FER DE LANCE, MIDNIGHT FORCE, SERVANTS TO THE TIDE / 03.09.2026 - Hamburg, Bambi Galore

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Leute, derbes Paket! FER DE LANCE begeisterten auf dem 2023er KEEP IT TRUE, MIDNIGHT FORCE bespielten 2019 bereits die Kieler Schaubude und gastierten auf dem legendären HELL OVER HAMMABURG WARM-UP 2020, über die Lokalmatadoren SERVANTS TO THE TIDE schließlich findet ihr hier den Bericht vom HOH WARM-UP 2025 (mit OKRÜTNIK und dem – schnüff! – letzten Gig der WIZARDS). Alle drei zusammen ergeben eine tolle Kombi, die einen Abend voller Epic Heavy Metal und Doom verheißt. Sieben Longplayer und eine EP haben diese drei Bands insgesamt herausgebracht, die ich doch allesamt als essentiell betrachten würde.

 

FER DE LANCE

Bilder von MJ.

 

Ich erwarte nichts Neues am Merch, ernte aber doch eine Kassette von FER DE LANCE ab, betitelt „Fires On The Mointainside“, die neben dem bekannten Titelsong auch den Track „The Throne Room Of The Dovre-King“ sowie das SAVATAGE-Cover „Hall Of The Mountain King“ enthält. Super! Außerdem scheint es personelle Querverbindungen zu dem kultigen Tape-Label HOOVE CHILD RECORDS zu geben und so wandern auch Kassetten von TABERNACLE, CASTLE und TOXIC MESSIAH in meinen Beutel. Alles natürlich komplette Blindernte. Ob dies gesuchter Stoff von morgen ist? Only time will tell…

 

SERVANTS TO THE TIDESERVANTS TO THE TIDE

 

SERVANTS TO THE TIDE eröffnen den Abend und verzaubern das Publikum gleich komplett. Kleinere technische Macken (Gitarrenaussetzer direkt nach dem Intro – braucht kein Musiker, stört gleichzeitig keinen Fan) dürfen als vernachlässigbare Details der Vergessenheit anheimfallen. Darf man die Hamburger:innen als norddeutsche Antwort auf ATLANTEAN KODEX bezeichnen? Ihre epische Wucht erzielt durchaus eine ähnliche Wirkung, auch singen die Fans so begeistert und laut mit, wie man es von KODEX-Shows kennt. Ich liebe ja beide STTT-Alben und stehe auf den emotional und verletzlich wirkenden Gesang von Stephan Wehrbein. Alle gespielten Songs sind grandios, aber „North Sea“ sticht einfach noch mal heraus. Wer allein bei der ersten Strophe keine Gänsehaut bekommt, muss aus Stein sein: „These shores have seen the rise and fall of kings / Like the rise and fall of the tide /
They have been here long before I was born / And they’ll be here when I die / From the German coastline to the Albion isle / From the tideland to white cliffs high / These shores have been here before I was born / And beneath them I will lie”.     

 

MIDNIGHT FORCEMIDNIGHT FORCEMIDNIGHT FORCE

 

MIDNIGHT FORCE muss man einfach liebhaben! Die Schotten strahlen eine Begeisterung aus, die mich vollständig mitreißt. Sänger John Gunn trägt die Songs mit ausladenden Gesten und einer gewissen Überspanntheit vor, was aber nicht davon ablenkt, um was für großartige Stücke es sich handelt. Der Schlagzeuger Peter Wernick bietet eine Show für sich, als Top-Grimassero könnte er auch bei Monty Python einsteigen. Auch der dauerstrahlende und sockfüßig zockende Bassist Brenden ist ein Hingucker und so knipsen die Fotografen frühzeitig ihre Kameras leer. Zu meiner großen Freude befindet sich mein Lieblingssong „Dunsinane“ heute in der Setlist! (Beim Kiel-Gig hatten sie den nämlich nicht gespielt.) Was für ein abgefahrener Aufbau, und wie genial sind die Gesangslinien und der Refrain! Aber auch „The Scarlet Citadel“ marschiert mit Epik und Theatralik durch die Katakomben des Bambi. Hier reizt zusätzlich noch die einprägsame Basslinie das Gehör. Zwischen Speed-Hämmern („Killer“), Mitsinghymnen („Down With The King“) und Eleganz-Bangern („Warlord Eternal“) erzählt Gunn über Mythen, Historisches und Fantasy. Wahnsinn!

 

FER DE LANCEFER DE LANCEFER DE LANCE

 

Können FER DE LANCE da überhaupt noch zum geflashten und benebelten Verstand durchdringen? Natürlich, allein schon die Coversongs stellen einen Griff ins oberste Regal dar: RAINBOWs „Kill The King“ und SAVATAGEs „Hall Of The Mountain King“ – besser geht es ja nun wirklich nicht. Und beide Songs werden absolut kompetent dargeboten! Das soll aber nicht heißen, dass vor diesem Coverblock die eigenen Stücke nicht überzeugt hätten. Im Gegenteil! FER DE LANCE tragen ihre Mischung aus Epic Doom, klassischem Heavy Metal, Folk-Einflüssen und der stampfenden Schwere von BATHORY aus deren Viking-Phase mit Überzeugung und Leidenschaft vor. Hilfreich ist dabei, dass der Sound richtig dick klingt. Das Trio aus Chicago trägt das Feuer herunter aus den Bergen zu den schmierigen Bangerherzen in Billstedt – eine wahrlich prometheus’sche Tat. Allerdings müssen FER DE LANCE keine Strafe befürchten, werden vielmehr durch vehementen Applaus belohnt. Mit Überlänge schrauben sich Songs wie „City In The Sea“, „Ad Bestias“ oder „Fires On The Mountainside” ins Gehirn und jede Windung erzeugt Metal Lust. Gerade der Titelsong des letzten Album geht in seinen über 13 Minuten durch verschiedene Stadien, es ertönen orientalisch anmutende Melodien und die Steigerung in Black Metal artige Raserei lässt die vorhandenen Haupthaare zu Propellern mutieren. Ja, und dann auch RAINBOW und SAVATAGE obendrauf. Hier könnte eingewendet werden, dass weder ein Dio noch ein Jon Oliva auf der Bühne steht, um das wirklich 1:1 zu liefern, aber hier haben wir die verschwitzte Underground-Variante vor uns, die den Kult absolut angemessen zelebriert. Keller statt Stadion.

 

FER DE LANCESTARCKES SCHWERDTFEST

 

Das war wieder eine Bambi-Bombe, ein Hamburg-Highlight, ein Metal-Marathon!

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