GRENDEL’S SYSTER – “Myrtle Wreath / Myrtenkranz” (CD, Eigenproduktion 2019)

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Grendel's Syster

 

Metal und Mittelalter, das ist meist eine unheilige Allianz, die den fürchterlichsten Kitsch auswirft. Es gab aber schon Bands, die das Thema würdevoll umgesetzt haben, siehe FALCONER und MITHOTYN, welche ja auch eher Folk beeinflussten Epic Metal spielen (bzw. gespielt haben). Hier setzen GRENDEL’S SYSTER aus Stuttgart an, welche mich bereits mit ihrem 2018er Demotape „Orphic Gold Leaves“ haben aufhorchen lassen. Schon auf der Kassette präsentiert die Band eine mitreißende Kombination aus Epic Metal a la SOLSTICE, early MANOWAR oder WARLORD und Folk-Elementen, die auch im textlichen Bereich überzeugt. Seite A und B enthalten dieselben Songs, nur einmal auf Englisch, einmal auf Deutsch.

Dieses Konzept führen GRENDEL’S SYSTER nun weiter: Sieben neue Stücke, erst englisch, dann deutsch vorgetragen. Die Band hat sich hier in allen Belangen mächtig gesteigert. Die Riffs stampfen herrlich, der Sound ist voluminös und differenziert zugleich und Sängerin Caro hat enorm an Charisma gewonnen. Resolut besingt sie das blutige Schicksal lüsterner Grafen, erzählt von entopischen Petroglyphen oder wie des Helden Gebein durch blumenbewehrte Giftpfeile zu Staub ward. Ich sehe die Kutten-Horden vor meinem geistigen Auge, wie sie Fäuste schüttelnd vor der Bühne stehen und mit Schaum vorm Mund mitsingen. Die Lyrics sind inspiriert von historischen Inhalten ebenso wie von deutscher und europäischer Mythologie/Philosophie bis hin zu Fantasy-Literatur. Interessant schon das Covermotiv, zu welchem die Band vermerkt: „Artwork ‘The Roses of Heliogabalus’ by Lawrence Alma-Tadema (1836-1912): ‘...he (Emperor Elagabal, 204-222) once buried his guests in violets and other flowers, so that some were actually smothered to death...’ (Historia Augusta)”

Wer die Melodieführung alter THE LORD WEIRD SLOUGH FEG-Scheiben mag, kann hier eigentlich blind zuschlagen.

https://grendelssyster.bandcamp.com/music

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ANGORA CLUB – „Hasenangst“ (LP, Kidnap Music 2020)

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 Hasenangst

 

Optimalerweise müsste jeder musikalische Erstkontakt so ablaufen, wie es in meinem Falle bei ANGORA CLUB geschah: Wir bewegten uns über diesen weiten Acker des Enzo-Festivals auf das Konzertgelände zu, von weitem hörten wir eine uns unbekannte Band zocken. Das Gehörte klang gleichzeitig vertraut und frisch. Als wir die Musikanten dann auch sehen konnten, ergab das gleich Sinn, kannten wir doch Knotts Gitarrenspiel und Ollis Gesang von unzähligen MR. BURNS-Auftritten (und den Alben der Band). „Vertraut und frisch“ beschreibt den Stil von ANGORA CLUB möglicherweise auch für diejenigen, die MR. BURNS nicht kennen, denn der Vierer (Simon am Bass und Helge am Schlagzeug) vereint Einflüsse von frühen BUT ALIVE, early TURBOSTAAT, Jensen-Sachen wie DACKELBLUT oder OMA HANS und macht daraus etwas Eigenes. Es wird Leute geben, die „Hasenangst“ als Klon dieser Bands abtun, aber dafür ist diese Platte einfach zu GUT! Knotts warmer Gitarrensound, Ollis heiser-melodische Stimme, die tuckernd-wummernden Basslinien und der mal treibende, mal entspannte Groove markieren die Eckpunkte diverser Punkrock-Volltreffer. „Nasser Hund“, „Erika.Alt.Entf.“, „Toter Winkel“ oder „Leguan“ bleiben nach wenigen Durchgängen im Ohr, bieten aber auch genug Substanz, um sich wiederholt in das Album reinzuknien. Dazu tragen auch die teilweise leicht kryptischen Texte bei, die sich einer eindeutigen Interpretation manchmal gekonnt entziehen, aber doch triste Realität, Depressionen, Selbstbetrug thematisieren. Ich habe diese Scheibe übrigens am Erscheinungstag im Flensburger Musikalast abgeerntet, geiler Laden. Da dürfte es die noch geben, geht ma hin, ist einen Besuch wert. Jetzt verspüre ich einen unbestimmten Drang nach Eierlikör mit Sprite, komisch.  

