WISCHFEST VII / 17.07.2026 – Dörphof, Tag 1
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Mittwoch, 12. August 2026 18:26
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Es wird Zeit, dass wir bei DreMu endlich über das WISCHFEST berichten! Ich besuche dieses herrliche Festival bereits zum vierten Mal und es wird von Jahr zu Jahr besser. Zum ersten Mal können die Veranstalter „Ausverkauft!“ melden. Das bedeutet aber mitnichten, dass hier Gedrängel, Enge und lange Schlangen an Bierpilz oder Dixis herrschen. Nope, 300 Leute sollen auch in Zukunft das Maximum sein. Grüne Wiesen, schön viel Platz zum Zelten, purer Underground und D.I.Y.-Liebe, die Headliner 2026 heißen WITCH CROSS und MECHANIC TYRANTS. Wir können es gar nicht abwarten, fahren bereits am Donnerstag hin, um die Gesellschaft unseres top besetzten Camps und erste Drinks zu genießen. Ab geht’s!
Bilder von MJ.
Eine Hochzeit auf einem Festival? Sowas kann auch peinlich werden. Aber nicht vor dieser malerischen Kulisse und bei dieser liebevollen Gestaltung. Daria A.C. und Sören Reinholdt geben sich das Ja-Wort. Die Hochzeitsprozession besteht aus Bekannten, Verwandten und befreundeten Musiker:innen (Sören spielt bekanntlich Bass bei SERVANTS TO THE TIDE), es werden sehr schöne und emotionale Reden gehalten und es liegt sicher nicht nur am Freibier, dass alle Anwesenden sich gerührt zeigen. Zu den bewegenden Klängen von WHILE HEAVEN WEPTs „Vessel“ wird das Bündnis besiegelt. „Tonight, will you sail away / with open arms and eyes ablaze? / Believe...in me...” Schluchz.
Mit DEHUMANISER eröffnen die Veranstalter selbst, sehr anständig. Oder korrekter: Mindestens mischen Teile der Band bei der WISCHFEST-Orga mit. Finn Wischer, Linus Denstorf, Finn Schwerdhöfer und Christoph Starck bilden das vierblättrige Kleeblatt of Metal. Der Bürgermeister aD und ich haben uns ohne Absprache dazu entschlossen, jede Band aus der ersten Reihe heraus anzufeuern. Das klappt insgesamt lückenlos, nur abends ab 20:00 Uhr ist mit verstärktem Schubsfaktor zu rechnen, so dass wir dann etwas zur Seite weichen. DEHUMANISER überzeugen wieder mit ihrer Mischung aus klassischem Heavy Metal und Thrash. Gerade Finn und Christoph haben ein paar coole Synchron-Verrenkungen eingebaut, mein Favorit der parallele Tokyo-Tapes-Rudolf (Hinterkopf berührt Hacke), hier fehlen nur noch die 70er Plateaustiefel.
Endlich wieder MANTA! Heavy Metal im Zeichen des Rochens! Das Trio existiert noch nicht lange, zeigt aber jetzt schon eine rasante Entwicklung. Meine Erstbegegnung ist erst neun Monate her, schon klingen die Hunde dringlicher und spielen besser zusammen. Hoffentlich nehmen sie bald ihr erstes Album bzw. Demo auf, damit die ungeschliffene Anfangsenergie noch eingefangen wird. Denn es ist gerade das Unbekümmerte, was die Band ausmacht. Da wird völlig selbstverständlich zwischen HAWKWIND, NWOBHM und frühen MOTÖRHEAD gerockt. Die Songs gehen richtig gut runter, einer heißt zum Beispiel „Heavy Roller“ und kann auf Anhieb mitgebölkt werden. Und wer könnte einer Hymne namens „Holsten“ widerstehen? Bei diesem Stück wird auch gleich mal ein Humpen mit der Flying V geknackt – wir hoffen nur, dass es dabei lediglich zu einem geringen Ausmaß an Bierverschwendung kam.
The Lord is back! Die THRASHING PUMPGUNS gehen ja immer und zeigen sich auch heute gewohnt spielfreudig. Die Mischung aus Thrash Metal, Punk und HC/Crossover-Geballer sorgt für hemmungslose Circle Pits vor der Bühne. Rolf hat die Bierdose fest im Anschlag und brüllt wie ein liebeskranker Hafenarbeiter, Gunnar und Buddy knattern die Riffs raus, Holler und Viktor sind mittlerweile eine seit Jahren eingespielte Rhythmuseinheit. Die Songs der zweiten Platte „Welcome To The Real World“ haben für ein erhebliches Upgrade in der Setlist gesorgt. Superplatte, deren Hits „Alcocide“, „Manowar“, „Welcome…“ und „Ingo“ schnell, widerborstig und räudig kommen. Ob die die auch alle gespielt haben? Ich habe es natürlich mitgeschrieben, aber meine Notizen später aufm Dixi liegenlassen. Und ärgern! Aber wird schon hinkommen, man beweise mir das Gegenteil!
