INHUMAN CONDITION, FACEBREAKER, ASHEN TOMB, YARDFIELD COLONY / 12.06.2026 – Hamburg, Bambi Galore
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Dienstag, 14. Juli 2026 14:36
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Vor sechs Jahren besuchten DreMu-Kollege Torsten und ich das MASSACRE-Konzert im Bambi (Bericht). Ein legendärer Auftritt, doch leider fiel diese Besetzung noch im selben Jahr 2020 auseinander. Die Ex-Mitglieder Jeramie Kling und Taylor Nordberg taten sich kurzerhand mit Terry Butler zusammen und gründeten INHUMAN CONDITION. Sowohl MASSACRE als auch INHUMAN CONDITION waren seitdem recht aktiv, erstere veröffentlichten zwei Longplayer und unzählige Singles, letztere drei Longplayer und eine EP. Witzigerweise hatte damals im Bambi Jeramie Kling Schlagzeug gespielt, bei INHUMAN CONDITION singt er aber! Sidefact: Seit 2024 fungiert er auch als Drummer bei OVERKILL, von 2018 bis 2023 war er bei VENOM INC. Bei Terry Butler fange ich mit dem Namedropping gar nicht erst an, den Typen sehe ich häufiger auf der Bühne als meine Nachbarn im Treppenhaus. Aber auch Flitzefinger Nordberg hat ein fettes Portfolio, ich nenne nur DEICIDE, GOREGÄNG, SOILWORK oder GUS G. Verstärkt haben sie sich um den Schlagzeuger Colton Ziegler. Ich bin also gespannt, heute endlich INHUMAN CONDITION zu sehen! Ob sie einfach eine „andere Version“ von MASSACRE darstellen? Mit dabei sind immerhin drei weitere Bands, die bewährten FACEBREAKER und die mir noch unbekannten ASHEN TOMB (Finnland) und YARDFIELD COLONY (Chemnitz).
Bilder von MJ.
Das Bambi zeigt sich angenehm gefüllt, aber nicht ausverkauft oder zu vollgepropft. Wobei es da ja nie zu eng sein kann, der Wohlfühleffekt stellt sich einfach immer ein. Schade nur: Es gibt heute keine Sammelkarten. Hoffentlich ändert sich das wieder, aber ich fürchte, wenn die Serie erst mal abreißt, ist der Spaß auch vorbei.
Die erste Band YARDFIELD COLONY passt nicht ganz in den Old-School-Rahmen dieser Veranstaltung, mischen die fünf Chemnitzer doch modernen Death Metal mit Hardcore- und Groove-Metal-Elementen. Doch der Mob ist tolerant genug, um das abzunicken. Frontmann Joshi growlt schön tief, streut auch mal Pig Squeals ein und peitscht die Leute konstant an. Man merkt der Band eine gewisse Erfahrung an, sie existiert auch bereits seit sechszehn Jahren, erste Anfänge von Vorgängerbands gehen sogar auf 1993 zurück. Von den Songs bleiben mir besonders „Phantom Scapegoat“ und „The Doomestication“ in Erinnerung. Mal klingt es hektischer, mal ballert es direkt nach vorne oder setzt auf den bewährten Death-Metal-Stampf-Rhythmus. Kurios finde ich ja immer den Einsatz dieser kleinen Würfel, die manche Bands nutzen. Auf die klettert der jeweilige Musiker dann, um einen gewissen optischen Effekt zu erzielen. Mittlerweile gibt’s die Dinger schon bei Thomann zu bestellen, im Katalog heißen sie „Ego-Riser“. Bei größeren Shows ja vielleicht sinnvoll, in so kleinen Undergroundhütten wie dem Bambi finde ich persönlich das etwas komisch. Aber das ist natürlich nur ein Detail und macht den guten Gesamteindruck von YARDFIELD COLONY nun auch nicht schlechter.