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VENENO – “Motörheadbanger” (Tape, JANML RECORDS / MAJA VON LOBECK 2020)

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VENENO

 

Wer angesichts des Covers nicht sofort die Manifestierung des Gedankens “Geil, muss ernten!” im Kopf verspürt, braucht diese Rezension im Grunde nicht weiterzulesen.

Der Vierer mit Mitgliedern aus Hamburg, London und Brasilien verkündet „Four super-rockers together to keep Rock’n’Roll alive!“ Nun gibt es ja unzählige MOTÖRHEAD-Clones, die kein Mensch und kein Alien braucht, aber das Erfrischende an VENENO ist, dass sie lange nicht so sehr nach ihrem Idol klingen wie andere Bands, die keinen Lemmy auffem Cover haben. Will sagen: VENENO verweisen derart ehrlich auf ihre Einflüsse, dass ihnen keine*r böse sein kann, watschen dem (neu)gierigen Motörheadbanger aber ihre ganz eigene Version des dreckigen Rock’n’Roll um die Lauscher. Da steckt ganz viel HELLACOPTERS drin, und zwar in einer sehr derben, breitbeinigen Spielart, quasi „Supershitty To The Max“ in noch räudiger. Die drei Stücke heißen „Motörheadbanger“, „Rock In Hell Together“ und „High Energy Rock’n’Roll“, kümmern sich inhaltlich somit sofort erkennbar um die wirklich essentiellen Themen, denen sich Denker*innern, Philosoph*innen und Höllenhunde seit Anbeginn der Menschheit widmen. Der Opener vesetzt dich gleich in die Golden-Years-Phase von Lemmy, Philthy und Fast Eddie, der Groove zwingt zum Durch-die-Bude-Stampfen und dabei Haustier und/oder Partner*in herumzuwirbeln und als Luftgitarre zu bespielen. Wer bei „Rock In Hell Together“ die Augen schließt, findet sich fix in einem Tarantino-Streifen wieder. Geil geschmettert übrigens von „Rodge V“, der sonst unter bürgerlichem Namen in einer Hamburger Death Metal-Band röchelt (ihr kennt ihn alle….). Dreckig, aber mit der Schüppe Melodie, die für derartigen Rock’n’Roll nötig ist, bzw. diesen noch suchterzeugender werden lässt. Das Schlagzeug klingt natürlich und galoppelt treibend, fast schon crustig voran. Jeder Song besitzt einen coolen Mittelteil, mit denen AC/DC ein ganzes Stadion zum Ausrasten bringen könnten. Der dritte Track bleibt durch punkige „Ohh! Oh! Oh!” als erster richtig tief im Hinterhirn kleben, wobei alle drei Songs nach wenigen Durchläufen mitgeschmettert werden können. Wilde Soli runden die Sache ab, sodass VENENO auch nicht ansatzweise langweilig oder nach dieser biederen Bierzelt-Rock-Variante klingen, die es ja leider auch gibt.

Das Tape sowie das sechsseitige Booklet kommen passend in Giftgrün, der Klang ist hervorragend.

Besucht die Freaks: https://www.facebook.com/venenorockers/

Und ordert hemmungslos: https://janmlrecords.bigcartel.com/product/veneno-motorheadbanger-ep-green-tape-downloadcode

 

Motörheadbanger

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Lady Beast - The Vulture's Amulet (Reaper Metal Productions, 2020)

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Mit The Vulture's Amulet veröffentlichten Lady Beast aus Pittsburgh am 03.04.2020 ihr viertes Album.

Ich habe ihre ersten beiden Alben länger nicht gehört, da sie mir bei Erscheinen etwas zu glatt im Sound waren. Als ich dann Vicious Breed von 2017 hörte, nahm ich eine Entwicklung wahr, die meinem Geschmack entsprach.

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VLADIMIR HARKONNEN – „Vlad Smash!“ (LP, POWER IT UP 2020)

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VLAD SMASH!