Mit LUNATIC folgt gleich der nächste Knaller aus dem Norden. Für Schlagzeuger Timo ist das heute der erste von gleich zwei WISCHFEST-Einsätzen, denn morgen soll er gleich noch mal mit MONSTRUM ran. Ich sehe LUNATIC heute insgesamt zum dritten Mal, aber erstmals als Trio, denn der zweite Gitarrist Mo hat die Band kürzlich verlassen. Ansonsten wie gewohnt dabei: Ex-REZET-Gitarrist Thorben Schulz sowie Bassist Tim Kohlschmidt. Herausragend an LUNATIC ist natürlich das präzise Shredding von Thorben, der diese Art melodischen Thrash Metals zwischen XENTRIX und early METALLICA mit der Muttermilch aufgesogen zu haben scheint. Es dürfte nicht einfach sein, dazu auch noch parallel zu singen. Thorben löst das durch eine Mischung aus Sprechgesang, Schreien und melodiöseren Passagen. Gerade beim melodiösen Gesang sehe ich da noch Potenzial, denn die Coversongs „Motörbreath“ und „American Jesus“ (BAD RELIGION) kommen gesanglich etwas kräftiger, während bei den eigenen Stücken auch Gesangsparts dabei sind, die etwas blass bleiben. Anyway, geiler Gig!
Die Franken STYROPOR gehören zum festen WISCHFEST-Inventar und spielen hier jedes Jahr. Wenn ich es richtig mitbekomme, haben sie sogar als erste Combo überhaupt auf der WISCHFEST-Bühne gestanden. Eigentlich bestehen STYROPOR aus drei Leuten, aber offenbar sind zwei der Dudes verhindert und so springen Christoph und Finn Schwerdhöfer ein. Wie spontan das Ganze erfolgt und ob man überhaupt zu dritt proben konnte, weil ich nicht, aber SRYROPOR stehen eh für Chaos und Anarchie. Heruntergerumpelt werden Coversongs wie „Bullenwagen klauen und die Innenstadt demolieren“ (totale Zerstörung!), „Filmriss“ und andere Punksongs, bevorzugt übers Saufen. Aber es gibt auch eigene Stücke, so zum Beispiel „Mein Schwanz ist nur zum Pissen da“, bei dem es – nunja – wohl ums Saufen geht. Dazu werden Getränke wie Bier und Bowle in den Mob gereicht, damit dieser auch tun kann, was in den Songs beschrieben wird. Es ist schon alles unterhaltsam, aber man braucht gleichzeitig starke Nerven, um das in Gänze anzuschauen.
WITCH CROSS! Nie hätte ich es mir 1984 träumen lassen, dass ich diese titanischen Dänen mal live sehen würde. Und nun erlebe ich sie nach dem KEEP IT TRUE 2012 und dem Triumphzug im Bambi Galore 2019 (mit JAG PANZER und GLANVILLE) bereits zum dritten Mal. Die Besetzung ist identisch mit der von der 2019er Tour, glaube ich. Das bedeutet, dass mit Little John Field (b) und Mike Wlad (g) immerhin zwei Gründungsmitglieder dabei sind, wobei der Sänger Kevin Moore auch bereits seit 14 Jahren mitwirkt, ähnlich sieht es bei Paul Martin (g) und Jesper Haugaard (d, seit 2016) aus. Natürlich wird fast die gesamte „Fit For Fight“ gespielt, ein Klassiker des europäischen Metal. „Night Flight To Tokyo“ kommt recht früh, aber „Rocking The Night Away”, “Axe Dance”, “Killer Dogs” oder “Face Of A Clown” sind ja genau so genial. Kein Wunder, dass dieses Album stetig neu aufgelegt wird. Die High Roller-Version ist übrigens super, ebenso wie die Demo-Sammlung „Fighting Back – The Studio Anthology 1983 – 1985“, welche eine Replik der 1983er Single enthält. „Are You There“ von dieser 7“ wird sogar heute auch gespielt, Wahnsinn. Kevin Moore ist gut bei Stimme und erinnert mich an Biff Byford. Das bestätigt sich durch das SAXON-Cover „Strong Arm Of The Law“, bei dem der Garten ordentlich umgegraben wird. Etwas weniger bekannt sind offenbar die beiden Spätwerke „Axe To Grind“ (2013) sowie „Angel Of Death“ (2021), die aber auch wärmstens zu empfehlen und zum Glück mit zwei, drei Tracks in der Setlist vertreten sind (super: „Demon In The Mirror“). Die Leute vor der Bühne sind plötzlich hammervoll, behalten aber die Fäuste oben und bangen mehrheitlich euphorisch mit.
Kinners, was für ein starker Festivaltag. Wir analysieren das Gesehene noch bis ins Detail, bevor es heißt: Bett und Bier! Morgen weiter!

Kommentare
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