SOCIAL DISTORTION, BIRD’S VIEW / 30.06.2026 - Hamburg, Docks
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Montag, 14. September 2026 15:40
- Geschrieben von Aller Egon
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Irgendwie hat es mich doch noch gejuckt, über das Social Distortion-Konzert zu berichten. Für diejenigen, die es interessiert… Gab ja einige, die den ollen Mikey nebst Band schon abgeschrieben haben…zum einen, weil deren Live-Darbietungen teilweise eher als mau (saft- und kraftlos wird gern genannt) empfunden wurden, zum anderen ist da die Tatsache, dass es bei Ihnen ja auch fast jedes Mal so ist, als ob man auf „Chinese Democracy“ warten würde. Nach sieben Jahren Wartezeit auf das letzte Album waren es dieses Mal bis zum aktuellen Output immerhin ganze 15 (!) Jahre. Wobei da auch Mikes Krebserkrankung für weiteren Delay sorgte (wären sonst aber auch viel zu viel sehnsüchtig wartende Jahre geworden).
Glücklicherweise ist alles gut gelaufen und Mike wieder voll genesen (auch die Furcht, dass die Stimme nicht mehr die alte sein würde, bewahrheitete sich nicht, sehr zur Freude aller!) blies die Band zum Sturm. „Born To Kill“ war für mich trotz all der vermeintlich schlechten Vorzeichen dennoch eins der meist erwarteten Alben der letzten Jahre. Zu groß ist der Stein im Brett bei dieser Band, zu oft hat mich deren Musik in Hochs und Tiefs begleitet. Spoiler: sie haben nicht enttäuscht! Es war natürlich klar, dass solch ein Überalbum wie das (Punkrock-) Manifest „White Light, …“ nicht übertrumpft werden kann. Auch die Tatsache, dass ein Mike Ness in den Mitdreißigern (mal ein Live-Video wie z.B. das Rockpalast-Konzert in Düsseldorf 1997 angucken! Ich finde, dass er da die Energie eines Raubtiers versprüht) ein anderer ist als der 64-Jährige heute. Von seinem (Stil)-Ikonen-Image kann er immer noch zehren, nach dem 30er-Chicago-Mob-Chic ist er jetzt im 50s/60s-Dandy-Style unterwegs. Immer dabei: dessen Authentizität. Ich habe im Vorfeld einige Interviews gesehen und einen relaxten, sympathischen Kerl gesehen, den man gern zuhört. Bei den Gigs in den Record-Stores hab ich wehmütig an Blitz gedacht (remember das dortige VH-Konzert!). Mit den auf wundersame Weise wiedergekehrten Haaren ist gleichsam dem biblischen Samson die Energie wiedergekommen und der Biss. Um nochma auf das neue Album zurückzukommen: ich finde es wirklich super und mit jedem Mal mehr Hören, wächst und wächst es! Bin mir jetzt schon sicher, dass ich es auch in (ferner) Zukunft immer wieder hören werde! Respekt an die Band! Kein müdes Altherren-Ding, sondern irgendwie auch (wenn das im Social D-Kosmos geht) fresh from the heart! Hinsichtlich Ästhetik und die Gesamtheit in visueller und auditiver Hinsicht im Auge passt da wirklich soo vieles (auch die vielen Videos zu den Songs zeigen die Besonderheit der Gruppe: Texte, Melodien, Roots, Style). So viel Blabla kann man auch nur über etwas schreiben, dass man schon auch verehrt. Ich habe mich sehr gefreut, dass es dieses Mal mit der Tour klappen sollte!
Und jetzt kommen wir zum Gig: Geparkt haben wir direkt in der Tiefgarage unter dem Spielbudenplatz, der Ausgang ist ja fast direkt beim Docks-Eingang. Der Opener Bird’s View spielte so alternativen Rock mit ein wenig Anleihen im Punk. Ich kannte sie nicht, viele andere, denke ich, auch nicht. Es war aber nicht so undankbar, wie man sich das vorstellt, für die Boys aus OC zu eröffnen. Ich bin aber ehrlich und das soll nicht respektlos rüberkommen, aber an dem Abend hätte es keine Vorband gebraucht.
Die größtenteils alten Männer im Publikum gierten nach der Band und jubelten im Anschluss, als die fast fünfzig Jahre im Punkrock-Circle-Umtriebigen auf die Bühne kamen. Ich muss schon sagen, ich spürte „Aura“ ;)). Folgerichtig fingen sie mit (passend zum Backdrop) „Born To Kill“ an, der perfekte Opener! Ganze fünf oder sechs Songs ausm aktuellen Output fanden sich in der Setlist wieder! Für mich eindeutig ein Zeichen der Stärke des Albums und des Selbstbewusstsein, nicht nur sein eigener Nachlassverwalter zu sein und nur auf Nummer sicher die alten Hits zu spielen. Die kamen selbstständig aber auch (aus allen Schaffensperioden), „Mommy’s Little Monster“, „Ball And Chain“, „Story Of My Life“ (mit fast schon Fußball-Chor-artigen Publikum) mischten sich beispielsweise darunter. Und ich fand, dass es sich alles dennoch wie aus einem Guss angehört hat. „The Way Things Were“ war für mich emotional das Highlight vom neuen Album, ein perfektes Beispiel für die Verschmelzung von Text und Melodie mitsamt seiner Melancholie und Sehnsucht. In der Zugabe wurden dann keine Gefangenen gemacht, „Reach For The Sky“, „Dear Lover“ und „Don’t Drag Me Down“ waren dann die letzten Kracher des Abends! Auch wenn es sicherlich wieder andere Stimmen gibt, - ja, Mike Ness hat ziemlich viel geredet zum Beispiel - mich hat es abgeholt! Und wie!
Kritik: Es war dennoch einfach echt zu voll(gepackt), über den Getränkeausschank möchte ich mich nicht mehr aufregen, man kennt es ja… Bitte nicht wieder so viele Jahre zwischen den Alben vergehen lassen! Und gerne schnell wiederkommen!