 

Vladimir Harkonnen ist nicht nur der Bösewicht von „Dune – der Wüstenplanet“ und für den Abbau des Spice verantwortlich, sondern auch eine Punkband aus Kiel, mit thrashiger Hardcore-Kante, die sich eben nach dem Bösewicht benannt hat. Warum die Wahl auf den Schurken fiel, weiß ich nicht mehr. Die ersten beiden Longplayer sprachen bereits für sich. Warum die Band nur einem ausgewählten Kreis von unhippen Musikliebhabern bekannt ist, entzieht sich ebenfalls meines Wissenstandes. Wie schon einst Rüdiger Thomas, seines Zeichens Labelchef von Teenage Rebel Records, es beschreib: “Gute Musik und Plattenverkäufe sind zwei Paar Schuhe!“

Wer die Band je live erlebt hat, weiß, dass die Harkonnen-Jünger ein absolut heißes Eisen sind. Dafür benötigt man kein Musikstudium oder muss Noten lesen können – die Energie, welche freigesetzt wird, ist Ausdruck genug, wie geil die Band ist!

Nun aber zur Platte „Vlad Smash!“, die sich regelmäßig auf meinem Plattenteller dreht. Der erste Song „Thirteen Minutes“ überzeugt bereits nach der ersten Sekunde mit dem Intro: Satan is here! Und ab diesem Zeitpunkt blökt das Quartett/Quintett bestehend aus Andi Uranus (Bass), Erick Zölck (Drummer), Niko (Gitarre), Zark Zölck (Gitarre) und Philipp Bonehouse Wolter (Reibeisen) ihren auf 55 Sekunden limitierten stampfenden Song durch die Boxen und es ist überraschend eingängig, bis es auch schon wieder vorbei ist. Der zweite Song „In The Good Old Days“ ist ein klassischer Vladi, der knüppelt, keift und wie eine extrem frische Walze macht er alles dem Erdboden gleich. Song Nummer drei mit dem Titel „White Ghosts“ ist verspielter als das bereits bekannte Material und bevor der Song richtig im Gehörgang ankommt, ist er auch schon wieder (gefühlt) vorbei. „Stagnation Is Death“ ist für mich ein geheimer Favorit, die peitschende Soundwand und der rastlose Gesang kommen so brutal bei mir an, dass ich nicht anders kann, als mich zu den Klängen zu bewegen. Gefolgt vom nächsten Kracher „The Chips Are Down“, der gerade, wenn man sich das gesamte Album und die Songs in ihrer Reihenfolge betrachtet, keine Atempause zulässt. Dabei schaffen es die sympathischen Schergen, das Level so hochzuhalten, dass mir spontan keine deutsche Band einfällt, die eine solche Qualität über Alben hinweg hält. „Flatties“ - was ein Powersong und die Spielzeit von 1:34 dürfte keine Sekunde kürzer sein. Zwischenzeitlich frag ich mich ja tatsächlich, ob die Band bewusst die Songs auf das minimalistische Rohmodell heruntergebrochen hat, wobei musikalisch hier extrem viel reingepackt wurde. Denke da an Bands wie Hammerhead, die das bei ihrer letzten 7inch „Opa war in Ordnung“ ebenfalls gemacht hat, jedoch mit minimaler musikalischer Raffinesse. Vladimir Harkonnen gelingt selbst das in „Vladi Smash!“. Bei „Ram it down“ wird sich der Handbremse endgültig entledigt, wozu auch eine Bremse, wenn diese ohnehin nicht benutzt wird. Ein weiteres Highlight für mich. „Butcher of Petrograd“ besticht durch seine wunderschönen Wechsel, einem Timing, bei dem mir schon beim Hören der Kreislauf kollabiert und nach wiederholtem Hören wird es jedoch besser, das geneigte Ohr benötigt mehrmaliges Hören, um zu verstehen, was hier geboten wird. Den Abschluss bildet der Song „Meteor Impact“, eine Ballade, ein Akustiklied, der als Outro dient. Fast schon schade, da der Song viel Potenzial hat. Fazit des Albums: ein extrem kurzweiliges Stück junger Musikgeschichte, das es verdient hat, von einem breiten Publikum gehört und gefeiert zu werden. Das Album hat 10 von 10 Punkte verdient, da die Musiker Dinge ausprobieren und wagen abseits des Bekannten! Vladimir Harkonnen fand ich nie spannender als 2020 - nur schade, dass die Band wohl für dieses Jahr dem COVID-19 Virus geschuldet keine Livekonzerte mehr spielen wird.

Euer Hammerheadphil

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