht schon geil genug wäre, sind ASH RETURN als Support mit dabei (sowie eine weitere Band namens XIAO, die mir im Vorfeld nichts sagen). Für mich totaler Kult, schließlich zählt das überschaubare Schaffen der Band (auf den Alben „Chung King Can Suck It“ und „Bringin‘ It Down“ sind nahezu dieselben Songs, da erstere als Demo gedacht war, ansonsten gibt es nur noch die „New York Crew“-7“ und die „There Will Be Quiet… After The Storm“-7“, alles erschienen zwischen 1988 und 1992) mit zum besten NYHC-Zeug überhaupt. Ich konnte JUDGE noch nie sehen, zwischen 1991 und 2013 gab es die Band auch gar nicht und ob sie seit der Reunion überhaupt hier unterwegs waren, müsste ich erst recherchieren. [Edit: Tatsächlich spielten sie 2013 in Essen, worüber der MetalSon und HC-Olli sogar hier auf DreMu berichten!] Jedenfalls ist früh klar: Das Ding wird ausverkauft sein und der Klassikeralarm wird ausgelöst werden. Into the pit!
Bilder von MJ.
ASH RETURN müssen den Mob erst mal warmspielen, der zwar auf Anhieb Gefallen findet, aber noch im berühmten Halbkreis vor der Bühne steht. Ich bin natürlich befangen, da hier mit Tank und Kniffel zwei meiner CATBREATH-Kollegen auf der Bühne stehen. ABER! Ich kann sagen, dass ich bereits das ASH-RETURN-Debut „The Sharp Blade Of Integrity“ 2020 richtig super fand und auch direkt zur Zielgruppe gehörte, da die Jungs mit der Verbindung aus 80er Hardcore und traditionellem Heavy Metal genau meine Lieblingsgenres kreuzten. Swordcore! CATBREATH entstanden erst später, aber ASH RETURN sah ich dann erstmals 2025 auf gemeinsamen Shows. Mittlerweile ist das zweite Album „Defy And Conquer“ draußen (DreMu-Review folgt), welches mit Hirschi einen neuen Sänger präsentiert. Die Mischung ist ähnlich, vielleicht mit etwas mehr HC-Schlagseite im Stile von IGNITE. Das knallt jedenfalls auf Anhieb rein, schön flott, hochmelidiös und mit interessanten Kontrasten im Gitarrenbereich. Während Outso die Punk/Hardcore-Riffs durchschrubbt, ergänzt Kniffel die MAIDEN-artigen Doppelleads per Pedaltechnik. Da guckste quasi hin und her, wie ein hospitalistischer Wellensittich oder ein Zuschauer eines Ping-Pong-Turniers. Herrlich auch das Drumming von Meister Gerrit, der Präzision und Power derart trefflich vereint, dass ihn vor kurzem ein gewisser FRANK BLACKFIRE in seine Liveband geholt hat. Und Tank ist und bleibt einfach ein Tier auf der Bühne. Hirschi hält es nicht lange auf der Bühne – in bester Hardcore-Manier läuft er den Halbkreis ab und animiert die Leute zum Näherkommen. Gerade als die ersten Tänzer:innen richtig loslegen, ist der Gig auch beendet. Top!
XIAO spielen genau den Stil, auf den offenbar viele Besucher:innen gewartet haben: Brutaler Moshcore mit fiesen Breakdowns. Was mir aber gefällt: Die Leute gehen zwar heftig ab, achten aber stets darauf, niemanden zu verletzen. Das kennt man ja auch anders. Ich muss sagen, dass mir XIAO insgesamt zu monoton klingen. Die Schwed:innen spielen kompetent, die Songs besitzen Groove und die Stimme ist angenehm brutal. Die Sängerin hat es auch drauf, die eh schon willige Menge mit wütenden Blicken weiter aufzustacheln. Dennoch ist mir alles zu sehr auf den Effekt hin gestrickt, hängen bleibt jedenfalls nichts, wobei ich die Band zugegebenermaßen auch zum ersten Mal höre und sehe. Allein wegen der Action im Publikum fühle ich mich nichtsdestotrotz gut unterhalten. Nuff said.
Mir war vage klar, dass ich heute ein paar Legenden auf der Bühne (wieder)sehe, auch wenn ich JUDGE an sich zum ersten Mal erlebe. Aber diese Zusammenballung von Pionieren der Szene ist schon speziell: Craig „Ahead“ Setari von SICK OF IT ALL am Bass, Porcell (YOUTH OF TODAY, SHELTER…) und Charlie Garriga (CIV, GORILLA BISCUITS…) an den Gitarren sowie Sammy Siegler (YOUTH OF TODAY, CIV, 7SECONDS…) am Schlagzeug. Ich glaube, lediglich Sänger Mike Ferraro hat sich nach JUDGE völlig anderen musikalischen Genres zugewandt. Gerade seine Stimme bringt aber den gewissen Bonus, das spezielle Etwas, was JUDGE unter unzähligen Hardcore/Punk-Combos herausstechen lässt. Es ist für mich eine perfekte HC-Röhre, die garstig, böse und zugleich melodiös klingt (den Begriff „Melodie“ muss man hier natürlich im relativen Sinne verstehen). Mit „Take Me Away“ bricht gleich die Hölle los. Wer gedacht haben mag, dass es bei einem Konzert einer 80/90er Legende eher beschaulich zugehen müsste, sieht sich getäuscht. Es sind viele junge Fans vor Ort, die Bock auf Bewegung haben, während sich so mancher Recke, den man seit 40 Jahren auf Konzerten sieht, wacker im Pit hält. „Fed Up!“, „Bringin‘ It Down“, „Hold Me Back“, „In My Way“, „Like You“ (geil!), “Give It Up”, “The Storm” (Bombe!), “Hear Me” und “I’ve Lost” knüppeln mächtig durch die PA und erzeugen einen wirbelnden Strudel aus Extremitäten vor der Bühne. Wie schön das ist, so ein reines HC-Brett vor den Kopp genagelt zu bekommen! Die Riffs sind gern mal etwas metallisch, bleiben aber immer der Kernidentät treu. Die Texte brüllt jede:r mit, egal ob Biertrinker oder Straight Edger. Mit „Clobberin‘ Time“ kommt ein überraschendes SICK-OF-IT-ALL-Cover, gesungen natürlich von Craig Ahead, der ja auch so eine geil old-schoolige Phrasierung hat. Da denkt man automatisch an Pete Koller, dem es hoffentlich bald besser gehen möge! Mit „New York Crew“ und „Warriors“ (ursprünglich von BLITZ) endet ein Hardcore-Inferno wie aus dem Lehrbuch. Blut, Schweiß, keine Tränen (oder doch?)!
THERE WILL BE QUIET… AFTER THE STORM