„Sind das alle Brüder oder Cousins?“, fragt unsere Steffi, als ASHEN TOMB die Bühne betreten. In der Tat: Was für eine kultige Optik! Bärtige Typen mit zotteligen Mähnen, Sonnenbrillen, durch Bier gestählte Körper, abgeschnittene Jeanshosen mit Ketten und Nieten-/Patronengurten drumherum. Ich weiß eigentlich schon vor dem ersten Ton, dass das nur geil werden kann und ich danach die Platte abernten werde. So kommt es auch. Ich frage mich, warum ich diese Hammerband noch nicht kannte. „Ecstatic Death Reign“ heißt deren Debut von 2024 und der Titel ist Programm: Räudiges Old-School-Gehämmer mit AUTOPSY-Ekligkeit. Die Growls klingen geradezu nach Fäulnis und Verwesung, die Gitarren verbinden MORBID ANGEL mit INCANTATION. Es herrscht also eine deutliche musikalische Versiertheit vor, da darf man sich bei allem Asi-Charme nicht täuschen lassen. Schon die Titel sind gelungen formuliert, geben sie der Zielgruppe doch überdeutliche Hinweise auf den zu erwartenden Klang. Wie soll ein Song wie „Graveless Abomination“ schon klingen, wenn nicht nach Tod, Verwesung, Mumien und Mutationen? Der höchst kurzweilige Auftritt begeistert ausnahmslos jede:n Zuschauer:in, da bin ich sicher. Bitte wiederkommen!
FACEBREAKER up next! Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich die Schweden zum letzten Mal gesehen habe, so lange ist das her. Die Hunde ziehen ja auch seit 27 Jahren über jeden Friedhof mit ‘ner Steckdose. HM2-Sound, schmissige Riffs und eine gewisse Eingängigkeit machen sie zu Brüdern im Geiste von (frühen) BLOODBATH, PAGANIZER, GRAVE oder DEMONICAL. Mit Frontrülpser Joakim Mikiver habe ich FACEBREAKER noch nicht erlebt, der ist auch erst seit 2024 dabei. Sein Gesang wird durch Backingvocals und Zusatzgrowls durch Bassist Jonas Magnusson ergänzt, der uns verspricht, dass die Band bald wiederkomme. Ich stehe ja besonders auf das „Infected“-Album von 2010 und davon ballern sie auch „Creeping Flesh“, „Torn To Shreds“ und „Infected“. Wobei der gesamte Auftritt überzeugt und viele danach an der frischen Luft mit einem „geil!“ oder „awesome!“ kommentieren.
Um die eingangs gestellte Frage gleich zu beantworten: Nein, auf die MASSACRE-Vergangenheit müssen sich INHUMAN CONDITION nicht stützen! Es wird nicht ein MASSACRE-Stück gespielt, dafür zwei andere Coversongs, aber dazu später mehr. Die große Überraschung stellt Jeramie Kling dar! Wie hat der das denn damals hinterm Schlagzeug ausgehalten? Das ist ja ein hyperaktiver Frontmann, der sehr gut auch in einer Hardcoreband singen könnte! Der Kerl springt herum, hängt sich an das Gestänge der Bambidecke, klettert auf die Bassdrum, springt ins Publikum und gibt schlicht alles. Dazu ist sein Gesang zwar Death-Metal-kompatibel, klingt aber noch nach einer echten Stimme, die heftig beansprucht wird, eben auch wie bei einem böse klingenden Hardcore-Sänger alter Schule. Total geil, mich holt das komplett ab. Bei aller Begeisterung über diese Performance darf man natürlich die Leistungen von Bass-Urgestein Terry Butler, Gitarrist Taylor Nordberg und dem Youngster Colton Ziegler nicht unter den Tisch fallen lassen. Blitzsauber, was die da abreißen! „Recycled Hate“, „I’m Now The Monster“ (Mitsing-Highlight!), „Rat°God“ oder „Burial State“ zerstören alles und bewegen sich im Viereck von GRUESOME, DEATH, OBITUARY und MASSACRE, Florida-Death Metal, der mit extremer Spielfreude und viel Power vorgetragen wird. Mit „Godzilla“ covern sie BLUE ÖYSTER CULT, mit „A Skull Full Of Maggots” CANNIBAL CORPSE, beides wird super umgesetzt und mit Schaum vorm Mund quittiert. Hammer!
Herrlicher Death-Metal-Abend!
