Y&T / 25.10.2015 – Hamburg, Downtown Bluesclub

Seit 41 Jahren existieren Y&T nun schon mit lediglich einer kurzjährigen Pause in den Neunzigern. Dennoch war es mir bisher nicht vergönnt, die Band live zu erleben. Daher war ich beim Besuch des LUCIFER’S-FRIEND-Konzertes höchst erfreut, als ich einen Flyer mit der Ankündigung eines Y&T-Gastspiels in die Pranken gedrückt bekam. Fünf Monate Vorfreude! Mich begeistert vor allem die Phase von 1981 bis 1984 mit den Alben „Earthshaker“, „Black Tiger“, „Mean Streak“ und „In Rock We Trust“. In der Hoffnung, dass von diesen herrlichen Alben voller funkensprühendem Hardrock möglichst viele Songs gezockt werden, geht es heute also auf nach Hamburg.


Y&T

Fotos von Nico Krogmann und Siggi Sick



Der Downtown Bluesclub wird fix gefunden, man muss über das gediegene Ambiente im „Landhaus Walter“, in welches der DBC integriert ist, echt erst mal schmunzeln. Auf den ersten Blick sieht das eher nicht so aus, als würde hier gleich eine hemmungslose Rock’n’Roll-Orgie zelebriert werden… Eher könntest du hier mit Muddi Grünkohl essen gehen. Aber man sollte eben nicht zu früh urteilen. Die Veranstalter waren offenbar z.T. früher im Star-Club tätig und es hängen überall Fotos von den BEATLES, CHUBBY CHECKER oder anderen Größen der 60er, was einem natürlich den heißen Atem der Rock’n’Roll-Geschichte in den Nacken bläst. Man sollte übrigens zeitig erscheinen – wie beim letzten Mal geht es recht pünktlich kurz nach acht Uhr los. Eine Vorgruppe gibt es auch heute wieder nicht, was den Eintrittspreis von 30,- Euro recht hoch erscheinen lässt. Es ist voll, es ist warm – also schnell noch mal pullern gehen, ein Bier abgreifen und in die erste Reihe drängeln!


Y&TY&T


Entspannt gibt’s erst mal eine in breitem Hamburger Dialekt vorgetragene Ansage über das kommende Programm und der Bitte um Applaus für Y&T, die dann grinsend auf die Bretter schlumbumbern. Die vier sind in Würde gealtert, so kann man das wohl sagen. Es liegt ja auf der Hand, dass die Musiker mindestens um die 60 Jahre alt sein dürften, sie wirken aber alle fit und tragen stilvolle Bühnenklamotten, die weder over the top sind noch zu gewöhnlich wirken. Yeah, und dann trifft einen der Donnerschlag: Der Sound ist laut und transparent/fett! Es tritt im Grunde sofort in den ersten Takten zu Tage, dass hier hungrige Zockprofis auf der Bühne stehen, deren Fähigkeiten in Jahrzehnten bis zur Perfektion ausgefeilt wurden. Das Zusammenspiel kann nur als traumhaft bezeichnet werden, sodass ich einen abgenutzten Begriff wie „tight“ schon vermeiden muss, denn Y&T sind musikalisch schlicht einfach noch mal fitter als 90% der Bands, die ich hier sonst so reviewe. Das z.T. scheinbar schlichte und eingängige Songmaterial erstrahlt so in zwingenden Grooves und magischen Melodien. An Dave Menikettis Stimme hat der Zahn der Zeit ohne Effekt genagt und ist dabei wahrscheinlich rausgebrochen. Hölle, der Kerl singt wie in den frühen Achtzigern! Sein Gitarrenspiel ist mindestens ebenso beeindruckend – im Laufe des Auftritts werden schlicht atemberaubende Soli gespielt, die immer wieder und völlig berechtigt für Szenenapplaus sorgen. Man muss aber wie bereits angedeutet alle vier Musiker gleichermaßen bestaunen, denn auch John Nymann (g), Brad Lang (b) und Mike Vanderhule (d) spielen gefühlvoll und mit Seele, schmettern dabei gekonnt Backingchöre. Dabei grinsen sich die vier immer wieder begeistert an und entwickeln im Laufe des Sets eine mitreißende Spielfreude – die haben Bock, das ist völlig evident. Meine Hoffnung auf eine Old-School-lastige Playlist wird erfüllt: Es geht gleich mit „Hurricane“ von meiner Lieblings-LP „Earthshaker“ los, und im Grunde hangeln sich Y&T von Höhepunkt zu Höhepunkt. Mit dabei sind unter anderem Fistraiser wie „Black Tiger“, „Mean Streak“ oder "Dirty Girl“, schiebende Midtempo-Biester wie „Take You To The Limit“, bluesige Nummern und na klar fehlt auch der leicht cheesige Hit „Summertime Girls“ nicht. Was mich aber endgültig auf alle Viere sinken lässt, ist das genial komponierte „Rescue Me“, welches sich von dem verträumt-melancholischen Anfang zu einem galoppierenden Banger steigert. Schmerzlich vermisst wird allerdings „Open Fire“, welches Kuttenkollege Josten mehrfach vehement fordert, worauf ihm Mister Meniketti eine verschmitzte Ja/Nein/Vielleicht/Eher nicht-Bemerkung widmet. „It’s live! Anything can happen!“ Nu, „Open Fire“ folgt zwar nicht, aber insgesamt zocken Y&T über zwei Stunden.


Y&TY&T


Mein Fazit fällt also positiv bis euphorisch aus. Natürlich hatte ich nach diversen Erzählungen und Reviews erwartet, dass es gut werden würde, sonst hätte ich auch nicht 30,- Ocken auf den Tresen geblättert, aber meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Angesichts der gebotenen Quali und vollständig hervorragenden Rahmenbedingungen ist der Preis letztlich auch okay. In den DBC kann man ruhig ma gehen, sofern man sich dort nicht Grindcore, Blastbeats oder Violent Dancing erhofft. Das Prgramm ist übrigens weit bis ins nächste Jahr schon online und da kommen einige Kracher auf uns zu. Nuff said!


Y&TSetlist

Sick Selfie

Eingereicht von Philipp

Kommentare   

 
+1 #1 siggi sick 2015-10-27 19:03
Auch das Soli bei ,, I Belive in you,, der oberhammer...ge iler bericht auch...hey
das Selfie fehlt...auch wie immer kult
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0 #2 Philipp 2015-10-27 19:05
Hehe, kann ich reinbauen. Kauf dir einen Selfiestick, du Selfiejunkie!
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+1 #3 siggi sick 2015-10-30 19:46
yeah dann kriegen wir 10 leute drauf
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