HEADBANGERS OPEN AIR XXVIII (WARM UP) / 22.07.2026 – Brande-Hörnerkirchen, Tag 0

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Das diesjährige HOA dürfte insgesamt positiv in Erinnerung bleiben – optimales Festivalwetter (nie zu heiß, aber auch kein Regen, einfach durchweg angenehm), Top-Billing und alles so, wie man es kennt und liebt. Nun gut, ein bestimmter Musiker hat die schlimmsten Befürchtungen eher noch übertroffen, aber dazu später mehr im vierten Teil. Die Gesamtbilanz kann das nicht trüben, schließlich gibt es sensationelle Auftritte von u.a. BULLET, DEATH ANGEL, SORTILÈGE, PRAYING MANTIS, ATLANTEAN KODEX, SARACEN, AMBUSH oder VOIVOD zu genießen, um nur ein paar Highlights zu nennen und nicht zu viel vorwegzunehmen. Dieses Jahr reisen wir früh an, bleiben von Mittwoch bis Sonntag und sehen natürlich jede Band. Here we go:

 

INSULT

Bilder von MJ.

 

TURBOKILL

 

TURBOKILLTURBOKILL

 

Fast schon überraschend finde ich es, dass TURBOKILL den Reigen eröffnen, hätte ich sie doch als populärer als einige andere Bands eingestuft. Aber einen Banger gleich an den Anfang zu setzen, ist wiederum insofern schlau, als dass dann auch alle möglichst früh aufs Gelände kommen wollen. Jedenfalls kehrt Sänger Stephan Dietrich nach 15 Jahren auf die HOA-Bühne zurück, die er zuletzt 2011 mit ALPHA TIGER bespielte. Das war damals ein super Gig, schade eigentlich, dass diese Band nie so richtig an das überirdische Debutalbum anknüpfen konnte. Können es TURBOKILL? Auf jeden Fall hat Dietrich nichts verlernt und schmettert sirenengleich im Michael Kiske / Geoff Tate-Stil. Die Band kann mittlerweile aus zwei Alben und der Debut-EP schöpfen, was bedeutet, dass diverse grandiose Heavy-Metal-Songs rausgeknallt werden, die durch Hooks überzeugen und zwischen Power Metal und Hardrock pendeln. Gekrönt wird das Ganze von einer nahezu perfekten Coverversion des PRIEST-Klassikers „The Sentinel“ (für mich ja einer der besten Songs überhaupt). Sehr geil!

 

TURBOKILLTURBOKILL

 

WICKED LEATHER

 

WICKED LEATHERWICKED LEATHER

 

Diese Band kommt aus Barcelona und ist recht kurzfristig für die leider verhinderten BEAST eingesprungen. Prinzipiell eine gute Band mit Old School Heavy Metal und einer charismatisch agierenden Sängerin. Leider gefällt mir die recht quäkige und nasale Stimme nicht. Das habe ich selten, eigentlich stehe ich sonst auf fiepsige Gesänge. Im Fall von Yami funktioniert das irgendwie nicht, obwohl ich ihren gesamten Style und ihr Auftreten mag. Ob der Gesang auf Platte besser in die Musik eingebunden ist? Die Musik ist schön rauh und erinnert mit Twin Leads, Midtempo-Stampfbeats und Fistraisermomenten an goldene 80er Schandtaten. Verdammt, ich will jetzt, dass die mir gefallen! Aber es bleibt bis zum Schluss so, dass ich nicht andocke. Nun, hat man mal.

 

WICKED LEATHERWICKED LEATHER

 

RUTHLESS

 

RUTHLESSRUTHLESS

 

Anders ist das bei RUTHLESS, deren neue Platte „Curse Of The Beast“ ja als weiterer Knaller in der Discografie der LA-Metaller bezeichnet werden muss. Die Band ist heutzutage produktiver denn je, hat sie in den Achtzigern „nur“ die EP „Metal Without Mercy“ und das Album „Discipline Of Steel“ herausgebracht (beides natürlich Klassiker), sind es jetzt bereits vier Longplayer in gut zehn Jahren (2015 bis 2026). Während Sammy DeJohn weiterhin an Rob Halford erinnert, fällt die Musik recht Speed/Thrash-lastig aus. Eine Kombination, die nicht nur mir gut gefällt, wie die Reaktionen im Garten zeigen. Angekündigt ist eine „Discipline Of Steel“-Show, die RUTHLESS allerdings nicht sklavisch interpretieren, spielen sie doch nicht das gesamte Album, sondern beschränken sich auf sechs Songs davon und ergänzen fünf vom erwähnten neuen Album. Ich bin voll einverstanden mit dieser Herangehensweise, denn so bleibt es erstens spannend und zweitens macht der Gig durchgehend Spaß.   

 

RUTHLESS

 

INSULT

 

INSULTINSULT

 

Für eine faustdicke Überraschung sorgen INSULT, bei denen mit Jase Stallard (b) und Steve Grice (d) immerhin zwei Ex-ONSLAUGHT-Musiker spielen. Wirklich jeder, der INSULT auf dem KEEP IT TRUE RISING gesehen hat, erzählt mir später, dass der heutige Auftritt um Längen besser gewesen ist. Und ich hatte mich schon gewundert, warum mir ein Kumpel vorher gesagt hatte, dass man sich INSULT nicht ansehen müsse. Geil punkig und räudig dreschen INSULT zunächst einige eigene Nummern in den Garten. Von Song zu Song wird es besser, mir gefällt vor allem der Gesang, der zwischen Thrash-Aggression, HC/Punk-Geröhre und überraschender Melodiefähigkeit changiert. Natürlich kommen ONSLAUGHT-Nummern zum Zuge, nämlich „Let There Be Death“, „Power From Hell“, „Metal Forces“ und „Thermonuclear Devastation“, die mächtig Laune machen und die Frühphase der Band gut abdecken (wobei die beiden ersten Platten ja sehr unterschiedlich klingen – ich liebe beide). Sänger Jase Howell bekommt diesen langgezogenen Refrain von „Metal Forces“ gut hin, geil! Ungewöhnlich: Er singt ganze Parts in einer hockenden Haltung, was ich mir eher anstrengender vorstelle, als im Stehen zu schmettern. Der Mob feuert die Band an und die lässt sich nicht lumpen und bringt gleich drei MOTÖRHEAD-Cover inkl. der modifizierten Ansage „We are INSULT and we play Rock’n’Roll“, erst „Dr. Rock“, „Bomber“ und schließlich „Ace Of Spades“. Das gelingt sehr gut, obwohl oder gerade weil der Bass in dieser Version wirklich wie ein Bass gespielt wird und nicht (wie bei Lemmy) wie eine Gitarre. Man versucht also gar nicht erst, genau wie das Original zu klingen und trifft den Spirit damit um so mehr. Sehr unterhaltsamer und mitreißender Gig! 

 

INSULT

 

Ein Warm-Up, das sich wieder sehr gelohnt hat und top aufs Hauptfestival vorbereitet hat. Wir schnacken noch bis tief in die Nacht und freuen uns auf morgen. TBC!

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